Freudenstadt - Murgtal - Baden (RR)
Aus Northwoodcycling
(Cook, 5.6.2007)
Nachdem am Sonntag das schöne Städtchen Tübingen für Northwood Cycling eingenommen wurde, war nun eine weitere Rennrad-Lieblingstour angesagt. Diesmal zur Hauptstadt der Schönen und Reichen: Baden-Baden.
Auch hier wandte ich aus tourtaktischen Gründen den Trick mit dem vollen Rucksack an. Denn auch diese Fahrt gehört ins Reich der Überlandfahrten und verlangt von meiner bescheidenen Kondition einiges.
Schon früh machte ich mich auf den Weg das Murgtal hinab. Im oberen Teil noch mit Hochebenen-Charakter wird es ab Forbach schluchtartig und schroff. Auf der Bundesstraße, die durch zahlreiche Brücken diesen Charakter zu verschleiern versucht, fahre ich bei mäßigem Verkehr immer weiter Richtung Rheintal. Auch heute entsetzt mich wieder die Pseudo-Urbanität Gaggenaus. Man fährt ab Gernsbach scheinbar endlose Kilometer durch bewohntes Gebiet, ohne irgendwie einen Kern, ein Zentrum zu spüren.
Endlich erreiche ich Kuppenheim und fahre auf dem Radweg nach Oos. Man spürt hier jedoch trotz der langgestreckten Lage Baden-Badens das Näherkommen des Zentrums. Der Verkehr wird stärker, die Kennzeichen internationaler, die Autos teurer. Trotzdem ist es eine gelassene und entspannte Athmosphäre. Es zieht mich weiter in die Innenstadt bis zu meinem Lieblingseck am Brunnen der "Prager Stuben", direkt neben den Thermen. Dort am Cafe gönne ich mir wieder meinen Apfelsaft und Apfelkuchen und wundere mich, hier 1 Euro weniger dafür geben zu müssen als am Sonntag in Tübingen. Völlig entspannt beobachte ich die Internationalität um mich herum. Viele Amis mit Texas-Vulgär-Englisch und natürlich Franzosen. An einem Tisch der "Prager Stuben" unterhält sich die ausserordentlich schöne Bedienung mit einem Gäste-Ehepaar auf tschechisch, während der Mann genüsslich die Frische seines original "Pilsner Urquell" geniesst.
Doch die noch bevorstehende Strecke ruft mich zur Aktivität und ich verlasse diesen inspirierenden Ort, um mich in Richtung Lichtental aufzumachen. Über die Lichtentaler Allee, vorbei am Frauenkloster verlasse ich die Stadt und fahre mit Ehrfurcht dem gefürchteten Paß der Roten Lache entgegen. Auch diesmal entpuppt sich der Anstieg von der Badener Seite her als steile Sau und ich bin froh, heil oben anzukommen. In schneller Fahrt geht es dann über aussichtsreiche Kurven nach Forbach, wo sich die heutige Schleife zu schließen scheint. Doch diesmal wird die Heimfahrt nicht zu einer klassischen ReTour. Denn ich wähle zur Murgtal-Auffahrt den Radweg aus. Dieser kann problemlos mit dem Rennrad gefahren werde, obwohl ein kleiner Teil auf Naturpiste verläuft. Dafür ist die Intensität der Landschaft enorm und ich merke, dass ich das Murgtal liebe.
Je mehr sich Baiersbronn meinem inneren und äusseren Auge nähert, um so höher steigt mein Adrenalinspiegel. Denn die besondere Lage Freudenstadts auf einem hohen Sattel verursacht nochmal 200 Höhenmeter am Ende einer zehrenden Murgtal-Tour. Ich beschliesse, das Cafe Ziegler am Bahnhof als Basislager für den Schlussanstieg zu nehmen und schütte 0,5 Liter Cola in mich hinein. Dermaßen gezuckert gelingt mir die Auffahrt erstaunlich gut, wobei ich von den 5 zur Verfügung stehenden Aufstiegsrouten die zwar längste, aber dadurch Flachste auserwählt habe.
Auch diesmal steht mir das Glück im Gesicht und es gelingt mir wiederum, die ganz normalen Dinge des Alltags zu bewältigen. Ein gutes Zeichen dafür, dass auch heute die Lockerheit über die Unvernuft gesiegt hat.
