Riva del Garda

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Beim diesjährigen Gardasee-Urlaub war alles anders als sonst. Gleich die Anfahrt war ein kleines Chaos. Richtig früh gestartet, um im Vintschgau noch vor dem nervenzehrenden Dauerzähfluss durchzukommen. Doch dann: wo krieg ich um halb sechs so ein Ösi-Dreckspickerl her? Am Zoll war alles zu, die Tankstellen hatten zu, also: ihr könnt mich mal. Umdisponiert und über den Bernhardino, Mailand, Brecia, Salò untenrum nach Riva. Die Österreicher gingen also leer aus, harharhar!

In Riva angekommen hat es erstmal ordentlich geregnet und alles war verhangen. Die Unterkunft war mitten im Industriegebiet, das wussten wir. Aber dass es in natura so herb rüberkommt, da mussten wir erstmal schlucken. Schlechtes Wetter, umständliche Anfahrt, Unterkunft im Industriequartier…

Doch dann wurde alles gut! Die „Herbergsfamilie“ war so warmherzig und zuckersüss, alles Musiker, von der Opernsängerin bis zum Metaldrummer, der beim Zappa-Drummer in Los Angeles in die Lehre ging, ein hyper-super-duper-Frühstück und ein Innenhof zum richtig wohlfühlen, eine Oase! Das Wetter war am nächsten Tag wie es sein sollte. Und durch die Lage waren die Nächte absolut ruhig und durch die nächtliche Kühle optimal erholsam.

Und da wir nun mal etwas auf der „Rückseite“ von Riva untergebracht waren, haben ich dann auch mal Touren im Hinterland bevorzugt. Das war auch gut so! Denn sowas Schönes und Abwechslungsreiches hatten wir vorne bei den Touren am See lange nicht gehabt. Dort war es zwar auch immer tiptop, aber über die Jahre hat sich viel wiederholt. Im Hinterland gab es so viel Neues zu bestaunen. Südliches Voralpenland vom Feinsten mit schroffen Täler, offenen Hochebenen, Kalkfelsen, Pinienhaine, Kletterfelsen, schmucke Dörfer, die mit ihren rotgedeckten Dächern perfekt zum Grün der Wälder und zum Blau des Himmels passten. Hinter jeder Kurve neue Blickwinkel.

Gleich am ersten Tag, als wir uns über Tenno zum gleichnamigen See hochschraubten, gab es eine sehr schöne Begegnung mit Stefano, einem Fixie-Fahrer, mit dem ich mich angeregt unterhalten habe, der uns viele Tipps zum Essen gab, und mit dem wir dann ein paar Tage später auch in Tenno gemeinsam Essen waren, zum „Carne Salada“, einer örtlichen Spezialität. Mit seinem Fixie ist er u.a. auch das Stilfser Joch hoch, mit 47/17 als Übersetzung. Gibt’s auch ein Video auf youtube unter 13tooth, Stelvio. Harter Knabe. Nicht nur hoch, sondern auch runter. Fixie ohne Bremsen. Mehr muss man dazu nicht sagen. Von Beruf gefragter Violinenspieler und Lehrer. Sehr interessanter Mensch!

Grundsätzlich war dieses Mal geprägt von den Menschen, die wir kennenlernen durften. Allesamt interessante Personen, die das Positive der lockeren und fröhlichen italienischen Lebensart mit dem Positiven der mitteleuropäischen Zuverlässigkeit vereinen konnten. Da fühle ich mich wohl, da kann ich sein.

Also: Landschaft, Touren, Essen, Menschen hat alles gepasst Schaut euch die Bilder an, sie sprechen meist für sich.

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Ein Traum. Ich könnt grad heulen. In der Mitte, das ist der Monte Brione. Unscheinbar, aber prägend für die Gegend.
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Strandleben gehört für uns zu Riva, jeden Tag!
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Das Café am Ende der Strada del Ponale ist einfach imposant an den Hang geklebt. Und die Ponale selbst ist auch beim x-ten Mal noch interessant und ein Muss bei jedem Gardaseeurlaub.
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Im Sarca-Tal. Irgendwie Yosemite? Und vorbildliche Radweg-Infrastruktur.
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Einfach in den Fels gehauene, neue Radstrecke, nur für Rattspochtler!
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Herrliche Hochebene um Ponte Arche. Links der Bildmitte der Monte Misone, der auch von Riva aus mächtig aufragt.
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Unten das Örtchen Dro, an der Marocche gelegen, ein durch einen gigantischen Felssturz entstandenes Geröllfeld. 1 Millarde cbm Geröll sind das.
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Bilderbuchhafter Anstieg von Dro nach Drena. So schön, dass wir nach erreichen der Passhöhe auch hier wieder runtergejubelt sind.

