Wie angedeutet, schaffen es meine Gehirnzellen leider nicht mehr, sämtliche Urlaubstage im Detail wiederzugeben. Deswegen beschränke ich mich ab sofort auf einige besondere Ereignisse ...
Kurz vor unserem Abflug erreichte mich der Brief eines gewissen Dr.Ben Jerry von der Universität in Burlington.
Er führt seit längerem Langzeitstudien zum Thema "Ernährung bei Radsportlern" durch. Dr.Jerry fragte mich, ob wir Interesse hätten, an einem dieser Experimente teilzunehmen.
Es galt zu ermitteln, inwieweit sich eine unvernünftige Ernährungsweise negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt.
Selbstverständlich erklärten wir uns sofort dazu bereit, der Wissenschaft einen Freundschaftsdienst zu erweisen. Thilo und Adi meldeten sich heroisch für die Gruppe der "Ungesund-Esser". Vera und ich wurden dagegen der Kontrollgruppe zugeordnet, die sich vorbildlich und ausgewogen ernähren sollte.
Im Folgenden möchte ich kurz die Verhaltensweisen und Erlebnisse dieser beiden Vergleichsgruppen schildern
"Die Törtchenschlachter"
Vera schaut natürlich nur zu
Ruhe vor dem Sturm
Den Freibrief, ernährungstechnisch mal über alle Stränge schlagen zu dürfen, nutzten Thilo und Adi sofort nach unserer Ankunft in Calpe gnadenlos aus.
Sie stürmten gleich das Süßigkeitenregal in unserem Stamm-Supermarkt Mercadona (dürfte noch aus den letztjährigen Reiseberichten bekannt sein) und füllten sich eine entsprechende Tagesration Törtchen (insgesamt geschätzte 10.000 kcal pro Person) in die Tüten. Das sollte im weiteren Verlauf unseres Urlaub ein tägliches Ritual werden. Adi überlegte am letzten Tag, was es kosten würde, einfach das komplette Regal mit ins Hotel zu nehmen. (Eine kurze Überschlagsrechnung ergab sogar einen durchaus finanzierbaren Betrag)
Beispielhaft für die Sünden, die sich in ihren Einkaufwägen stapelten, sei hier mal der Pantera Rossa der Firma Bimbo aufgeführt. 2x hineingebissen und die komplette Ausbeute der Zuckerrübenernte Europas befindet sich im Magen.
Adi spekulierte übrigens, dass der Pantera Rossa auch zweckfremd eingesetzt werden könnte. Aber hierauf gehe ich mal besser nicht ein (jedenfalls nicht vor 22 Uhr), sondern überlasse es der Fantasie meiner Leserschaft
sooooo wenig?
Desweiteren feierten die beiden täglich wahre Kohlenhydrat-Bunker-Orgien in unserem Stamm-Cafe Spasso an der Strandpromenande. Während Vera und ich nach den Radtouren uns im Hotel einen vollwertigen Nachmittagssnack aufwändig selbst zubereiteten (vgl. unterer Abschnitt) ließen sich Thilo und Adi Pasta und Pizzagerichte auftischen. Das Ganze war derart etabliert, dass Adi beim Betreten des Cafes schon
Ende eines Snacks ...
von der Bedienung gefragt wurde (und das ist jetzt KEIN Witz!): "Fanta Limon y Pizza Diavolo?" Am letzten Tag setzte Adi alldem noch die Krone auf und bestellte für sich alleine die Original Villa Riba Paella Pfanne (bekannt aus der Fairy Ultra Werbung) gefüllt mit überbackenen Tortellinis. Während in dem besagten Werbefilm der Pfanneninhalt noch für die Sättigung eines ganzen Dorfes reichte, machte unser lieber Adi ein enttäuschtes Gesicht ob der Winzigkeit dieser Portion (siehe Foto)
Von ihren abendlichen Exzessen am Hotel Buffet berichte ich besser erst gar nicht. Ich erinnere mich da an eine Szene aus dem Monty Python Film "Der Sinn des Lebens" - nein, das lassen wir lieber ...
