Hektor will raus!

Endlich kam heute mal die Sonne durch und die Lust auf rattfahrn war wieder auferstanden. Diese breiig-zähen grauen Tage mit beissendem Ostwind haben jede Lust auf Outdooraktivitäten abgetötet. Endlich konnte nun also eine erste Bewegungsfahrt mit Hektor angegangen werden.

Endlich blauer Himmel und Hektor war nicht mehr zu halten!

Zuerst mal ordentlich eingepackt mit Skiunterwäsche, Skisocken, Skihose, Daunenjacke uswusf., denn es hatte mindestens ottomillegradi (Insider!) sotto zero. Mindestens. Und dann gings los. Erstes Aufsitzen und losrollen. Fühlt sich gut an, sehr kompakt, ähnlich wie auf dem Brother, angenehm. Breiter Lenker wie auf meinem Scott Scale. Kein kippeliges Gefühl, obwohl der Lenker natürlich schon einen Mordshebel auf den steilen Lenkwinkel erzeugt. Man sollte nicht willenlos dran rumreißen, das kann sich dann schon mal aufschaukeln. Also einfach normal lenken. Und schon nach wenigen Metern in der Stadt fühl‘ ich mich pudelwohl auf dem Hektor!

Aber dann, was geht da ab? Auf den ersten Metern nach den letzten Häusern zerrt Hektor wie verrückt an der Leine, prescht nach vorn wie ein junger Jagdhund! Ich kann kaum folgen, Tacho schon weit über Dreissig, ich fühle mich hammerstark, mann bist du fit, denke ich. Kaum auf dem Ratt gesessen dieses Jahr und noch so einen Bums in den Schenkeln. Dann eine kleine Steigung, da muss ich ja aus dem Sattel, aber nein, alles im Sitzen weggedrückt, Cook, du Tier, denke ich, leicht überrascht und doch etwas ungläubig. Ich suche nach dem Haken. Irgendwas stimmt da nicht. Doch etwa ein versteckter Motor, wie etwa bei den superschönen E-Bikes von desiknio aus Barcelona?

Sieht dem Hektor verdammt ähnlich und hat tatsächlich einen Moddor! Quelle: desiknio.com

Doch dann, beim ersten Fotostopp die Erleuchtung und gleichzeitig die Ernüchterung. Eine stark aufgefrischte achterliche Brise schub Mensch und Maschine ganz ordentlich nach vorne, dämmerts jetzt Cook, du alter Depp? Nix mit „super Frühform“ oder „Bums in den Beinen“. Einfach die Fakten ignoriert. Nunja. Auf jeden Fall muss man das natürlich ausnutzen und somit war die Richtung klar und ein weiteres Faktum wurde einfach verdrängt. Denn irgendwann, das haben jahrelange Studien herausgefunden, irgendwann ist es dem Rückenwind zu blöd und er holt seinen großen Bruder. Den Gegenwind. Und der schlägt dann meist unberechenbar aber immer unerbärmlich zu. Voll auf die Fresse, um hier mal den Wortlaut einer unserer Elitepolitikerinnen mit Vorbildfunktion zu verwenden. Und so war es auch, dass, völlig unerwartet, auf dem Rückweg nix vorwärts ging. Auf ebener Geraden musste immer wieder in den Wiegetritt gewechselt werden um überhaupt ein Vorwärtskommen zu gewährleisten. Aber so konnte auch gleich eine Bergfahrt simuliert werden und da steckt das Potential von Hektor.

Schöne Farben am Ausfluss des Untersees in Stein aR

Der Rahmen ist absolut verwindungssteif. Ab einer bestimmten Kraft im Antritt merkt man bei Stahlrahmen eine gewisse Elastizität, welche, speziell im Wiegetritt, einen schönen Rhythmus ergibt. Wie eine kleine Feder. Das mag ich gerne. Es geht ja nicht um Hundertstel. Aber das Gefühl beim Hektor, dass hier überhaupt gar nix sich verwindet und die Kraft voll in Vortrieb geht ist wirklich sensationell. Das ist im Wiegetritt so, aber auch im Sitzen bei erhöhter Tretkraft. Dann merkt man den Unterschied. Und dabei ist meine „Angst“, der Hektor ist bockelhart mit Null Komfort völlig unbegründet gewesen. Die 25er Panaracer Ribmo dämpfen einiges weg. Merke hier keinen Unterschied zum mika amaro Stahlrahmenaufbau. Sehr schön! Und somit verschmelze ich mit jedem Meter immer mehr mit Hektor. Sehr schöne Sitzposition, etwas erhöht durch das leicht höhere Tretlager und etwas mehr vorne auf dem Vorderrad durch die kurze Bahngeometrie. Richtig entspannt mit top Übersicht und Kontrolle und trotzdem geht ordentlich was nach vorne.

