Passo di Tremalzo

Vor vielen vielen Jahren schon war der Name „Tremalzo“ so etwas wie der Heilige Gral der Mountainbiker. Irgendwann in seinem Leben muss jeder ernsthafte Freund des Bergfahrradfahrens einmal aus eigener Kraft vom Ufer des Gardasees aus durch den Passtunnel des Tremalzos. Wie es zu dieser Mystik kam weiß ich nicht. Aber sie ist es zu Recht und sie lebt immer noch.

Dem Himmel entgegen

Die eigentliche Tremalzostrasse beginnt ganz leicht unterhalb der Passo Nota Hütte auf etwa 1200m. Der höchste Punkt ist auf ca.1830m in einem Tunnel. Sie ist eine vom Militär angelegte Nachschubstrasse und deshalb so perfekt für Mountainbiker. In dieser Höhenlage gibt es sonst keine Strassen im Fels, nur noch Steige. Das Militär ist immer auf behutsame Steigung, guten Untergrund und erschwerte Sichtbarkeit entlang der Felsen aus. Nun, guter Untergrund ist hier im Gebirg immer relativ, es könnte ja noch schlimmer sein. Im Falle des Tremalzo ist es Schotter in allen Korngrößen, der nach oben hinaus immer mehr ausfranst. Es bleibt für die Auffahrt meist nur ein ganz schmales Band der Fahrbarkeit übrig. Aber da geht es dann gut voran, wenn nicht gerade wieder ein Shuttle die bergabfahrende Fraktion ausgespuckt hat und von der anderen Seite her die Strasse herunterstottern lässt. Dort mit dabei sind aber auch jene Rattspochtler, die sich von der anderen Talseite mit eigener Muskelkraft die eher langweilige Fahrstrasse hochquälen, um sich dann den Tremalzo wieder hinabquälen zu müssen. Für mich absolut die falsche Richtung.

Die Tremalzostrasse ist somit eigentlich nicht sonderlich schwierig für eine Gebirgsroute, vielleicht etwas technisch zu fahren mit einer minimalen Gefahr des Abstürzens an quasi senkrecht abfallenden Felswänden. Dazu bräuchte man allerdings eine gehörige Portion Schusseligkeit, aber für den einen oder anderen ist das ein psychologisch nicht zu unterschätzender Aspekt.

Das schwierige an der ganzen Sache ist jedoch die Zufahrt. Man kommt vom Gardasee von fast Null (65m). Man kann von Limone starten oder von Riva. Man muss halt bis auf 1200m hochwuchten, um an den Fuss des Tremalzo zu gelangen. Und das hochwuchten ist bildlich sehr ernst gemeint. Egal, ob man etwa von Riva über Pregasina, Bocca Larici, Passo Rocchetta kommt (hier ist auch noch eine Schiebepassage mit drin) oder über den Ledrosee über die Bocca dei Fortini, es ist immer verdammt steil. Und zwischendrin kommen dann die Überhänge, die einhergehen mit grobbetoniertem Untergrund. Dann sind auf jeden Fall immer über 20% angesagt. Das sind die Knackpunkte. Aber die Landschaft, die Ausblicke, der See, einfach das ganze Drumherum sind die Drogen, die solch eine Plackerei zur reinen Lust werden lassen. Und wenn man dann ganz oben durch den Scheidetunnel fährt, in eine andere Landschaft eintaucht, die hohen, schneebedeckten Berge des Adamello-Brenta-Massivs in der Ferne aufblitzen sieht, dann ist man glücklich und zufrieden und im hier und jetzt. Dann weiß man, dass es doch eigentlich nichts schöneres auf der Welt geben kann.

Für mich ist der Tremalzo heute, wie auch vor 10 Jahren, die schönste Mountainbiketour in meinem Leben.

Am besten so früh wie möglich aufbrechen um die schönen und kühleren Morgenstunden zu nutzen. Rechts am angeleuchteten Fels schlängelt sich ab Riva die berühmte Ponalestrasse.
Die Welt ist noch ganz zart im Morgenlicht, man ist allein mit sich und der Landschaft. Unten mittig das recht neue Café Ponalealto mit hervorragendem Espresso, der dann auf der Heimfahrt genossen wird.
Blick von der Bocca dei Fortini Richtung Monte Baldo Massiv.
Der untere Teil der Tremalzopiste lässt teilweise noch 2 Fahrspuren zur Auswahl
In dieser fast schon unwirklich erscheinenden Traumlandschaft schlängelt sich die Route dahin
Und immer wieder diese grandiose Aussicht, die süchtig macht
Auf der anderen Seite des Passes ist es schon einen Kittel kälter und alpiner. Links ist der namensgebende Monte Tremalzo zu sehen, rechts der Bildmitte die Passhöhe.

