Breitreifen am Rennrad

Bisher galt die unumstößliche Regel bei Rennradreifen: Die Reifenbreite ist egal, hauptsache 23mm. Mit der entspechenden Felge und einem schönen Stahlrahmen mit waagrechtem Oberrohr sieht das natürlich immer noch maximal ästhetisch aus. Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Rahmen sind fetter geworden, zuerst Alu, heute Carbon. Neue Erkenntnisse zu Reifenbreiten sind hinzugekommen. Ein breiterer Reifen rollt bei gleichem Druck besser als der schmalere und bringt dadurch auch mehr Komfort, denn Breitreifen fährt man mit max.6bar. Die Felgenbreite hat sich ebenfalls angepasst und somit geht heute die Tendenz ganz klar zu fetten Schlappen. Hier hat natürlich auch der Trend zum Gravelbike, also ein Rennrad mit dem man auch über Schotter fahren kann 😉 mitgewirkt. Hier ist Komfort wichtig und somit ein breiter Reifen. Mit “breit” meine ich beim Rennrad schon 28 und 30mm.

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Basso

Es war wirklich Liebe auf den ersten Blick. Jahrelang, fast schon jahrzehntelang wartete ich auf einen emotionalen Impuls um mir ein neues Rennrad zu kaufen. Ich fand sie alle hässlich. Mein altgedientes Breezer Venturi, damals Mitte der 1990er mit dem aus dem Mountainbikedesign angelehnten, gesloptem, also zum Sitzrohr abfallenden Oberrohr ausgestattet und daher traditionsbrechend, fand ich immer noch schöner als die ganzen aktuellen Renner. Allerdings war ich kaum noch mit dem Breezer unterwegs, denn die Technik war einfach alt. Felgenbremsen auf Mavic S.U.P. Keramikflanken waren, besonders wenn man einmal gescheite Scheibenbremsen am MTB gewohnt war, nicht mehr besonders vertrauensvoll, speziell bei Nässe, wo eine Bremswirkung erst nach kurzen Sekunden der Panik eintreffen sollte und es eventuell schon zu spät für ein gesundes Weiterleben sein könnte.

Basso Venta Disc -Purple Edition- am Hafen von Luino in freudiger Erwartung
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Stapellauf

“You’ll never get a second chance to make a first impression”
Wenn es nach diesem Motto ginge, hätte ich bisher bei fast allen meinen neuen Rädern nach der ersten Ausfahrt vom Recht Gebrauch gemacht, vom Kauf zurückzutreten.
So war es auch am Freitag, als ich mit meiner neuesten Anschaffung die erste Testfahrt unternahm. Das Rose Backroad fühlte sich einfach komplett anders an und die ersten Zweifel kamen auf: sitze ich zu tief, zu eng, doch die falschen Rahmenhöhe, …? Und wie es so läuft, wenn das Hirn am Hadern ist, stellen sich sogleich die ersten passenden körperlichen Symptome dazu ein: plötzlich zwickt es im Knie, der Sattel drückt, usw. Glücklicherweise habe ich das schon oft genug genau so erlebt, als dass ich dem Backroad nicht tatsächlich noch eine “second chance” geben wollte.
Ob es eine gute Idee ist, dafür gleich mal eine ambitionierte Crosstour anzugehen, sei mal dahingestellt. Was denn gewesen wäre, wenn ich tatsächlich nach 50km irgendwo im verlassenen Eyachtal bei Schneegestöber mit Knieschmerzen gestrandet wäre, darüber habe ich erst später nachgedacht. Aber es ging nicht nur glimpflich aus, sondern das neue Rad hat sich nach der Tour bereits so vertraut angefühlt, dass ich es kaum glauben konnte.
Aber nach dem ganzen Vorgeplänkel jetzt endlich mal zur Vorstellung. Hier bitte schön: Das Backroad in seinem Element.