Fazit: Wieder alles perfekt, obwohl rein aus der Theorie zusammengestellt. Optisch für mich eine Augenweide, glitzerndes Orange mit mattem Schwarz. Super Sitzposition, super Fahrverhalten, klasse Vortrieb. Und über den Riemenantrieb muss ich eigentlich keine vielen Worte mehr verlieren, denn schon am mika amaro funktioniert der Vorgänger des CDX perfekt. Lautlos und unspektakulär, kein Schmodder, sauber, schön. I love it!

Ich wollt schon was in den Baum ritzen…

6 Gedanken zu „Hektor will raus!“

  1. Optisch der Hammer .. dein Hektor 😉

    Ich war gestern (und heute) auch unterwegs. Zufälligerweise hatte ich aber auf der ersten Etappe Gegenwind und hab mich nicht sooo arg gewundert warum überhaupt nichts geht. Beine trotzdem Brei?
    Auf dem Rückweg habe ich mich aber dann schön heimwehen lassen 🙂

    Heute hatte ich dann aber gefühlt sowohl auf der ersten Etappe als auch auf dem Rückweg Gegenwind (die Bitch) .. und ich rätsel immer noch was da wohl schief gelaufen ist?

    In deinem Alter sollte man dann aber schon mal an ein E-Bike denken .. oder? Vor allem wenn es deinem Hektor doch so ähnlich ist?

    1. Heee nicht frech werden Sie junger Hüpfer! Aber halt mal, 2018? Ist da nicht was Rundes im Anmarsch? Harhar…;-)
      Aber die desiknio-Teile sehen schon verdammt cool aus für Oparäder 🙂

      Ich hatte ja diese Windstudie erwähnt. Auch hier ging klar hervor, dass es seltsamerweise zwar die Konstellation Hinfahrt-Gegenwind , Rückfahrt-Gegenwind gibt, aber niemals never ever Hinfahrt – Rückenwind und Rückfahrt – Rückenwind. Da sind höhere Mächte am Hebel…

      Und wenn man auf der Ebene bei etwa 17km/h in den Wiegetritt wechseln muss um nicht vollständig abzuschmieren, dann ist das ein extrem seltsames Gefühl. Kommt auch äusserst selten vor, kann mich nicht erinnern, dass mir das in den letzten 100 Jahren schonmal vorgekommen ist.
      ABER, das Hirn war so eingelullt vom schönen Hektor und dem blauen Himmel, dass der böse böse Gegenwind der allgemeinen Freude null geschadet hat.

  2. Oha, Hektor den Goldfisch zieht es natürlich bei ersten Fahrt schon an den Rhein.
    Der alte Süßwasserfisch, der weiß halt wo es schön ist 🙂

    Und das desiknio eBike, wow!!! Morgen gehe ich Lotto spielen…

    1. Ich konnte ihn fast nicht alleine stehen lassen, wollte immer ins Wasser hüpfen, der alte Fisch!
      Hab‘ ihm dann aber ganz klar die Wahrheit über seine Herkunft einmassiert!

  3. Your mind makes your world!
    Kaum steht im Loft so ein orangenes Fahrrad rum, schon sind Minusgrade kein Problem mehr und es wird irgendwas von Sonne und warmer Kleidung erzählt. Dabei war es gestern einfach nur scheisskalt und windig…
    Aber sogar ich als ausgewiesene Nicht-Bikerin verstehe natürlich, dass eine weitere Woche des Wartens für alle Beteiligten (Yvo!!!) unzumutbar gewesen wäre und hoffe, dass sowohl Hektor als auch Herr Cook den Tag ohne Frostbeulen überstanden haben.

    1. Werte Lelaina, das hast du messerscharf beobachtet!
      Jedoch wurde die befahrene Strecke im Vorfeld genau recherchiert, denn durch die permanente Bestrahlung per Mittagssonne auf kompletter Strecke, wurde die gefühlte Temperatur auf deutlich, ich wiederhole: deutlich über Null gehoben. So konnte ich, trotz süditalienisch anmutendem Kälteempfinden, äusserlich unbeschadet das Abenteuer „Grönlandsimulation“ überstehen. Einzig Hektor hat sich eine akute Werkstoffumwandlung eingefangen und liegt jetzt krank in meinem Bett.

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