"Mispelsüchtig"
The Juicemaker
Der Versuch, sich gesund ernähren zu wollen, kann in Spanien ganz schön aufwändig sein. z.B. kauften Vera und ich uns zu Beginn des Urlaubs gleich ein Riesennetz Saftorangen, konnten diese aber nicht genießen, weil es an der dazu notwendigen technischen Einrichtung (aka Orangenpresse) mangelte. Meine in wilder Zeichensprache vorgetragenen Nachfragen im örtlichen Supermarkt wurden allesamt mit "no apparato" beantwortet.
Kurzfristig dachten wir noch über die entsprechende Umfunktionierung einer Campagnolo Zahnkranzkassette nach, aber die Aussichten, im Orangensaft einen leichten Beigeschmack von Rohloff Kettenöl zu haben, fanden wir doch nicht so prickelnd.
Erst am letzten Tag kam die rettende Idee: Wir nahmen einen meiner zahlreichen Gefrierbeutel (mitgenommen zur Herstellung von Überschuhen), warfen geschälte Orangen hinein und quetschten und pressten uns hartverdiente 0.4l Orangensaft heraus.
Auf Mispel-Jagd
Ein weitaus weniger wehrhaftes Obst entdeckten wir zufällig im Mercadona. Mispeln! Hä, das sagt euch nix? Uns ging es ebenso! Unverständlich, warum dieses Obst nicht auch in deutschen Supermärkten angeboten wird. Es schmeckt total lecker (ein Hauch von Säure) und ist sehr gesund (siehe Wikipedia). Einige Täler, die wir mit unseren Rädern befuhren, waren übrigens bis in die Berghänge hinein mit Mispel-Plantagen übersät. Und überall leuchtete es orange hervor. Vielleicht sollte ich mich als Mispel-Importeur selbstständig machen ...
Ansonsten bereiteten Vera und ich uns im Gegensatz zu unseren Carboloading Kollegen nach den Touren immer selbst einen gesunden und nahrhaften Regenerationssnack zu und belegten Brötchen liebevoll mit Käse, Tomaten und Gurken (*)
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass ein bestimmter Törtchenschlachter unsere Essenzubereitung torpedierte und auch noch bei uns hamsterte.
Wir machten den Fehler, Adi einmal nach dem gemeinsamen Einkaufen mit in mein Zimmer zu nehmen. Während er uns taktisch klug in Gespräche verwickelte, futterte er schon einmal ein paar von den Brötchen, die wir zusammen für den nächsten Tag gekauft hatten, bis Vera schließlich fragte: "Adi, sag' mal, wieviele Brötchen hast du eigentlich gerade gegessen?" Adi daraufhin "6 - wieso?" In Worten: S E C H S!
Ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob Adi hinterher nicht trotzdem noch einen Abstecher ins Spasso gemacht hat. Ausschließen kann ich es jedenfalls nicht.
"Und die Moral von der Geschicht'"
Chemie tritt aus
Und was war jetzt das Ergebnis dieses Experiments?
Dr.B.Jerry gab sich nach Auswertung sämtlicher Daten erstaunt: "Es konnte kein signifikanter Zusammenhang zwischen der typischen Ernährungsweise und dem Leistungsvermögen der Probanden festgestellt werden. Noch nicht einmal eine Zunahme des Körpergewichts wurde beobachtet [...]"
D.h. sieht man mal von kleineren Nebenwirkungen ab, wie dass die ganzen chemischen Zusätze (z.B. rosa Farbe) in den Törtchen beim Ausschwitzen hässliche Rückstände auf der Radsportbekleidung hinterließen (vgl. Bild links), gibt es keinerlei Konsequenzen einer ungesunden Ernährung.
Es/er bringt dich nach Hause!
Also liebe Radsportler dieser Welt: Esst weiterhin bedenkenlos Eure Ben&Jerry's Eisbecher, Flips, Chips, Törtchen, Schokis und Weingummis.