 

5 Gedanken zu „Passo di Tremalzo“

  1. Auch ich muss sagen, es war eine der beeindruckensten Touren. Ab dem Ledrosee waren wir lange alleine unterwegs, niemand kam uns entgegen, keine E-biker zogen an einem vorbei, einfach nur eintauchen in eine wunderbare Bergwelt, die verschiedene Facetten und ganz schön steile Rampen hatte. Diese Ruhe war fast schon gespenstisch, aber so was tut einfach mal gut. Als man am Bocca dei Fortini vorbei kam, war es auch vorbei mit der Ruhe. Zwar kein ganzer Rummel, aber es war schon was los. Ich stärkte mich noch etwas an der Passo Nota Hütte, bevor ich etwas kleinlaut auf mein Trek hockte und mich fragte, wie es mir wohl gleich ergehen wird. Also, gewisse Herren werden es erahnen, diesmal sind mir ein paar böse Worte entglitten, ich war froh, dass niemand um mich herum war. Da ich technisch nicht so gut drauf bin, war es für mich stellenweise schwer, eine Linie zu finden. Meine Phantasie ging wohl ab und an mit mir durch und ich dachte, wenn ich jetzt hier abstürze, würde man meine Leiche wieder finden? Aber irgendwie habe ich es doch geschafft und die wahnsinns imposante Ausblicke waren echt ein Antrieb und beflügelten mich. Was natürlich auch wunderbar war, eine schöne 13 km Abfahrt, die man total genießen kann. Ich bin sooo froh, dass ich die Tour mitgemacht habe und dass sie echt gut geklappt hat, das freut mich immer noch und ich glaube, das wird noch ne ganze Weile anhalten.

    1. Hmm, der berühmt berüchtigte Tremalzo! Ich bin das Dingens bisher einmal gefahren und muss leider sagen, dass ich damals (A.D. 1998) ziemlich UNTERwältigt war. Das war aber wohl auch den Randbedingungen geschuldet – meine damalige Urlaubsbegleitung hatte mir für die Bezwingung nur ein befristetes Zeitfenster eingeräumt und so war es denn eher ne Bolzerei als eine genussvolle Tagestour. Noch dazu sind mir dann auf der Schotterabfahrt (bin von Limone hoch und den gleichen Weg zurück) am Schluss an beiden Laufrädern die Ventile weggeschmolzen. Felgenbremsen at its best – wir hatten ja nichts anderes.
      Aber wenn ich mir die Bilder anschaue, habe ich da tatsächlich etwas verpasst, was unbedingt mal nachgeholt werden sollte, sobald der Kinderanhänger wieder vom Rad weg ist 😉
      Ein besonderes „Daumen-hoch“ für Yvo (nicht dasss ich dir das jetzt nicht zugetraut hätte!)
      Wünschen Euch weiterhin noch tolle Touren bei Kaiserwetter und freuen uns auf weitere Berichte!
      P.S. Neugierige Frage am Rande: wie hoch war denn der Elektro-Anteil bei den MTBs denen Ihr begegnet seid?

      1. Ja mein lieber Racing_fool, da ist damals doch wohl etwas schief gelaufen 😉
        Du hast Seiner Heiligkeit Santo Tremalzo nicht die notwendige Beachtung geschenkt. Ich sag‘ mal so: Es scheint so gewesen zu sein, als ob man ein wohlbedachtes Mehrgängemenue mit feinsten Zutaten auf einen Teller lädt und in wenigen Minuten alles durcheinander in sich hinein stopft.
        Die Zufahrt von Limone halte ich auch nicht soo spannend und auch nicht die gleiche Abfahrt. Hier bin ich ein Bekenner der Abfahrt auf Asphalt. Wir sind von der Hütte oben bis zum Passo d’Ampola die Fahrstrasse mit Ihren schönen Kehren runtergerauscht und weiter auf der Strasse zum Ledrosee und weiter bis zum verbotenen Tunnel. Das ist auch nochmal mehr Glücksempfinden als sich mit einem CC-Bike auf Schotter runterzufummeln und voll in den Bremsen zu hängen.
        Das bedeutet für dich: nochmal, aber von Riva aus und einen Tag Zeit nehmen mit Fotostopps und Ausblick geniessen. Sachte einmassieren quasi. Dann dringt es auch tiefer ein 😉

        Am Passo Nota waren 2 E-MTBs, ansonsten sind, je weiter man nach oben kommt, kaum noch E-Bikes zu sehen oder ich hab’s einfach ignoriert.

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