Der Hohenhewen

Es gibt Fahrradfahren und Bergfahrradfahren. Letzteres neuerdings auch mountainbiken genannt. Und beides hat irgendwie nichts miteinander zu tun. Physisch gesehen. Ein Fahrrad den Berg hochzuwuchten bedarf einer vielfach größeren Anstrengung, als mal eben locker auf der Ebene rumzukurbeln. Bergkilometer zählen doppelt, sagt man. Das wurde mir heute mal wieder bewusst.

Es gibt im Hegau richtig satte Anstiege, die eigentlich immer was mit einem der Vulkanberge zu tun haben. Den Phonolithbergen oder den Basaltbergen. Alle sind sie steil. Teilweise auch nicht mehr fahrbar. Heute habe ich mich so einer steilen Sau gestellt und bin den Höwen (Hohenhewen, 846m) hochgewuchtet. Und wer der dünnen These erliegt, er sei fit, sollte dies auch mal tun. Amateur- und Profirennfahrer mal ausgenommen. Der Hohenhewen ist ein klassischer Berg, der als Vorlage für alle Bergkegel dienen könnte. Schon von weit her markant aus der Landschaft ragend, diese um gute 300m überragend.

Der „Höwen“ von Osten aus gesehen.

Für die Auffahrt per Ratt gibt es nur 2 Möglichkeiten. Am „einfachsten“ von Westen her über den Burghof Hohenhewen. Doch die richtig harte Tour wird über den Anselfinger Allmen, also von Nordosten her, in Angriff genommen. 350hm auf 3km oder, ab dem Allmenparkplatz gerechnet, 310hm auf 2,3km. Dabei gibt es gleich unten voll auf die Zwölf. Ein Eiertanz aus Hinterrad durchrutschen und Wheelie. Dabei wird zwischendurch das Geläuf auch noch tiefer und mit frischem Split tückisch. Doch sobald man den Fahrweg vom Hewenhof kreuzt, entspannt sich die Situation und es ist nur noch steil, nicht mehr tückisch.

An dieser Kehre lässt sich annähernd die Steilheit erkennen. Das „schlimmste“ Stück hat man hier aber schon hinter sich.

Oben angekommen merkt man dann aber auch, dass man einen maximal mittelgebirgsartigen Anstieg hinter sich hat. Wo man sich zwischendrin, wegen der Steilheit, noch dem Tode nah sah, ist man schnell wieder erholt. In alpinen Terrain dauern solche Passagen das Mehrfache an und eine Erholung dauert nicht Minuten, sondern Tage. Somit kann man hier den Gipfel und die Aussicht geniessen.

Blick nach Süden: links nippt der Bodensee, darunter der Phonolitpfropfen des Hohenkrähen, leicht links der Bildmitte der Hohentwiel, rechts markant der Hohenstoffeln

Das Besondere an den Vulkangipfeln des Hegau ist deren Ausgesetztheit und Dominanz. Das ist was ganz Besonderes. Das merkt man auch beim Abfahren. Man fühlt sich schon ziemlich freigestellt. Der Blick ungehindert in die weite Landschaft. Gerade jetzt, wo sich noch kein allzu dichtes Laub entwickelt hat. Und eine Abfahrt von fast 400hm am Stück bis Welschingen findet man auch nicht so schnell um die Ecke.

Blick vom Aussichtturm auf das Gipfelplateau des Höwen

Somit ist für mich der Hohenhewen der am schönsten zu erradelnde Hegauberg, nicht zu niedrig, genug Höhenmeter am Stück und der Gipfel sinnvoll mit dem Rad erreichbar.

6 Gedanken zu „Der Hohenhewen“

  1. Es gibt für mich nichts befriedigenderes als eine knackige Rampe 🙂 Da fällt mir ein ich muss dieses Jahr auf jeden Fall wieder auf den Wurstberg fahren ..

  2. Krasse Berglein habt ihr da unten 🙂 Wäre es da nicht einmal an der Zeit zur Auslobung des Hegau-Summit-Clubs? Wieviele von diesen 8xx „Pickeln“ würdest du denn zusammen bekommen?

    1. Lieber racingfool formerly known as racing_fool,
      du spielst auf den heroischen NC-Summitclub an…dem du vorsitzst/vorsitzen tust?
      Gemach gemach, denn diese „Pickel“ ziehen einem den Saft aus dem Leib. Man sollte hier nicht übermütig werden. Über 800m wären es max.4. Aber es gibt einige Zäpflein über 600m, die nicht weniger fordernd für den Bergfahrradfahrer wären und sich im Radius von ca.10km tummeln und daher blendend kombinieren lassen. Nur nicht für mich. Ich mach‘ jetzt für den Rest des Jahres Bergpause und rolle nur noch schmalreifig und espressoschankstubenorientiert am Ufer entlang 🙂

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