Singen – Walenstadt – Singen (Tag 2)

2-Tages-Tour durch 4 Länder 305km 1200hm
Tag 1: 140km 900hm (Singen – Winterthur – Rapperswil – Walenstadt)
Tag 2: 165km 300hm (Walenstadt – Sargans – Vaduz – Feldkirch – Singen)

Ein Erwachen in so einer prächtigen Bergkulisse mit blauem Himmel und weiss verschneiten Gipfeln ist ein Geschenk! Das Frühstück war übersichtlich, aber sehr hochwertig. Genau nach unserem Geschmack. Der Kaffee war ein Traum, handgemacht aus einer Espressomaschine. Unser Ziel, wiederum um 8 im Sattel zu sitzen wurde erreicht und der nette Besitzer des Hotels begleitete uns noch bis zu unseren Rädern und wünschte uns auf offene und ehrliche Weise eine gute Rückfahrt.

Das Massiv der Churfirsten, die bis 2000m über dem Tal hinaufragen

Auch dieser Morgen war zapfig kalt und so waren wir wieder mit Winterausstattung am Start. Der Schatten der Churfirsten begleitete uns noch einige Kilometer, bevor wir dann endlich die ersehnten warmen Sonnenstrahlen aufsaugen konnten. Dann ging es nicht mehr lange und wir konnten auf Sommer umstellen. Die Signalisation, auf die wir uns auf der ganzen Tour perfekt verlassen konnten, führte uns dann über Sargans nach Liechtenstein, das wir in seiner kompletten Länge durchfahren sollten. Liechtenstein ist im Prinzip 1 Strasse zwischen Rhein und Bergen. Daran reihen sich kleine Ortschaften, wie auch der Hauptort Vaduz, der für eine Hauptstadt viel zu winzig ausfällt, aber ganz kurz, für einen flüchtigen Moment, an Monaco erinnert. Schnell war also das recht uninteressante Liechtenstein durchfahren und wir fuhren über eine kleine Kuppe in Feldkirch ein, was nun doch ein städtisches Gesicht zeigte, mit Menschen, vielen Menschen, die es in Liechtenstein nicht zu geben scheint. Nachdem wir in der Innenstadt einen guten Kaffee genossen hatten, ging die Fahrt weiter Richtung Rheindamm, den wir bis St.Margrethen folgen wollten und um dessen Gefährlichkeit wir schon viel gehört und gelesen haben.

Kleine Pinkelpause in Liechtenstein
Kanada? Nein, es ist die Ill mit Blick ins Montafon

Und so war es dann auch: der Wind. Dieser verdammte Wind, der in der Rheintaldüse gerne auf sturmstärke aufdrehen kann, kam natürlich von vorne. Also kein Föhn, denn dann hätten wir ihn von hinten gehabt. Half alles nix, wir mussten da durch und das weit über 20km, volle Breitseite. Doch nach zähem Ringen um Fahrgeschwindigkeiten jenseits der 18kmh wurde uns ein Engel gesandt, in Form einer jungen Schweizerin auf einem eBike! Beim überholen sprach sie uns an und bot kostenlos ihren Windschatten! Dankend sind wir dann im Sog dieses so wunderbaren Gefährts mit 26kmh nach St.Margrethen eingelaufen. Noch heute sehe ich die kastanienbraunen Haare diese Himmelsgeschöpfes im Fahrtwind wedeln. Und so war dies ein weiterer menschlicher Höhepunkt dieser Ausfahrt.

Sieht doch eigentlich schön aus…aber der Wind!

Nun ging es in Richtung Rorschach, dem südlichsten Punkt des Bodensees. Und obwohl uns die Bergwelt wieder einmal in ihren Bann gezogen hat, kam beim Anblick des großen Obersees ebensolche Freude auf. Beide Landschaften, so unterschiedlich sie auch sind, haben ihren ganz eigenen Reiz. See und Berge. Das macht diese Region so besonders. Und so radelten wir am See entlang, die bekannte, aber nie langweilig werdende Strecke nach Konstanz, wo uns wieder einmal die volle Wucht der gesamten Menschheit aus der Entrücktheit riß und mit einem Sperriegel aus lustwandelnden Flaneuren aufwartete. Also absteigen und durchschieben. Wer wollte es ihnen vergönnen, das erste sonnige und warme Wochenende, da muss man raus!

Sonne Sommer Hektor

Nach einem leckeren Kuchen im Pano war dann auch das letzte Stück nach Hause unproblematisch und wir können berichten, dass mit genügend Zeit und Pausen auch größere Distanzen an Mächtigkeit verlieren und machbar werden. Die einzige Verschleisserscheinung war bei Yvo 2 ledrig-wunde Hautpartien am Bobbes und bei mir ein tauber kleiner Finger, der sich aber nach 2 Tagen wieder mit Leben füllte und die Entscheidung für Ergon GX1-Griffen nach sich zog…(was aber keine Wirkung zeigte und mich wieder nach den optisch weitaus ansprechenderen ODI-Griffen greifen ließ)

Tag 1

2 Gedanken zu „Singen – Walenstadt – Singen (Tag 2)“

  1. Ihr beide seid das, was man neudeutsch als „Influencer“ bezeichnet – Ihr beschreibt das Erlebte so hautnah und authentisch, dass man nix anderes mehr will, als das Ganze auch nachzuerleben – und zwar AUF DER STELLE! (natürlich inkl. kastanienbraunem Windschatten …)

    Mal wieder eine echt coole Nummer von Euch beiden – Ich ziehe meinen Hut und verneige mich in Demut 😉
    Die Ecke kenne ich bis dato nur aus dem Autofenster heraus – von den Anfahrten in Richtung Engadin.
    Aber schon aus dieser Perspektive fand ich es immer überwältigend! Und die Churfirsten gehören für mich zu den Top10 Silhouetten der Schweiz! (der Alpen?)

    Kleiner (ernsthafter) Tipp an Yvos Bobbes für künftige Abenteuer – (von einem ehemaligen Leidensgefährten). Assos Chamois Creme wirkt Wunder bzw. verhindert das zumindest bei mir zuverlässig. Ist zwar teuer, hält aber relativ lange, da nur sparsam aufgetragen werden muss …

    P.S. Nur eines habe ich in dem Bericht vermisst: nachdem Yvo über Tag 1 noch meinte, es wären keine bösen Worte gefallen. Wie war das an Tag2? 😉

    Keep on rolling …

    1. lass mich gut überlegen, lieber racing_fool….ja du kennst mich nun doch schon ne Weile….an Tag 2 sind mir beim Gegenwind kurz ein paar äußerst böse Worte aus dem Mund gerutscht, aber der fiese Gegenwind hat sie ja ganz schnell weg getragen, also kamen sie quasi nicht vor….
      Und dankeschön mit dem Tipp für meinen Bobbes. Ich glaube, die hole ich mir.
      Freue mich schon auf die nächsten Touren, aber ich glaube, diese hier war einmalig. Diese verschneiten Berge und im Tal fing alles an zu blühen, dann dieser blaue Himmel, schmacht.

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