Am besten verdrückt jeder, was ihm gut tut. Ein Otto-Motor läuft mit Benzin, ein Adi-Motor eben mit Törtchen und Cola. Eine Öl- äh Coladose 20km vor dem Etappenfinale verabreicht und schon können sich seine Teamkollegen im Windschatten über eine rasante Heimfahrt freuen. Das ist doch auch etwas schönes
Anmerkung: Es kann sein, dass sich diese Geschichte gar nicht so abgespielt hat und ich maßlos übertrieben habe. Zuviel Törtchen-Genuss kann die eigene Wahrnehmung nachhaltig beeinflussen Andererseits sprechen natürlich die Bilder schon für sich. (An Adi und Thilo: Tja Jungs - schon doof, dass ihr keine Kameras dabei hattet und eigene Bilder machen konntet. So steht nun eine erdrückende Beweislast gegen Euch )
(*) ok, ich geb's ja zu: die Brötchen waren fürchterlich. Am ersten Tag noch genießbar, ab dem zweiten Tag taugten sie nur noch als Gummigeschossersatz
Nachtrag1: Adi besteht auf einer Richtigstellung. Es waren nicht 6 Brötchen, sondern derer 8. In Worten: A C H T!
Nachtrag2: Vielleicht hätte ich mal den verlinkten Wikipedia Artikel über Mispeln selbst lesen sollen. Was wir gegessen haben, waren gar keine Mispeln, sondern japanische Wollmispeln (allerdings verstehe ich dann nicht, warum die Dinger WollMISPELN heißen). Bekannter sind sie unter den Namen Nisperos oder Nespolis. Ok, das habe ich hier in D schon einmal gelesen (oder sogar gegessen). Tja, war wohl nix mit meinem Mispel-Imperium :-/
So, nachdem die Lebensgeister wieder zu mir zurückfinden, will ich schnell noch die Gelegenheit nutzen und meine Erinnerungen an den diesjährigen Northwood Radurlaub in Wort und Bild zu verewigen. Zu einem Tagebuch wird es wohl nicht mehr reichen, aber das ist eh aus der Mode - habe ich jedenfalls gehört.
Trotzdem starte ich chronologisch und berichte ein wenig über unsere Anreise ...
Nach unseren letztjährigen Erlebnissen im spanischen Süden war es für uns keine Frage, dass es dieses Jahr dazu unbedingt eine Fortsetzung geben musste. Unsere begeisterten Reiseberichte sorgten gleich einmal für Verstärkung unserer Reisegesellschaft: Vera wollte unserer 3er-Männer-WG ein Ende bereiten
So fieberten wir vier (Vera, Adi, Thilo und ich) nach einem viel zu langen und kalten Winter schon seit Wochen auf das Ereignis hin.
Wir ließen uns bei diesem Vorhaben auch nicht von einem NC-Meinungs-Taliban (keine Namensnennung) verunsichern, der noch zu Jahresbeginn in einer flammenden Hasspredigt davor warnte:
damit NC nicht weiter "To The Dark Side" abdriftet, wo schwuckelige Schmalspurverwirrte planlos tausende von Kilometern sinnentleert den allmächtigen Rattspochtmanitou suchen
Denn wir sind und fühlen uns weder ...
… schwuckelig (ich habe sogar extra mein pinkfarbenes Lampre-Trikot zu Hause gelassen)
… noch planlos (auf jedem der Lenkgestänge thronte ein hochmodernes Garmin GPS Gerät)
… und auch nicht sinnentleert (wenn "Radfahren um mehr Essen zu können" kein Lebensmotto ist, dann weiß ich auch nicht)
Damit wäre das schon einmal von vorneweg klargestellt.
Fußball WM 2010
Die Anreise war im Vergleich zum letzten Jahr fast schon spektakulär unspektakulär. Der uns gnädig gestimmte Rattspochtmanitou hielt die Aschewolke aus dem isländischen Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen solange zurück, bis unser EasyJet Airbus in Basel von der Startbahn abhob. Ein paar Stunden später wurde der Schweizer Luftraum gesperrt :-)Für den Transfer vom Flughafen Alicante zum Hotel in Calpe hatte ich dieses Jahr im voraus gesorgt. Aus Fehlern wird man klug. Ein Transportunternehmen (EliteCar Alicante) zu beauftragen ist deutlich entspannter als bangen zu müssen, ob auch wirklich alles in den Mietwagen passt. Vielen Dank an dieser Stelle an Jose von der EliteCar Hotline, der geduldig meine Sonderwünsche und Abänderungen des Zeitplans einfach imner mit einem "no problema" bestätigte. Bei uns Mitteleuropäern besteht ja das Vorurteil, dass sich bei Südeuropäern ein "no problema" in der Regel zu einem "Grande problema" entwickelt, deswegen war ich erleichtert, als am Ausgang des Flughafen Alicante tatsächlich ein EliteCar Mitarbeiter stand, ein Schild in seinen Händen haltend mit meinem Namen drauf (DAS wollte ich schon immer mal erleben) Innerhalb von 10 Minuten hatten wir unsere Gepäckberge in den Transporter und den Anhänger verstaut und so waren wir dieses Jahr schon zu einer Zeit in unserer Unterkunft, als wir letztes Jahr noch vergeblich versuchten, einer Sixt Mitarbeiterin klarzumachen, dass in einen Lifestyle Kombi unmöglich 3 Radkoffer, 3 Koffer, 3 Rucksäcke und 3 Erwachsene passen können. Jedenfalls nicht zerstörungsfrei.