im Dreck aber doch sauber

“Wie? Schutzbleche? Was soll denn bitte das?” höre ich aus dem Publikum. Jawoll! Schutzbleche!11!!1!! Ich gebe zu: rein optisch ist das jetzt wirklich nicht der Brüller und eigentlich hatte ich sie mir ja nur für den reinen Straßenbetrieb organisiert, weil ich der Meinung war, dass sie im Gelände eh nicht so viel bringen. (sie blieben gestern nur dran, weil ich keine Zeit zum Abschrauben hatte). Aber wie hatte ich mich hier getäuscht! Meine Damen und Herren, bitte schauen Sie sich noch einmal das Bild genau an. So sauber kann ein Rad aussehen, nachdem es 50km durch Northwood-Matschepampe bewegt wurde!
Auch am Ende der Tour war es immer noch so sauber, dass ich das Rad einfach ohne weitere Behandlung in die Garage gestellt habe. Das waren jetzt ca. 30min gesparte Putzzeit und damit gewonnene Freizeit.
Für mich sind die Schutzbleche (ohne Witz!) jetzt schon DAS Killerfeature an diesem Rad. Vorbei die Zeiten, wo man nach einer Matsch-Tour heimkommt und sich frägt, ob man das Rad überhaupt noch abspritzen soll oder es nicht gleich für Selbstabholer am Straßenrand liegen lässt.
Sicherlich geht damit auch ein wenig der Heroik-Faktor verloren, wenn man nach so einer Tour OHNE Gesichts-Fango-Packung heimkommt (kennt ihr sicher: man nimmt die Brille ab und sieht so aus, als hätte man sie immer noch auf). Aber das ist mir WURSCHDT!

Was gibt es sonst noch zu sagen:
Das Ding rennt – es fühlt sich tatsächlich so “schneidig” wie Rennradfahren an, nur eben auf unbefestigtem Untergrund. Der Rollwiderstand ist auf allen Belägen erstaunlich gering, obwohl die Reifen ja durchaus Profil haben. Meine Durchschnittsgeschwndigkeit war auch gestern gleich mal aus dem Stand heraus deutlich höher als bei ähnlichen Touren auf dem MTB. Die reine AVG-Speed ist mir jetzt egal, aber bei gleichem Zeitbudget bedeutet das eben auch deutlich mehr mögliche Kilometer und damit die Option, die Fühler wieder weiter auszustrecken.
Ich bin auch sehr froh, dass ich mich für die Ausstattungsvariante mit 2×11 statt 1×11 entschieden habe. Die Übersetzungsbandbreite wäre zwar unter dem Strich fast gleich gewesen, aber so habe ich jetzt fein abgestufte Gangsprünge. Auch das hat sich eher nach Rennrad als nach Mountainbike angefühlt. (Wobei ich fairerweise dazu sagen muss, dass ich 1×11 noch nie in der Realität erprobt habe).
Im Flachen habe ich mich überwiegend mit dem großen (aber kleinen) Kettenblatt vorwärts bewegt und im groberen und steileren Gelände ging es dann aufs kleine Blatt. Bravo Shimano – das habt ihr zumindest für mich optimal hinbekommen!
Auch der kleinste Gang musste bisher nicht zu Einsatz kommen – das war auch so ein Punkt, bei dem ich anfangs unsicher war: ist so ein Gefährt wirklich Northwood-tauglich oder eher doch nur für sanftes Auf-und-Ab? Nichts schlimmer als irgendwann damit mal das Sasbachtal hochzufahren, vergeblich am Schalthebel zu drücken und feststellen zu müssen, dass am Ende des Ritzelpakets noch verdammt viel Anstieg übrig ist!
Ok, die wirkliche Bewährungsprobe steht noch an bluesky’s Kniescheiben-Spalter-Anstiegen aus. Wenn’s zu heftig werden sollte, täusche ich eben einen Defekt vor und steige ab 🙂

Wirklich Negatives kann ich bisher nach (ok, erst 100km) noch nicht berichten.

  • das Hinterrad hat beim ersten Bremsversuch auf einer Abfahrt relativ spektakulär versucht, mich zu überholen. Lag wahrscheinlich am unsensiblen Bremsen-Bediener 😉
  • Die Scheibenbremsen “klingeln” manchmal im Leerbetrieb. Na ja, was soll ich sagen: Scheibenbremsen eben. Ich kenn’s nicht anders. Bin mal gespannt, wann und ob die Ingenieure das irgendwann mal wirklich in den Griff bekommen. Ist zwar meistens nur ein rein akustisches Problem, aber das sind genau diejenigen, die die schönsten Flow-Momente stören können: Bling-Bling-Bling ..
  • Der Lenker könnte doch einen Tick zu schmal gewählt sein.
  • Sattel und meine Sitzbeinhöcker sind noch keine dicken Freunde
  • Ich ärger mich ein wenig, dass ich kein braunes Lenkerband und braunen Sattel gewählt habe, das wäre tatsächlich ein Hingucker geworden.
    Aber das sind alles Kleinigkeiten, über die ich irgendwann mal hinwegsehe oder sogar einfach abstelle 😉

