Weltall Erde Hektor

Eine kleine Hommage an das Schindelhauer Hektor

Nachdem ich nun schon einige Kilometerchen und einige herrliche Erlebnisse mit meinem Freund Hektor hinter mich gebracht habe, möchte ich nun doch ein paar Worte der summarischen Retrospektive der interessierten Leserschaft aufdrängen.

Dabei möchte ich etwas weiter hinten anfangen. Weltall Erde Hektor. Es ist die neue Generation an Rattspochtfreunden oder besser: an Freunden der Radkultur, die es geschafft haben, die Stereotypen aufzuhebeln, Tradition durch Stilbewusstsein zu ersetzen und Massenware durch Individualität. So ist es heute möglich, und großer Dank gilt hier solch‘ innovativen und eigenwilligen Radläden wie Goldsprint Berlin, etwa einen ultra-agilen low-profile-Bahnrahmen als Grundlage zu nehmen, Bremsen dran zu bauen, einen breiten Mountainbikelenker und einen revolutionären Riemenantrieb. Zu welcher Gruppe gehört man mit so einem Hybriden? Zu den Freigeistern? Zu den Existentialisten? Nein, zu keiner. Es gibt hier keine Gruppierungen mehr. Es muss gefallen. Es ist wie ein kleines Stück Kunst. Hier steckt Geist drin. Zweckmäßigkeit und Schönheit vermischen sich. Und wie fühlt sich das an?

Trotz den klar definierten Bahnradgenen, zieht es Hektor immer wieder in die Ferne

Mit Hektor bin ich am liebsten auf der Ebene unterwegs. Die Idee hinter diesem Aufbau war jedoch, neben der Ästhetik, die Bergtauglichkeit. 66cm breite Riser bedeutet ordentlich Zug am Lenker, perfekte Übersicht und Kontrolle. Man kann mit diesem Lenker ohne störende, lenkeinwirkende Hebel auch „längere“ Anstiege angehen. Damit meine ich weder durchdrückbare Kuppen, noch veritable Alpenpässe. Irgendwas dazwischen. Und auf der Langstrecke bietet ein Riser durchaus Komfort. Durch den minimalen Rise wird beim normalen Greifen an den Griffen die Sattelüberhöhung abgeschwächt. Will man zügig durch den Wind schneiden, bietet sich der Griff ganz innen an, welcher sich durchaus auch für längere Passagen aushalten lässt. Die Grenze ist hier, wie auch bei Anstiegen, die Übersetzung. Wo beim Berg die Steilheit Grenzen setzt, ist es auf der Ebene die Kadenz. Bei hohen Kadenzen fehlt mir der Druck und so sind hier hohe Dauergeschwindigkeiten höchst anspruchsvoll. Dies verhindert natürlich auch die Fahrt in einer ambitionierten Rennradgruppe. Aber das war nie das Ziel. Und somit lässt sich mit meinem geliebten Kumpel Hektor neben der schnellen Feierabendrunde durch kuppiertes Gelände auch eine kilometerreiche Zweitagestour mit Rucksack durchziehen.

Warum aber dieser Blödsinn mit nur einem Gang? Das ist eben, neben dem optischen Aufbau des Hektor, das individuelle Gusto. Es tut Seele und Geist gut. Nicht nur dem Körper. Das mag ich. Es ist, wie ein schönes Bild oder eine schöne Landschaft. Völlig nutzlos. Aber es tut gut.

Siehe auch: Weltall Erde Rotor

5 Gedanken zu „Weltall Erde Hektor“

  1. Sehr schön reflektiert, elaborierter Sprachgebrauch!
    Oder mit anderen Worten:

    „Nun, da sich der Vorhang der Nacht von der Bühne hebt,
    kann das Spiel beginnen,
    das uns vom Drama einer Kultur berichtet.“

  2. Nur mal so nebenbei:
    Vielleicht wäre zum perfekten Farbabgleich von Schriftzug und Hektor eine Kooperation von Schindelhauer mit dem ortsansässigen Künstler möglich.
    Dann wäre der Schriftzug endlich dieses doch etwas seltsam anmutende Pink los…

    1. Fast hätt ich ja ein Dosnoventa in pink genommen, um diesem Farbdilemma Einhalt zu gebieten und schon viel früher jenes Foto vor dieser ‚Kunst im öffentlichen Raum‘ und gleichzeitigem Statement pro Wohnort ohne ästhetischem Disaster in die Realität zu überführen. Aber auch ein Goldfischorangemetallic lässt sich irgendwann vorzüglich mit Knallneonpink ohne direkt eintretende physische oder psychische Symptomatiken verbinden.

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