Fazit1: Elitecar Alicante bekommt von mir eine ganz klare Empfehlung. Wirklich alles no problema
Fazit2: Wir sollten dringend an der Überarbeitung unserer Vorurteile arbeiten
Gut verpackt
"Lauf"rad
Im Hotel angekommen machten wir uns nach einer kurzen Zimmerinspektion gleich an die Pflege unserer Stahlrösser, die schon ungeduldig aus ihren Transportboxen wieherten. Der Preis für das am schnellsten zusammengebaute und fahrbereite Rad ging ganz klar an Vera.
Miss Bikemechanic 2010
Eigentlich eine schallende Ohrfeige für uns Männer. Aber wenn sich bei uns die Wiederherstellung auch nur auf "Lenker umdrehen - Pedale anschrauben und Laufräder einstecken" beschränkt hätte, wären wir mit deutlich weniger Rückstand über die Ziellinie gelaufen.
Nachdem er dieses Jahr beim Zusammenbau glücklicherweise keine Vorbaugewinde in der Hand hielt, musste Adrian aus lauter Erleichterung darüber natürlich UNBEDINGT ("Ansonsten werde ich unausstehlich") gleich hinterher etwas essen gehen . Aufmerksame Leser der 2009er Reiseberichte vermuten bestimmt auch schon was und wo. Genau! Eine Pizza Diavola im Stamm-Cafe Spasso an der Strandpromenade
Und so ergab sich ein passendes Foto zum Abschlussbericht aus 2009
Vera und ich liefen noch eine Runde am Strand und auf dem Küstenweg. In der Trainingslehre spricht man hierbei von Vorbelastung für kommende Wettbewerbe - bei uns war es eher das schlechte Gewissen, nachher essen zu müssen OHNE gesportelt zu haben
Und damit war unser erster Tag auch schon zu Ende ...
Achtung: ihr Airbus könnte zusammen brechen ...
Den absoluten Höhepunkt dieses ersten Tages möchte ich jetzt zum Schluss noch erzählen. Ich zweifle immer noch daran, dass es wirklich passiert ist. Aber es gibt Zeugen dafür.
Für Fahrradgepäck gibt es bei EasyJet eine (wie ich finde) recht großzügig bemessene Freigrenze von 32kg. Veras Papa hatte den Radkoffer für die Tochter bzw. besser gesagt für das Rad der Tochter liebevoll und aufwändig aufgerüstet. Kompliment Axel, da war ich wirklich neidisch drauf. Das Ding war so massiv, dass es zur Not auch als mobiler Atomschutzbunker hätte herhalten können. Aber leider auch so schwer (34kg), dass die nette Dame am EasyJet Schalter uns erst fragte, ob da wirklich auch nur EIN Rad drin sei und hinterher hektisch mit der Konzernzentrale telefonierte, ob sie den Brocken überhaupt mitnehmen. Er könnte ja das Airbus Fahrwerk zum Einknicken bringen.
