Fernsicht

Der Name dieses Blogs „Northwood Cycling“ legt nahe, dass es hier auf diesen Seiten ausschließlich um die Berichterstattung rund um 2rädrige Fortbewegungsmittel ginge.
Als Ko-Autor nehme ich mir einfach mal die künstlerische Freiheit raus, über etwas zu berichten, was nur rudimentär mit Bikes zu tun hat, nämlich eine Wanderung vom und zum Hohlohturm. Ok, normalerweise ist der Hohlohturm immer ein lohnenswertes Ziel einer Bike-Tour, gäbe es keine widrigen Umstände wie Männer-Grippe(TM). Und eben diese widrigen Umstände veranlassten Verigood und mich letzte Woche, die fällige Northwood Inspektion eben per Pedes statt per Velo zu unternehmen. (mit dem Alter kommt ja auch die Vernunft 😉 ).
Pro-Tipp am Rande: wer das Hohlohmoor und den Wildsee wirklich mal in Reinform erleben möchte, sollte das tunlichst nicht an einem Samstag oder Sonntag planen. Hier wälzen sich derartige Besucherströme über den Bohlenweg von und zur Grünhütte, dass ein Überholen auf dem schmalen Bretterweg ein Ding der Unmöglichkeit ist (leider ausnahmsweise mal keine Ironie). Vielmehr bieten sich Montage bis Freitage während der Grünhütten-Betriebsferien an. Hier pegelt sich dann die Anzahl der Begegnungen mit anderen Menschen im niedrigen einstelligen Bereich ein!

Zurück zur Sache: Ich hatte ja schon öfters gelesen und gehört, man könne an „guten“ Tagen vom Hohlohturm bis zu den Alpen schauen – aber das mangels Beweisen und aufgrund eigener gegenteiliger Erfahrungen eher in das Reich der Schwarzwald-Mythen verwiesen. Für mich, als alten Alpen-Panoramen-Glotzer, war das schon immer zu schön um wahr zu sein und so musste ich mich in der Regel (falls nicht gerade im Urlaub vorort) mit virtuellen Panoramen am Computerbildschirm zufrieden geben – während Yvo und Cook Cappuccino-schlürfenderweise von der Dachterasse ihres Penthouse-Lodge die Blicke über die Schweizer Bergwelt streifen lassen.
Stellt sich raus: der Mythos ist doch keiner und der letzte Donnerstag war ein „guter“ Tag.
Siehe hier:

alpensichthohloh

Es war so schön und ergreifend (mit leichter Tendenz zum Kitsch), dass wir wahrscheinlich bis zum allerletzten Restlicht auf der Galerie geblieben wären, hätte uns nicht ein eisiger Wind dann doch irgendwann wieder hinuntergetrieben.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich beim Benennen der Gipfel nicht sehr felsenfest bin. Eiger, Mönch und Jungfrau sollten rechts wohl zu sehen sein. Das Finsteraarhorn etwas links davon. Und bei der linken Bildhälfte könnte es sich um Säntis und Co handeln.
Werde wohl die nächsten Tage etwas Zeit auf der genialen Seite von Ulrich Deuschle verbringen. („Zeige mir wo du gestanden hast und ich sage dir, was du gesehen hast“). Wenn man nicht gerade einen Eingeborenen greifbar hat, ist das die beste Option um nachträglich Panoramafotos zu beschriften!

Und weil es auf dem Turm so schön war, hier noch ein Blick zum Sonnenuntergang über dem Murgtal

murgtalsonnenuntergang
Damit hat sich für mich der Hohlohturm endgültig in die Top-Ten der Ziele für mögliche zukünftige Überlandfahrten katapultiert.

