Bratwurst in Downtown Zürich

Das Wetter ist ja momentan ein absoluter Traum! Sonnig und warm, die Nächte meist sanft abkühlend und keine Gewitterneigung. Was liegt da für einen Rattspochtfreund näher, als eine ausgedehnte Tagestour zu veranstalten. Zumal die Tage auch noch die längsten des Jahres sind. Keine Sorge also, in die Dunkelheit zu geraten. Es ist die Zeit der Longest-Day-Rides.

Das mika amaro fühlt sich wohl in dieser wunderschönen Stadtkulisse

Eine lang gereifte Idee war es, der genialen St.Galler (OLMA) Bratwurst am Sternengrill zu Zürich per Ratt zu huldigen und eine Pilgerfahrt ihretwegen zu veranstalten. Mein persönlicher Jakobsweg also. In der Schweiz gibt es eine vorbildliche Ausschilderung der unendlich vielen Radwege → http://veloland.ch , was die Vorbereitung in Grenzen hält und ein GPS entbehrlich. Zudem führen die signalisierten (beschilderten) Routen durch landschaftlich reizvolle Landschaften und Wege. Ganz besonders reizvoll und motivierend ist natürlich die Tatsache, mit dem Fahrrad in die Weltmetropole Zürich bis an die vorderste Front des Bellevue-Platzes einzutauchen. Mittenhinein. Vorbei an den immer stärker wachsenden Vororten wie Oerlikon, mit Radrennbahn und Hallenstadion, den fetten Neubauten fraglicher Finanz- oder Versicherungsriesen, was bei mir eher Mißbilligung hervorruft, jedoch fraglos ihre Wirkung zeigen.

Auch das ist Zürich: einsame Gasse zwischen Fraumüster und St.Peter

Die Hinfahrt wurde über Schaffhausen und Eglisau gewählt, um in Rheinsfelden ZH in den Glatttalradweg Nr.29 einzusteigen, der an der Glatt entlang, vorbei am Flughafen Kloten bis vor die Tore Zürichs führt. Sehr beeindruckend bis erschreckend, ist die Vehemenz des voll präsenten Fluglärms und der startenden Flugzeuge. Um von Oerlikon vollends nach Züri Downtown (410m) zu gelangen gilt es, den Riegel des Milchbuck (470m) zu überqueren, um in langer großstädtischer Abfahrt bis zur Bahnhofsbrücke zu rollen. Dann ist man drin. Hektik, Fussgängerhorden, Touris, Lastenfahrräder, Fixie-Hipster, Mittelalter, Geldsäcke, fette Autos, Hochpreisgastronomie. Immer wieder beeindruckend. Diesmal noch stärker, weil man mit dem Rad ein Teil des Ganzen zu sein scheint.

Am Limmatquai mit Blick zu St.Peter und Fraumüster. Dahinter liegt die Bahnhofstrasse, eine der teuersten Einkaufsmeilen der Welt.

Die Räder wurden direktamente vorm Sternengrill an die Laterne gebunden und die von allen Zürcher Schichten geliebte Bratwurst in der Gasse gefuttert. Ein Stück Identität und Tradition. Und danach, auch sehr traditionell 😉 in den danebenliegenden City-Coop, um sich mit „günstigen“ Getränken für den Heimweg einzudecken. Diesmal noch 2 Stück Käs’kuchen, die auf dem Bellevueplatz unter Platanen eingenommen wurden. Mission erfüllt. Nun konnte der Rückzug eingeleitet werden.

