Der Thurgau

Wenn man an die Schweiz denkt, dann türmen sich sofort die mächtigen, schneebedeckten Alpen vor einem auf. Hochalpin, entrückt, das ewige Eis. Hoch gelegene Alpweiden mit Kühen und die schneedeckten Bergriesen immer im Bild. Viel Schroffes, viel Fels, viel Schnee, Pässe, Schluchten, Berge.

Die Weite des Thurgaus: Wellness pur für Auge und Seele

Doch da gibt es noch den Thurgau, eine etwas verschmähte Region, schweizintern als „Mostindien“ verspottet, international eher unbeachtet. Doch Obacht. Der Kanton Thurgau wird meist ziemlich unterschätzt. Es ist die Region zwischen Bodensee und Alpen, keine hohen Berge, dafür viel Kulturland mit sanften Kuppen, lieblichen Weilern, kleinen Höhenzügen, intakte Ortsbilder und viel Ruhe. Und natürlich die Weitsicht! Im Thurgau weiden nicht nur die Kühe auf fetten Wiesen, auch das Auge kann sich satt fressen an der Weitsicht, die der Thurgau bietet. Und wenn dann auch noch eine Föhnlage die Alpen heranzoomt, dann ist es fast nicht zum aushalten, so weit und so schön sind die Ausblicke, die sich an fast jeder Ecke aufdrängen. Hinzu kommt, dass die Ortschäftchen und Weiler so friedlich und liebevoll hergerichtet daherkommen, dass einem bei jeder Durchfahrt wohlig warm um’s Herz wird. Und dabei ist der Thurgau geschichtlich eher ein Schlachtfeld, konnte doch der Heerführer bequem von einer der unzähligen Anhöhen auf das Spielfeld schauen und, selbst unbehelligt, die Taktik bestimmen.

Autos scheint es hier irgendwie keine zu geben

Nun war es gerade die Osterwoche, die mit einer Föhnlage aufwartete und der Bodenseeregion sehr warmes, aber nicht wolkenloses Wetter bescherte. Kombiniert mit einer gut platzierten Urlaubswoche können dann schon mal Sommergefühle auftreten. Wenn in einem solchen Falle am See sich Heerscharen tummeln ist es ratsam, sich nicht an vorderster Linie aufzuhalten sondern die Thurgauer Höhen zu besuchen. Zumal zu dieser Jahreszeit die Berge noch tief hinunter zugeschneit sind und somit auch bei wolkenreicherem Wetter einen schönen Kontrast bilden.

Der schöne Hektor, wie immer als treuer Gefährte mit von der Partie

Für den rattspochtinteressierten Freizeitgestalter wartet der Thurgau auch noch mit einer Infrastruktur an Radwegen und kleinen, fast unbefahrenen Strässchen auf, in einer solchen unermeßlichen Fülle, dass man sich im Farattfahrerparadies wähnt. Das wusste auch schon unser Idol aus früherer Zeit, der Ullrich Jan, der viele viele Jahre im Thurgau umherstrolchte. Und so möchte ich hier exemplarisch den Seerücken herausheben, dem ich schon an anderer Stelle huldigte und den man von West nach Ost, also immer mit den Bergen auf der Zwölf, vernaschen sollte. Man stemmt sich von Eschenz in den sacksteilen Berg, der erst nach dem Klingenzellerhof seine Pranken von einem lässt. Und dann ist es nur noch reinster Genuss. Ein sanft prickelndes Auf und Ab über Hofansammlungen oder Ortschaften wie Gündelhart, Hörhausen, Homburg, Raperswilen, Helsighausen und das sensationell gelegene Gunterswilen. Und spätestens dann weiss der Rattspochtler, dass er im Paradies ist.

Durchatmen und Staunen
Aber auch das ist der Thurgau: Seeufer in Ermatingen auf der Heimfahrt

7 Gedanken zu „Der Thurgau“

  1. Um den Übereifrigen vorzugreifen:
    – Nein, das letzte Bild ist, wie alle Bilder, unbearbeitet – bin ich sowieso zu blöd dafür
    – Ich verbitte mir schon jetzt unqualifizierte Kommentare zu meiner sauerstoffbetriebenen Arschrakete

