The Republic of Giro

Irgendwann musste der Tag kommen. Meine alten und höchst bewährten Specialized Comp Radschuhe aus dem Pleistozän mussten einem jüngeren Platz machen. Ich selbst tu‘ mich da verdammt schwer. Waren die alten doch meine treuen Begleiter auf den schönsten MTB-Touren meines Lebens, haben alles klaglos mitgemacht und ohne ernsthafte Blessuren überstanden. Aber ich habe verstanden: es gibt schöneres Fusskleid, welches besser am Fuß sitzt und nicht ausgelutscht am unteren Beinende baumelt. Besonders beim „hochästhetischen“ Ausritt auf dem Mika Amaro oder Brother Allday. Auf dem MTB kommen weiterhin meine alten Specialized zum Zug.

Giro Republic Black Canvas/Gum

Mein Hang zum Klassisch-Oldskoolen mit versteckter Modernität ließ mich dann eine Entscheidung gegen die vielen Boa-verschlossenen, für einen schnürgesenkelten Rattschuh fällen. Da es auf Erden keine Radhändler mit adäquater Schuhauswahl mehr zu geben scheint, wurde das Internet bemüht. Mein Nachbar hat den „Giro Republic Army/Gum“ in Größe 42 und so konnte ich probieren und entscheiden. Entschieden wurde dann für den „Giro Republic Black Canvas/Gum“ in 43. Das sind 1,5 Nummern größer als meine „normale“ Schuhgröße. Also fällt der Republic klein aus. Wer es stramm mag und ein Anstossen der Zehen als für Rattspochtschuhe gesetzt sieht, nimmt die Schuhe in seiner normalen Größe. Für lange Touren halte ich das aber für unkomfortabel.

Die Schuhe sind extrem bequem und daher wirklich für die Tagestour mit Gehpassagen durch Fussgängerzonen, zum Eisessen, Bierchen trinken o.ä. bestens geeignet. Die eher antiquierte Sportschuh-Optik passt hierzu bestens, denn, in Verbindung mit lässigen Shorts, erkennt man nicht sofort den rumstöckelnden, wurstgepellten Rattspochtler. Das hat Hipster-Potential!

Die sehr lange Schnürung ermöglicht feines Anpassen an die Fußform und an die Vorlieben von locker bis knallfest. Die übriggebliebenen Schnürsenkelenden kann man in einer auf der Zunge befestigten Gummilasche festklemmen, sodass ein Einfädeln und somit deren Zerfetzen am Kettenblatt praktisch ausgeschlossen wird.

Problematisch und in vielen Bewertungen im Internet thematisiert, ist die schlechte Kompatibilität mit Klickpedalen. Das Cleat sitzt einfach zu tief, so dass die Laufgummis ein einklicken verhindern, oder das mühevoll eingeklickte System so unter Spannung setzen, dass ein ausklicken extrem erschwert wird und das bei SPD-Systemen angenehme seitliche Spiel komplett verhindern. Obwohl ich das im Vorfeld auch von meinem Kollegen wusste, wollte ich das Problem selbst anschauen und lösen.
Letztendlich geht es nur darum, die Cleats etwas anzuheben. Dafür habe ich einfach die manchmal mit Schuhen oder Klickpedalen mitgelieferten Unterlagsplatten zwischen Sohle und Cleats montiert und die Grate der neuen Cleats abgefeilt und schon läuft alles perfekt! Die Optik auf der Unterseite könnte etwas aufgeräumter sein. Das ist vielleicht der einzige kleine Minuspunkt. Aber was juckt die Unterseite.

Lösng des Cleat-Problems durch diese silberne Unterlagsplatte
Die Cleatplatte sitzt nun nicht mehr so tief und ermöglich perfektes ein- und ausklicken

Fazit: Klassisch geschnürte, extrem bequeme, oldskoolige, an alte Fussballschuhe erinnernde und sehr leichte Radschuhe für den Alltag und die lange Tour oder gar Reise. Wie sich die Oberfläche auf lange Sicht bewährt, wird sich noch zeigen.

6 Gedanken zu „The Republic of Giro“

  1. …..man hätte auch die sohlenstücke abmontieren und dann von unten etwas abschleifen können …..grüsse vom shoemaker alias der knappe !

    1. Da hast du vollkommen recht lieber Knappe Paul! Das war auch in der Diskussion und von meinem Nachbarn favorisiert. Dagegen sprach für mich das fehlende Equipement zum ordentlichen, planen Abschleifen. Wäre doch nur „Paul’s Shoerepair“ in der Nähe…

  2. Diese Treter haben Stil! Klassisch schön .. hätte ich auch gekauft wenn ich erahnt hätte das es die gibt 😉

    Ich hab mir letztes Jahr im Sommer .. nachdem meine Diadoras nach über 1o Jahren ausgedient hatten .. den Sidi Dominator gekauft.

    Nach 9 Monaten Dauereinsatz bin ich immer noch hochzufrieden damit .. auch wenn er lange nicht so edel daher kommt wie deine Giros!

    1. Danke für dieses balsamgleichen Worte du Guter! Mein Umfeld findet sie nämlich leicht sch*ul 🙁
      Nach einigen Kilometerchen und Zug/Druck-Belastungen durch fehlende Gänge am Berg, ergibt sich ein klitzkleiner Druckpunkt rechts aussen, den es bei meinen alten Specialized nicht gab. Normalerweise habe ich Null Probleme bei Schuhen. Mal sehen, sind ja noch nicht wirklich eingefahren.
      Den Dominator finde ich übrigens super schön. Nur konnte ich den nirgends sehen oder probieren.
      Übrigens sehen die Giro edel aus, aber das Material ist in natura nicht ganz so edel wie es aussieht, aber trotzdem optisch top!

  3. Oje, du hast mich da an ein verdrängtes Thema erinnert – meine Schuhe (sowohl RR als auch MTB) sind wohl auch mehr als überfällig 🙁
    Radschuhkauf steht auf Platz 3 meiner persönlichen Hassliste der Neu/Wiederanschaffungen fürs Rad (weil ich Wochen vor der Anschaffung nur mit Recherchen und Tests verbringe und Wochen nach der Anschaffung dann mit der Umgewöhnung. Call me Prinzessin auf der Erbse!)
    Auf Platz 1 steht übrigens der Sattel, auf Platz 2 das Pedalsystem
    Ich glaube bei der nächsten Anschaffung eines Produkts der o.g. Kategorien werde ich nach erfolgreicher Testphase gleich 20 weitere Exemplare davon kaufen. Dann habe ich mit dem Thema für den Rest meiner Radkarriere Ruhe 😉

    bzgl. DEINER Anschaffung: da haste stilsicher zugelangt! Kompliment! Bin mal gespannt, wie sie sich bewähren werden. Könntest dich ruhig aber mal wieder komplett in Ausgehuniform ablichten lassen, damit wir dich (ebenso stilsicher) beraten können was als nächstes an deinem Outfit einer Anpassung bedarf 😀

  4. Schuhe sind nun eingefahren und das anfängliche Drücken rechts aussen ist weg. Dies aber auch, weil ich unter die Giro-Einlagen noch ganz dünne 08/15-Einlagen gelegt und auch die Cleatposition leicht verändert habe (nach vorne-innen). Nun sitzt der Schuh für meine recht schmalen Füße perfekt und macht keine Mucken. Das von racingfool angesprochene Prinzessin-auf-der Erbse-Eingewöhnungs-Gefühl ist nun durch, dank kleinster Einstellungsänderungen im Mikrometer-Bereich 😉

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