Über die Rheinebene zur Deutschen Weinstraße (RR)

Aus Northwoodcycling

(Teil 6 der Tourenserie: "Racing Fools kleine Heimatkunde")

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Fakten
Distanz: 210 km
Fahrzeit: 7:19 Stunden
Höhenmeter: 900 hm
Karte: z.B. "Deutsche Radtourenkarte 34 Rheinpfalz Odenwald Weinstraße"
Orientierung: Pfinztal - Grötzingen - Weingarten - Graben - Rußheim - Germersheim - Westheim - Kleinfischlingen - Edesheim - Burrweiler - Frankweiler - Albersweiler - Siebeldingen - Eschbach - Klingenmünster - Bad Bergzabern - Rechtenbach - Schweigen - Windhof - Schaidt - Wörth - Rheinauenradweg Ri Germersheim - Rheinfähre Leimersheim - Stutensee - Grötzingen - Pfinztal
GPS Daten: kml Datei für GoogleEarth (gepackt als ZIP)
Autor: Racing fool
Welliges Geläuf
Welliges Geläuf
Das Pavo braucht 'ne Pause
Das Pavo braucht 'ne Pause
Blick auf den Northwood (im Dunst)
Blick auf den Northwood (im Dunst)
Jan will Bootle fahren!
Jan will Bootle fahren!
Jan darf Bootle fahren!
Jan darf Bootle fahren!

Im Radsport ist desöfteren von Klassikern die Rede. Klassiker sind Rennen, die schon seit Urzeiten ausgetragen werden und deren Profil meistens sehr anspruchsvoll ist. In meinem Repertoire an Rennradtouren gibt es ebenfalls solche Klassiker. Die Tour über die Deutsche Weinstraße ist einer davon.

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich die Runde als Vereinsneuling zum ersten Mal mitgefahren bin. Unser Trainer hatte zuvor gesagt: auf der Strecke könnt Ihr mal zeigen, was Ihr seid: Nutella oder deutsche Eiche :-) (*) Auf dem Papier sieht die Tour abgesehen von der Streckenlänge nicht besonders imposant aus: 900 Höhenmeter Steigung bekomme ich bei manch kurzer Schwarzwaldrunde auch schnell zusammen. Allerdings sind diese 900 Höhenmeter über 40 km Strecke konzentriert auf viele kleine aber giftige Wellen. Und wenn man in diese Wellblechbahn einsteigt, weist der Tacho meistens schon 80 gefahrene km auf und wenn man angeschlagen wieder herauskommt, sind noch weitere 80km Heimfahrt zu bewältigen. Summa summarum also ein echter Härte- und Formtest.

Das alleine bringt mich aber schon lange nicht mehr in den Radsattel - als Belohnung brauche ich immer noch Landschaftskino. Das wird auf dieser Tour geboten und zwar von der allerfeinsten Sorte! Besonders wenn man die Runde im Herbst in Angriff nimmt, taucht man in ein Farbenmeer ein, das mich immer ein bisschen an den Indian Summer erinnert.

Aber der Reihe nach. Wie schon angedeutet, hat irgendjemand vor den eigentlichen Höhepunkt (die Weinstraße selbst) wieder ein hartes Stück Arbeit gestellt. Von den 80 km Anfahrt kannte ich schon ca.40km von sonstigen Touren in dieser Ecke: Der Vorteil: ich kannte die Strecke schon, der Nachteil: ich kannte die Strecke schon.

Doch ab Russheim (in der Nähe von Phlippsburg) ändert sich das Ganze schlagartig: Da habe ich vor ein paar Jahren durch "Zufall" (hatte mich verfahren) ein nettes Radwegchen durch die Rheinauenwälder entdeckt bis direkt vor die Rheinbrücke nach Germersheim. Dann führt der Weg von Germersheim immer nach Westen in Richtung Pfälzer Berge. Ich staune immer wieder über die vielen schnuckeligen Ortschaften mit den tollen Fachwerkhäusern. An jeder Ecke gibt es Neuen Wein, Äpfel, Kastanien und Nüsse und ab und zu schwappt ein Mostduft durch die Gassen. Sollte ich Zweifel an der Sinnhaftigkeit meiner Tour gehegt haben, spätestens hier sind sie verflogen! Wer sich übrigens auf der Fahrt gen Westen über ständigen Gegenwind ärgert, sollte einen kurzen Augenblick nachdenken, in welche Himmelsrichtung später der Nachhauseweg führen wird - das macht vieles erträglicher :-)

Die Pfälzer Berge, die von von zu Hause noch so unendlich fern erschienen, rücken mit jeder Kurbelumdrehung näher und endlich komme ich in Burrweiler an, meinem persönlichen Einstieg in die Weinstraße. Meine Fahrtrichtung dreht sich in Richtung Süden und zum ersten Mal eröffnet sich das gigantische Panorama, das ich jetzt die nächsten 40 km genießen darf. Für die Kulisse, die sich hier bietet fehlen mir die passenden Worte und auf den Fotos kommt es leider auch nicht rüber. Man muss es selbst erleben. Punkt!

Wer die Weinstraße von Nord nach Süd befährt hat den großen Vorteil, dass am Schluss der Höhepunkt in Form des Deutschen Weintores winkt. Schon lange vorher sichtbar, trohnt es wie der Arc de Triomphe auf einem Hügel ...