  2. Dort oben auf den Anhöhen war ein ganz tiefes Durchatmen, ich fühlte mich frei und dieses Ankommen im Hier und Jetzt ist einfach Klasse. Die Anfahrt will einfach nie leichter werden, es ist schon kurz ein Kraftakt, Klingenzell hoch zu kurbeln. Aber man wird belohnt und plötzlich spürt man nichts mehr von der Anstrengung (das lag sicher nicht nur am neuen Rad), man ist nur noch happy. Das Gefühl, einfach weit weg von allem zu sein, obwohl es nur ein paar Kilometer von unserem Wohnort entfernt waren. Wir sind sehr selten auf andere Ausflügler, egal ob mit Rad oder zu Fuß gestoßen, waren ewig alleine unterwegs. Sind an wunderschöne, manchmal auch skurril anmutenden Höfen vorbei kommen, mit Hochlandrindern, Lamas oder anderen Viechern. Ich dachte manchmal, ja, so ähnlich muss es im Wilden Westen sein…
    Wie krass es dann war, als wir runter an den See kamen, eine komplett andere Welt, auch sehr schön, aber einfach ganz anders. Ich persönlich mag es oben mehr und kann mich nie an einem Alpenblick, den blühenden Wiesen und Obstbäumen satt sehen. Was für ein Geschenk das Wetter für diese Osterferien doch war.

  3. Mei, habt ihr’s halt schee 🙂 Die Epic-Riders reiten wieder durch epische Landschaften!

    Eure Berichte waren ja schon immer erste Sahne, aber in der Zwischenzeit setzt ihr eure Räder noch so geil in Szene, dass sämtliche Bike-Magazine vor Neid erblassen müssen. Wenn cook sich jetzt doch noch ein paar rudimentäre Bildbearbeitungsfähigkeiten zulegen könnte und z.B. wie auf dem 3.Bild noch den Schatten der Haltevorrichtung wegretuschieren würde, wäret ihr endgültig auf dem Olymp angekommen 😀

    Nach dem letzten Bild ist auch endgültig klar, warum Yvo sich für dieses Rad entscheiden MUSSTE: es war die Farbe! Der Rahmen harmoniert mit dem türkisblau eurer schwäbischen Karibik so sehr, dass es schon fast wehtut 😉

    War das jetzt nicht ein netter, qualifizierter Kommentar?

    1. Doch lieber Herr racing_fool, sehr netter und qualifizerter Kommentar 🙂 Da hast du dir aber die Worte von dem Epic Rider cook sehr zu Herzen genommen…..Ich mache mir eher schon Sorgen und frage mich, geht es dir gut?

    2. Ich wusste es, dass du den “Fehler” findest 😉 Vielen Dank für deinen netten, qualifizierten Kommentar lieber racing_fool, der uns nun endgültig in die Kuschelecke verbannt… :-/
      Tatsächlich dachte ich auch an wegretuschieren, aber mit Rasierklingen auf Bildschirmen rumkratzen ist dann doch eher unratsam. Oder hättest du mir hier einen todsicheren Tipp?

      Aber es gibt noch einen ganz ganz herben Schnitzer, der fast unverzeihlich ist: Was ist hier bitte schwäbisch, hä? Es soll zwar eine klitzekleine Uferlinie in jener Hand sein, aber ich halte auch das für ein Gerücht. Jene photographisch eingefangene Untersee-Karibik entstand nachweislich und ausschließlich in badisch-eidgenössischer Zusammenarbeit!

  4. Ihr müsst euch keine Sorgen machen wegen ausbleibender Spitzigkeiten meinerseits. In Zeiten des Mangels an radsportlichen Betätigungsmöglichkeiten neige ich zu Demut und bin sehr harmoniebedürftig. (wahrscheinlich mit Hoffnung auf gutes Karma ;-)). Aber das “wird schon wieder” – und bald können sich die herübergeschwappten Leser vom Bike-Magazin hier wieder am “rüden Umgangston” erfreuen 😀

    Zum Schwaben-Thema: Mea-Culpa 😉 vielleicht habe ich mich zu sehr vom “Schwäbischen Meer” leiten lassen, anstatt lieber mal einen Blick auf eine Karte zu werfen …

    1. Ach lieber racing_fool . Von mir aus darfst du ruhig vom “Schwäbischen Meer” berichten . Ich freue mich drüber:-) Hab es hier im “Ausland” manchmal sehr schwer …..(nein, das war natürlich ein Witzle)
      Ach ja, bin froh, wenn ich mir keine Sorgen, um dich machen muss.

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