 

7 Gedanken zu „Riva del Garda“

  1. Danke für diesen schönen und inspirierenden Bericht und ich freue mich das ihr nen schönen Urlaub hattet! Respekt vor Stefano … vor allem das komplett mit Fixie zu fahren

    Allerdings muss ich mich fragen warum der Lenker deines Scott so komische Auswüchse gen Norden bekommen hat? 🙂

    1. Es war wirklich ein perfekter Urlaub für uns. So langsam beherrsche ich auch den „Strassenkampf“ in und um Riva herum. Das war anfangs echt anstrengend für mich, wenn es durch die Stadt ging, am Hinterrad meines „Begleiters“ dran zu bleiben, ui, ui…
      Auch manche Berge und Anstiege kamen mir steiler vor, als in den Jahren zuvor, aber ich habe dann doch immer schnell mein Tempo gefunden und in einer, für mich, sehr schönen Landschaft, bekommt man quasi eine Infusion mit einer riesen Portion Motivation. Ich freue mich schon wieder auf den nächsten Urlaub dort, es gibt noch sooo viel zu erkunden.

    2. Mann, echt, sieht man das etwa auf dem Foto? Ich möchte mich hiermit für diese unstylischen Auswüchse in aller Form entschuldigen. Die Handflächen der Griffe sind jetzt völlig abgenutzt, dann muss ich dieses Konglomerat wohl wieder durch normale, schmerzhafte Standardgriffe ersetzen…oder wie Stefano, einfach Lenkerband nehmen. Aber an seinem Lenker gibt es ja weder Schalt- noch Bremshebel. Ach Mann, darf ich denn mein MTB nicht seniorengerecht modifizieren? Du merkst auch alles!

  2. Lieber Hööör cook,

    viele Punkte entsprechen nicht den NC Vorschriften:

    1. Vorbau muss unbedingt gedreht werden
    2. sofortige Umrüstung auf Flatbar .. wer hat Ihnen erlaubt einen Riser zu montieren?
    3. die Lenkergriffe sind eine optische Herausforderung, einfache Grip Ons oder Lenkerband andere kreative Auswüchse sind nicht zugelassen!

    Wir .. als Amt für Stylerichtlinien müssen und doch ernsthaft fragen wie es soweit kommen konnte?

    Mit der Anweisung der sofortigen Modifikation des Spochtgerätes

    hochachtungsvoll,

    bluesky
    (Vorsitzender Stylegott des NC)

    1. Sehr geehrter Herr bluesky,

      zuerst einmal „Herzlichen Dank“ für eine Stellungnahme der Vorstandschaft.
      Ich kann Ihnen aber versichern, verbürgen, mit aller Ehre versprechen, dass diese Abart, dieser Hohn an den Augapfel, nur zum Zwecke dieser EINEN Ausfahrt montiert wurde und soeben der Liquidation anheim gefallen ist.
      Es wurde wieder die sog. „Seegras“-Lenkstange montiert, die sogar ohne Griffe oder Band auskommt, weil an den Griffffflächen gelocht.
      Bilder sind leider nicht möglich, da durch den stylischen Glanz dieser Hochesthetique nur Licht zu sehen wäre. Da wir jedoch alles Ehrenmänner im Sinne der NC-Satzung von 1764 sind, reicht das Ehrenwort.

      Seien Sie und die ganze Vorstandschaft herzlich gegrüßt
      Ihr ergebenster
      cook
      (Ehrenmitglied der Ehrenkommission des ehrwürdigen NC)

  3. Den Anmerkungen von bluesky ist nichts hinzuzufügen, außer (weil wir schon so schön am Meckern sind): Mach mal im 2.Bild den Horizont gerade – der See läuft ja aus dem Bild … (oder war das Justierorgan auf Grund ungezügelten Aperol Spritz Konsums schon etwas derangiert? ;-))

    Freut mich, dass Ihr so tolle Tage hattet – die Bilder erzeugen bei mir sofort das „Ich will dort auch wieder hin“ Gefühl (mit geradem Horizont wär’s bestimmt noch größer). Cool, dass der nördliche Gardasee so langsam auch interessant fürs Rennrädle wird!

    P.S. Meine Hochachtung vor Yvo, dass sie so gnädig war, dir das Straf-Bügeln und -Kochen zu erlassen. Hätte es bei mir nicht gegeben …

    P.P.S Stelvio mit dem Fixie? Nicht dein Ernst, oder? (ok, das youtube Video ist wohl kein fake) – Gibt’s Detailaufnahmen von den Oberschenkeln dieses Mannes? Ich war bei meinen 2 Bezwingungen extremst froh über 39-26. An ne fixed Abfahrt möcht ich jetzt mal gar nicht denken!

    1. 39:26 geht aber auch nicht ohne hinstehen, oder?
      If you want more Fixie-Madness, eat this: Patrick Seabase

      Wir waren froh über das montierte „Memmenblatt“ am MTB, wo es ja nichts unehrenhaftes ist (um weiteren Verwarnungen seitens der NC-Vorstandschaft vorzubeugen).
      Die Steigung im hintersten Hinterland kann schon mal über 30% sein (italienische Messung), auf jeden Fall über 20%…und das ist Gift für’s unkompakte, 2-blättrige Rennrad.

      Für den interessierten Rattspochtler: Profipedaleur Patrick Oss vom Team BMC wohnt in Torbole und holt sich seine Form auch am nördlichen Gardasee.

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