P.S. Ja, lieber Cook, ich weiß: dieser Ausblick ist natürlich nicht mit dem eurigen zu vergleichen. Ihr könnt den Bergsteigern in der Eiger Nordwand beim in-der-Nase-pobeln zuschauen – ich muss mich hier oben im hohen Norden mit Bergsilhouetten zufrieden geben. Aber immerhin ist das zumindest etwas Balsam auf meiner von Alpensehnsucht zerfressenen Seele und letztlich ist der Spatz auf der Hand besser als die Taube auf dem Dach …

6 Gedanken zu „Fernsicht“

  1. Lieber racing_fool, vielen Dank für den tollen Bericht und die genial schönen Bilder! Was hattest du da für einen Fotoapparat? Ganz tolle Perspektive, bei dem die unendlichen Weiten des Northwood voll zu Geltung kommen!
    Bei der Benennung der Berge tue ich mich schwer, da die Richtung eine andere ist als hier. Ich tippe links auf den Glärnisch und eher nicht auf den Säntis. Der Säntis ist einfach zu markant. Und (rechts) neben dem Säntis tauchen auch immer die noch markanteren Churfirsten auf. Ganz rechts, als Inseln zu erkennen, das könnte das Berner Oberland schon sein. Wichtig ist, dass die Berge schön aussehen, egal wie sie heißen 😉
    Mehr davon!!!

    1. Lieber Cook, danke – freut mich, dass es dich freut 🙂 Zur Kamera: das war meine schon betagte Nikon D5100. Aber merke: du outest dich als wahrer Kenner, wenn du nen Fotografen nicht nach der Kamera frägst, sondern nach dem Objektiv 🙂 … was in diesem Fall das gute alte Nikkor 18-105mm war – ich hab nix anderes. Aber nachdem ich jetzt die Möglichkeiten auf dem Hohlohturm entdeckt habe, wäre es wirklich mal an der Zeit für ne längere „Tüte“ 😉 Vor allem wenn beim Fotografieren neben dir jemand steht, der deutlich länger ausfahren kann (da war er wieder der Neid ;-))
      Danke auch für die Aufschlauung bzgl. der Berge. Ich denke in der Zwischenzeit auch, dass der Säntis nicht zu sehen ist. Auch wenn ich mich an namenlosen Bergen nicht sattsehen könnte, interessieren tut’s mich trotzdem!
      Hier (http://www.alpen-panoramen.de/panorama.php?pid=5399) hat übrigens jemand vor ein paar Jahren von einem südlicheren Standort (Feldberg) in die gleiche Himmelsrichtung geschossen. Krass, oder? Eigentlich muss ich fast schon von Glück sprechen, dass ich nicht dort unten in der Ecke wohne- das wäre auf die Dauer nicht gut für mich.
      Auf der gleichen Seite gibt’s übrigens noch mehr Futter. Hier die Top10: http://www.alpen-panoramen.de/panoramen.php?allrating
      Die Bilder sind echt zum Daniederknien! Ok, das sind auch echte Freaks – übernachten tw. im härtesten Winter im Zelt auf dem Gipfel um den nächsten Sonnenaufgang einzufangen. Da kommst du dir mit einer Hohlohturm-Besteigung echt schäbig vor 😀

  2. Ich muss mich auch sofort melden. Klasse Bericht und tolle Bilder. Gerade schlummert so ne Heimwehattacke in mir….ja als Schwarzwaldmädel weiß man einfach, dass der Northwood auch mystisch und wunderbar sein kann.
    Habt ihr sehr gut gemacht mit diesem Ausflug.

    1. Danke, liebe Yvo – ja, das war ein echter Glückstreffer. Eigentlich saßen wir nach unserer Wanderung schon fast wieder im Auto. Irgendeine Ahnung hat mich dann aber doch noch auf den Turm hochgetrieben, obwohl der Himmel vom Parkplatz aus betrachtet alles andere als spektakulär war …
      Auf dem Turm waren dann noch 3 andere Menschen. Und alle irgendwie geeint in der Ehrfurcht über diese tolle Stimmung.

  3. ich plane in nicht allzu ferner zukunft den schwarzwald mit einem tor zu versehen .. am eingang wird dann ein klon meiner wenigkeit als türsteher fungieren und die massen (besonders die mit flachland kennzeichen) direkt abzuweisen ..

    bewohner müssen sich allerdings ebenfalls einer gründlichen kontrolle unterziehen so das auch berüchtigte kanonental und storch biker von den trails und wegen ferngehalten werden

    in diesem sinne!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.