Sie waren aber so gnädig, dass sie uns den Transport gestatteten. Als ich zur Sicherheit nachfragte, ob wir dann beim Rückflug von Alicante die gleichen Probleme bekommen würden, meinte sie: "Schauen Sie bitte, dass Sie das nächste Mal den Koffer leichter machen. Sie sollten z.B. die Luft aus den Reifen lassen!" (*)
Ein durchdringender und hoffnungsvoller Blick meinerseits, ob sich ihre Mundwinkel zu einem "war nur ein Scherz"-Lächeln entspannen, wurde leider nicht belohnt. War dann wohl doch ihr voller Ernst. Vera hatte in der Zwischenzeit ihre Gesichtsfarbe eindeutig nach Dunkelrot gewechselt. Noch ein paar Sekunden länger und die Arme wäre geplatzt
(*) Wer den Gag nicht verstanden hat, dem erkläre ich es gerne in einer privaten email
P.S. das Airbus Fahrwerk ist nicht weggeknickt und hat sich beim Einladen auch nicht bewegt - jedenfalls nicht sichtbar
Das "Luftablassen zur Gewichtsreduktion" wurde übrigens zum Running Gag in diesem Urlaub. Vor schweren Bergetappen wurde morgens in der Garage kurz auf die Ventile gedrückt und das Rad um 2 kg Luft erleichtert, abends hingegen heimlich still und leise dem Konkurrenten bzw. der Konkurrentin zusätzliche 4 kg Ballast in die Reifen gepumpt (jetzt kann ich es zugeben, ist ja praktisch schon verjährt )
... mag sich der ein oder oder andere jetzt denken, nachdem es immer noch keinen Bericht über unsere diesjährige Spanienreise gibt.
Aber ich bin momentan einfach nicht in Schreiblaune und wenn ich mich dazu zwinge, kommt wohl nix Gescheites dabei heraus.
Vielleicht schaffe ich es noch, mal ein paar Bilder hochzuladen.
Ein dickes Sorry hierfür! Es wird alles besser - irgendwann ...
Ich muss leider alle treuen und neuen Blogleser enttäuschen: Dieses Jahr gibt es keine Live-Berichterstattung von unseren Erlebnissen im fernen Spanien. Ausreden dafür könnt Ihr Euch nach Belieben selbst einfallen lassen.
Aber wenn Ihr wissen wollt, ...
... ob wir uns tatsächlich aus einer Zahnkranzkassette eine Orangenpresse gebaut haben
... was ein Pandera Rossa ist
... wie Adis Armlinge den diesjährigen Streusalznotstand der Stadt Stuttgart hätten lösen können
... wie Mispeln schmecken
dann schaltet nächste Woche wieder ein, wenn es an dieser Stelle ein kleine Nachbetrachtung geben wird. D.h. wenn wir überhaupt am Wochenende wieder zurückfliegen können (was mir persönlich aber ziemlich egal ist)
Aus der Versenkung die besten Wünsche an alle für das neue Jahr 2010!
Und damit NC nicht weiter "To The Dark Side" abdriftet, wo schwuckelige Schmalspurverwirrte planlos tausende von Kilometern sinnentleert den allmächtigen Rattspochtmanitou suchen, hier nochmal zu Aller Erinnerung:
Ich habe lange gezögert, ob ich über meinen ersten Alb Extrem Marathon einen Artikel schreiben soll. Dieser Tag war einfach sehr emotional für mich und ich war mir nicht sicher, ob ich durch das Blog daran immer erinnert werden möchte.
Nach einer "kleinen" Überarbeitung fand ich die Zeit jetzt doch für gekommen - auch wenn der Marathon schon wieder einen Monat zurückliegt.
Heute hatte ich (dank Kurzarbeit) mal wieder Lust einen Trail zu dokumentieren ... mein Santa Cruz ist für sowas perfekt geeignet und so könnt ihr jetzt ebenfalls den Fischweiertrail fahren.
Habe heute und in den letzten Tagen hab ich mal etwas im Wiki aufgeräumt ... einige Artikel haben wegen der Google Maps Karten nicht mehr korrekt funktioniert .. hier habe ich die Karten nach GPSIES ausgelagert. Vorteil ist u.a. das man hier sich die Tracks in jedem Format das man haben möchte herunterladen kann .. z.b. für Google Earth, Garmin, TomTom oder Magellan GPS Systeme ..
Dann wurden irrelevante oder verwaiste Artikel gelöscht ... und außerdem habe ich auch eine neue Tour eingestellt: Seven Ways - 3 .. hier könnt ihr euch auch mal die Steckeneinbindung von GPSIES ansehen.