Der Bellevue-Platz als Insel inmitten großstädtischem Verkehrsgetümmels

Die Wahl des Rückwegs fiel einstimmig auf die Route Nr.45, die sehr coupiert bis hügelig, das wussten wir, aber landschaftlich äußerst reizvoll über Winterthur und das idyllische Zürcher Weinland nach Hause führt. Und gleich nach dem, nach einem reichhaltigen Mittagstisch nicht ganz einfach zu nehmenden, Anstieg über den Milchbuck und dem Campus Irchel, war man in der Natur mit herrlichem Ausblick über Zürich, Oerlikon und die gesamte Agglomeration. Was für ein Kontrast! Und so führte uns die Signalisation durch wunderbare Kultur- und Naturlandschaft nach Winterthur. Mit über 100.000 Einwohnern auch nicht gerade klein, war es doch ein immenser Kontrast zu Zürich. Sehr intim und heimelig, was sicher auch in der Wahl unserer Verpflegungsstation, dem Café Fahrenheit, lag. Die frühere Industriestadt war alles andere als das vom Durchfahren mit dem Auto zu erwartende, nüchtern pragmatische, von neuzeitlichen Zweckbauten und alten Industrieanlagen geprägte häßliche Entlein. Winterthur hat uns absolut positiv überrascht und uns warm und herzlich an sich gedrückt. Da kommen wir sicher wieder her.

Kleiner Spaziergang auf einem der Balkone des Zürcher Weinlandes

Voller Freude haben wir uns dann wieder auf die Rösser geschwungen, um die letzten Hügel zu überwinden, die herrlichen offenen Ausblicke zu geniessen, die rasanten Abfahrten hinunterzurauschen um uns in Ramsen an der Agip-Tanke den finalen Kick für die letzten Meter mit Cola und Snickers zu geben, was auch diesmal wieder gelang.

Die Strecke: Singen – Schaffhausen – Jestetten – Rafz – Eglisau – Rheinsfelden ZH – Glatttalroute Nr.33 – Oerlikon – Zürich – Wylandroute Nr.45 – Winterthur – Stein am Rhein – Singen
(163km, ca.950hm)

Sternengrill Zürich, unspektakulär, unaufdringlich, lecker

8 Gedanken zu „Bratwurst in Downtown Zürich“

  1. Aha – die beiden Northwood-Langstreckler haben wieder zugeschlagen. Um es mal auf den Punkt zu bringen: Ihr seid wegen ner Bratwurst 160km Ratt gefahren! Mir fehlen die Worte. Was kommt als nächstes? Zum Cappuccino-Schlürfen nach Riva del Garda? Mal wieder schnell an die Grünhütte, weil Heidelbeerkuchen-Entzug? Ich bin gespannt und harre der Dinge …

    P.S. so ganz traue ich der Sache aber doch nicht, ob es sich hier tatsächlich um korrekt erbrachte sportliche Leistungen (im Sinne der NC Statuten) handelt. Wurde neulich nicht auf der 200km Runde so ein diskret unter dem Ladentisch gehandeltes Wundermittel eingeworfen? Wahrscheinlich wirkt das immer noch … gerüchteweise sollen ja einige gedopte Tour de France Fahrer die Nächte auf dem Ergometer sitzend verbracht haben, weil sie einfach nicht mit dem Pedalieren aufhören konnten …
    Wie auch immer: geiler Bericht – und ich schicke euch auch bestimmt nicht die Doping Kontrolleure auf den Hals 😉

    1. Lieber racingfool, nachdem unsere allseits geliebte und verehrte Grünhütte, deren Zauber und Schmelzpunkt freundschaftlicher Sternfahrten erloschen ist, als Ziel heroischer Überlandfahrten, zumindest für mich, ausfällt, müssen neue kulinarische und geografische Destinationen als Substitut herhalten. Als kleiner Trost sozusagen.
      Doch zum anderen Thema. Die Bratwurst selbst ist das Wundermittel! Weitere Essenzen waren nicht notwendig. Und da wir uns nun den Sphären der Randonneure langsam annähern, wird auch deren, in den altehrwürdigen Audax-Statuten festgelegte, Pedaleurgeschwindigkeit angenommen. So ist das Tageslicht der limitierende Faktor.
      …hmmm, Cappuchino in Riva hört sich auch gut an…;-)