Vom Weintor führt mich dann die Fahrt wieder gen Osten, leicht abfallend und mit ständigem Rückenwind. Chill-Out ist angesagt. In Schaidt verlasse ich den direkten Weg nach Kandel und verkrümel mich in den Bienwald, auf eine parallel verlaufende Route. Warum? Keine Ahnung - Macht der Gewohnheit. Vielleicht suche ich auch unbewusst diese letzte große Prüfung der Weinstraßen-Tour. Keine körperliche Prüfung, sondern eine Prüfung des Geistes. Meister Yoda würde sagen: "Geduld du haben musst, junger Radsportler". Geduld, die endlos erscheinenden 15 km der Bienwald-Gerade durchzuhalten. Ok, die ersten 2km habe ich mich erfolgreich mit einem zwischen den Zähnen festsitzenden Müsliriegelkrümel ablenken können. 3 weitere km müssen für die Erstellung des Plans für die Rettung der Welt herhalten. Dann bleiben aber immer noch 10km übrig und die Positionsanzeige auf dem GPS scheint sich nicht von der Stelle zu rühren ...

Aber auch dieses Drama findet sein Happy-End. Die Einfahrt in Wörth ist von einem Hochgefühl begleitet und überglücklich mache ich gleich noch einen Abstecher zu Feinkost-Esso, um mich für die Strapazen zu belohnen. Während des Genusses zweier mit Schokolade überzogenen Erdnussriegeln (will hier keine Werbung machen) führe ich eine kurze Analyse der Gesamtsituation durch: 160km absolviert, noch 20km für den direkten Weg heim aber damit noch unter der magischen 200km Grenze. Kurze Frage an die Hauptakteure (Hinterteil und Oberschenkel): Wie sieht es mit einer kleinen Verlängerung aus? Da keine Einwände kommen, schwinge ich mich wieder in den Sattel, um die Rheinfähre in Leimersheim anzusteuern. Es mag verrückt klingen, aber ich denke, dass diese Variante sogar einfacher ist als der direkte Weg durch Karlsruhe mit seinen vielen Ampeln. Schöner ist sie allemal.

Zur Rheinfähre nach Leimersheim gibt es einen wunderschönen und super glatt asphaltieren Radweg hinter und auf dem Rheindamm. Besser gesagt: es gab ihn. Am Start steht jetzt ein nettes Hinweisschild: “Wegen Umbau des Polders bis 2011 geschlossen!” 2011? Hallo? Ok, statt einfach wieder umzudrehen, bin ich dann die ausgeschilderte Alternativroute gefahren, über deren Qualität ich an dieser Stelle aber besser nix sage :-(

Kurz vor Ankunft bei der Rheinfähre fällt mir eigentlich immer (zu spät ein): Was mache ich denn, wenn die Fähre außer Betrieb ist? Das ist mir glücklicherweise noch nie passiert, aber wenn der Tag mal kommt, dann werde ich ganz schön dumm aus der Wäsche schauen :-) Mamaaaaaaa! Über die restliche Heimfahrt gibt es nicht sehr viel zu berichten. Es läuft hervorragend. Wahrscheinlich einer dieser Tage, an denen einfach alles passt. Im Gegensatz zu meiner Erstbefahrung bin ich dieses Mal nicht "Nutella". Kurz gibt es da sogar die fixe Idee, noch länger zu fahren. Da ginge es aber wirklich nur um die nackte Zahl auf dem Kilometerzähler und nicht um das Erlebnis. Deswegen: Schnurstracks nach Hause und auf dem Balkon in der Abendsonne bei einer Riesenportion Spaghetti dafür sorgen, dass sich die Erdnussriegel in meinem Magen nicht so alleine fühlen müssen :-)

Fazit: Der würdige Abschluss für meinen Radurlaub@home. Die Weinstraße ist und bleibt eine meiner absoluten Top-Favoriten. Bei entsprechender Wetterlage ein Gute-Laune-Garant. Nur für die An- und Abfahrt werde ich in Zukunft vielleicht mal ein paar der zahlreich vorhandenen Nebenstrecken testen. Wer sich durch die Streckenlänge der von mir gewählten Variante abgeschreckt fühlt: es geht auch deutlich kürzer, ohne dass man dabei auf die Höhepunkte verzichten müsste: Eine mögliche Alternative wäre z.B. die Anreise per Auto in die Ecke Wörth, Kandel, Schaidt.

(TODO: Alternativroute einblenden)

Noch ein paar Tipps:

  • Die Strecke bietet nahezu überhaupt keinen Schutz vor starkem Wind oder starker Sonneneinstrahlung (abgesehen vom Bienwald - der hat jedoch dafür Schwierigkeiten anderer Art -> siehe oben)
  • Nach Möglichkeit nicht an Sonntagen fahren (jedenfalls nicht während der touristischen Hochsaison). Die Verkehrsdichte ist einfach zu hoch und die (nicht einheimischen) Autofahrer zu unentspannt. Das kann einem die ganze Show vermiesen!


(*) Bei meiner Erstbefahrung fühlte ich mich am Start als deutsche Eiche und kam als Nutella-Brötle zurück :-D

[bearbeiten] Die Route

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