Du schöner Seerücken

Balsam für Aug‘ und Seele: Typische Landschaft auf dem Seerücken

Für das Strassenrattfahrerherz gibt es doch nichts Feineres, als kleine, gut asphaltierte und wenig frequentierte Strässchen in einer die Seele erquickender Landschaft. Ein solches Szenario bietet der thurgauische Seerücken, eine hügeligen Bilderbuchlandschaft zwischen, ganz grob gesagt, Stein am Rhein und Kreuzlingen. Eine irgendwie von der hektisch-bösen Welt da draussen verschonte Gegend, geprägt von kleinen Weilern, Riegelhäuserensembles mit ausladenenden Blumenorgien vor den mit Läden verzierten Fenstern und einer funktionierenden Landwirtschaft bis hin zum Weinanbau ganz im Westen, dem schönen Zürcher Weinland.

Auch der Seerücken: Endgültig für NC eingenommen

Wie schon früher einmal zitiert, ist es hier einfach „zum kotzen schön“. An der Grenze zum kitschigen und unerträglichen. Doch ab und zu muss man damit die Wunden des Alltags einreiben. Und so war es auch diesmal eine Wohltat. Auf dem Hinweg ging es in stetem, aber niemals übertriebenem bergan durch das Vorzeige-Riegeldörfchen Stammheim, noch Kanton Zürich, an vielen trinkwasserspendenden Brunnen vorbei in Richtung Herdern, wo dann der Thurgau erreicht ist und die letzten Höhenmeterchen zum „Hochplateau“ anstehen. Oben angelangt, geht es immer leicht coupiert an der 600hm-Linie entlang, mit ständig wechselnden Aussichten und Eindrücken bis nach Wäldi, wo die Strasse bergab nach Tägerwilen und somit nach Konstanz, dem Zwischenziel, genommen wird. Wo zuvor noch der Blick in Richtung Süden, also der Alpen gerichtet war, ergoss sich auf der Abfahrt zuerst der etwas dreckig und schlammig wirkende Seerhein und dann der tiefblaue und zum austrinken animierende Obersee über das lüsterne Auge.

Das ist Weite! Blick über akurate Furchen zum sensationell gelegenen Gunterswilen. Im Frühjahr und Herbst mit überwältigendem Alpenpaorama

Aber dann gibt es auch schon voll auf die Zwölf: wo man vor kurzem noch, in stillem Einklang mit Landschaft und Fahrgerät, die Welt und sich im Reinen sah, wo die Vögelein lustig zwitschernd das Gute herausträllerten, die streng gezogene Ackerfurche die Grundlage unserer täglichen Existenz vor Augen führt und alles auf eine perfekt inszenierte 4D-Animation hinzuweisen schien, da kam Konstanz. Automobile in nicht eben kleiner Zahl, Menschen in Massen, die meisten davon den weltfernen Blick auf kleine Apparate gerichtet, Hektik, Konsum. Die Realität hatte uns wieder.

Rückblickend gestaltete sich die Kontaktaufnahme mit der einheimischen Bevölkerung doch als ziemlich holprig bis unmöglich

Und so konnte ich mich auf ein Weiteres von der Bergfestigkeit meiner Amore Mikaela [mika amaro inky blue] und deren Riemenantrieb überzeugen, dessen Lautlosigkeit so gut mit dieser ruhigen, dezenten Landschaft harmoniert.

Streckendaten: Singen – Ramsen – Etzwilen – Stammheim (Einstieg Seerückenroute 82) – Herdern – Gündelhart – Homburg – Helsighausen – Wäldi – Tägerwilen – Konstanz – Radolfzell – Singen
(ganz leicht geschummelte 100km, ca.500hm)

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