  2. Werter racingfool, ganz klar kann ich dir mein Wundermittel verraten. Vielleicht bin da ich nur so gestrickt, aber trotz der tollen Tour mit total verschiedenen Landschaften und netten Kontakten zu Kälbern, die großes Interesse an meinem Rad hatten, überkam mich stellenweise eine furchtbare Wut. Warum? Der Gegenwind war manchmal grausam und ungnädig. Mit Wut im Bauch kann es auch ab gehen….somit sind diesmal, meinerseits, zum Teil böse Schimpfwörter gefallen. Aber zum Glück erst ganz am Ende und ich konnte den Großteil der Tour doch genießen. Wie krass es war, wie dicht alles so aufeinander liegt. Die hektische Großstadt und schwupps war man abseits, da bist du niemandem mehr begegnet.
    Ich bin selber gespannt, wohin uns die nächste große Tour führen wird.

    1. Liebe Yvo, uns eint ein gemeinsamer Gegner: der gemeine Gegenwind. Ich fahre lieber 25km am Stück ne fiese Rampe hoch als 25km gegen den Wind. Da kann man mich oft auch sehr böse Dinge schreien hören (die eigentlich natürlich keine Sau hört)
      Vielleicht sollte sich dein Göttergatte mal mehr mit lokalen metereologischen Phänomenen beschäftigen, so dass Ihr im Idealfall am Morgen vom Wind raus und auf dem Heimweg zurückgeschoben werdet! Und wenn er bei der Recherche versagt, soll er dir wenigstens seinen Windschatten anbieten (ggf. noch die extended Version durch Verwendung von XXXL-Trikots :-))

      Macht weiter so!

  3. Bratwurst? BRATWURST?

    Espresso hätte ich ja verstanden, Schweizer Schoki akzeptiert .. aber so muss ich mich doch fragen warum zum Geier eine helvetische Bratwurst?

    Sauber 🙂

    1. Ja, mein lieber bluesky, es handelt sich hier allerdings um die spezielle Kalbsbratwurst, die ursprünglich auf der Ostschweizerischen Landwitschafts- und MilchAusstellung, kurz: OLMA, als OLMA-Bratwurst zivilisiert und kultiviert wurde. Die OLMA-Messe ist DIE Messe der Schweiz.
      Und um das ganze richtig dekadent zu machen, kostet diese Bratwurst im Zürcher Elite-Sternengrill-DeLuxe, jedoch mit einem wirklich leckeren und schon allein als volle Mahlzeit geltenden Bürli, 7,50 Euro! Und ich meine Euro!
      Abschließen möchte ich diese kleine Exkursion in die Hochkulinarik mit einer altbekannten Karlsruher Bratwust-Weisheit: „Bei Broodworschd isch mar’s Brood worschd“

  4. Lieber bluesky, leider war es für Schoki viel zu heiß. Wenn du diese riesen Abteilung im City Coop gesehen hättest, ich war fast im Wunderland…..Zum Glück führte mich Cook sehr geschickt an dieser Abteilung vorbei und ich sah sie quasi nur von der Rolltreppe aus.

    Lieber racingfool, ich finde, Gegenwind gehört verboten!!!! Wenn man das Haus verlässt hat man ihn und du rechnest dir dann aus, dass es dir auf der Heimfahrt gut gehen wird. Aber nein….Gibt es überhaupt wirklich Rückenwind??????????????????????

    1. Aber Yvo,

      klar, gibt es das – der Peter Fox hat doch neulich noch davon gesungen:
      „Ich hab den Tag auf meiner Seite, ich hab Rückenwind!
      Ein Frauenchor am Straßenrand der für mich singt!“

      Aber einen kleinen Insider kann ich mir jetzt doch nicht verkneifen.
      Es gibt auch aerodynamisch optimierte Helme, gell Yogi 🙂

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