Fazit:
Wie schon geschrieben, ist es für ein richtiges Fazit noch ziemlich früh, aber ich bin sehr erleichtert, dass das Rad gleich so viel Spaß macht!
Während 2 Monaten Wartezeit zwischen Bestellung und Auslieferung kamen doch Zweifel auf, ob das jetzt wirklich sein muss und das Rad überhaupt etwas Neues bringt. Na ja, wenn man sich selbst so in den Pessimismus treibt, artet das Eintreten des Gegenteils dann eben gleich in grenzenlose Euphorie aus 🙂
Das Backforce ist bestimmt kein Traumbike oder gar Ikone der Radbaugeschichte. Aber es eröffnet mir wieder ganze neue Radtourenwelten!
Alleine schon, dass mein Hauptargument (das leidige Radputzen) gegen Fahrten im S(chm)uddelwetter jetzt wertlos ist (Stichwort: SCHUTZBLECH!) war komplett unerwartet (*)
Ich bin schon total im Planungsfieber: neue Graveltouren müssen her! Ich kann es kaum abwarten, bis dieser Artikel hier endlich fertig getippt ist, damit ich endlich neue Strecken zusammenklicken kann 🙂
In diesem Sinne: Auf bald im Schotter!

(*) Und mache mir jetzt bitte keiner mein schönes neues Weltbild kaputt mit “Ein SKS Schutzblech für 30 EUR für dein Rennrad hätte es doch auch schon getan, oder?)

Eine Radgeburt

Wenn man für etwas Leidenschaft aufbringt, dann werden scheinbar einfache Entscheidungen zu komplexen und langwierigen Prozessen. Das wertet das Endprodukt ungemein auf, da es über die Zeit gewachsen und mit Ideen und Vorstellungen genährt, der endgültigen Materialisierung entgegensteuert, gleichsam einer Geburt als finales Endereignis irdischer und geistiger Vorgänge.

Schnell ist es: Das Canyon Endurace WMN CF SL Disc 7.0
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Supergeile Scheiße Zwei!

Nach dem überwältigenden Echo auf das neu angekommene Schindelhauer Hektor und einem prosaischen Zwischenfazit, ist es nur konsequent, eine Teilebilanz zu ziehen. Im Prinzip ist jedes einzelne Teil, welches zu diesem einen Großen Ganzen gefügt wurde, einfach nur eine supergeile Scheiße. Doch ein paar Worte möchte ich dem Einzelnen widmen:

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Hektor around Bodensee

Hektor mit Blick auf die Insel von Lindau

Es gibt ein paar Seiten im Netz, da muss ich praktisch täglich mal vorbeischauen. Dazu gehört natürlich die Seite von Goldsprint Berlin. Wo gibt es mehr Ästhetik und Kompetenz rund um die moderne Fahrradkultur? Mit viel Arbeit werden hier die Aufbauten auch fotografiert und in Szene gesetzt, auf allen möglichen Kanälen wie flickr oder instagram. Das ist professionell, aber mit viel Herz und Emotion. Und da entdecken doch meine noch schlaftrunkenen Äuglein ein sehr bekanntes Ratt, mein Hektor auf Seite 1 😉 Und da stand dann dieser vermeintlich harmlose, aber enorm inspirierende und auffordernde Text dabei: “…you see that beauty around Bodensee…” Und -zack- war die nächste Tour eine beschlossene Sache!

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Hektor will raus!

Endlich kam heute mal die Sonne durch und die Lust auf rattfahrn war wieder auferstanden. Diese breiig-zähen grauen Tage mit beissendem Ostwind haben jede Lust auf Outdooraktivitäten abgetötet. Endlich konnte nun also eine erste Bewegungsfahrt mit Hektor angegangen werden.

Endlich blauer Himmel und Hektor war nicht mehr zu halten!

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