Ich werde auch in den nächsten Tagen (und Wochen) das Wiki etwas auf Vordermann bringen .. einige Seiten (Tourenseiten) gehen ja mit einigen Browsern nicht mehr .. da muss ich wohl die Millionen von Waypoints im Quelltext löschen .. mal sehen ..
Sollte jetzt noch was NICHT tun .. bitte kurze Info in die Kommentare.
Es können ein paar wenige Kommentare verloren gegangen sein .. seis drum .. nochmal schreiben bitte!
Traditionell wird bei der Tour de France auf der Schlussetappe der Träger des gelben Trikots nicht mehr attackiert. Nachdem bei uns schon seit Tagen der Mann in gelb feststand (siehe Gruppenbild), war auf der heutigen Etappe ebenfalls nur lockeres Dahinrollen angesagt. Wir steuerten diverse Küstenzipfel an und ergötzten uns dort an den Ausblicken.
Beim Durchfahren der einzelnen Küstenorte bzw. beim "Schaufahren" an den belebten Strandpromenanden wurde mir erst richtig bewusst, auf welch einsamen Straßen wir in den letzten Tagen unterwegs gewesen waren. Ich fürchte, die erste RR-Ausfahrt in good old Germany könnte zu einem kleinen Kulturschock für mich werden ...
Ansonsten gibt es keine Highlights von unserer Etappe zu berichten (was nicht heißen soll, dass sie uninteressant gewesen wäre). Wie man an den Daten sieht, ist es hier schwer, mit unter 1000 Höhenmetern zurückzukommen. Heute ist mir alles jedoch sehr flach vorgekommen, was an der Relation zu den vergangenen Etappen liegen mag.
Adi erfuhr am letzten Anstieg des Tages eine wundersame Spontanheilung von seinen Knieschmerzen und lieferte sich mit Thilo ein Kopf-an-Kopf Rennen bis zur Passhöhe. Mir war das Ganze zu stressig (und das gelbe Trikot war ja schon in trockenen Tüchern )
Danach veranstalteten wir in unserer Garage einen halbstündigen Fahrrad-Origami Wettbewerb und verstauten unsere Rösser wieder erfolgreich in die Transportboxen.
Ein letzter Besuch in unserem Stamm-Cafe "Spasso" an der Promenade (wo Adi, wie Ihr sicher schon erraten habt, noch unbedingt eine Pizza Diavolo probieren musste) beendete unser diesjähriges Trainingslager an der Costa Blanca.
Mir hat es sehr gut hier gefallen. Die Landschaften und die vielfältigen Möglichkeiten für Radtouren sind einzigartig. Nächstes Jahr gerne wieder. Vielleicht finden sich ja weitere MitstreiterInnen, denen wir mit den Berichten den Mund wässrig oder die Oberschenkel kribbelig machen konnten?
Kaiserwetter auf der Königsetappe - so muss das sein! Wie schon am letzten Freitag angedroht, sind wir heute die ultralange Abfahrt von Ares del Bosque runter nach Callosa hochgefahren. 30km den Berg hinauf - yippie! Was soll ich sagen: es war deutlich einfacher als gedacht. Irgendwie hat sich jeder heute angesichts des ungewissen Ausgangs am Riemen gerissen und nicht versucht, irgendwelche historischen Tour de France Bergankünfte nachzuspielen.
Trotzallem waren Körper und Geist doch ziemlich erleichtert, als nach 2h der Zielstrich auf der Passhöhe überfahren wurde (zur Erklärung: fast jede ernsthaftere Bergstrecke in dieser Gegend ist scheinbar desöfteren Schauplatz bei einem Eintagesrennen oder einer Etappenfahrt, wie man an den vielen Straßenmalereien sehen
kann - unsere Namen konnten wir leider nie lesen. Hallo Ihr Spanier, das muss beim nächsten Mal besser werden!)
Danach sind wir auf einer moderaten Abfahrt noch etwas ins Hinterland gerollt, um schließlich auf einer Hochebene (auf etwa 500m ü.NN) zu landen. Die Vegetation bzw. das Landschaftsbild sah hier komplett anders aus als in den Tagen zuvor. Sehr viel Grün bestimmte die Szenerie. Üppige Wiesen und riesige Laub!bäume, die sich sanft im Wind wogten. Das alles hat mir sehr gut gefallen - weniger gut gefallen hat mir, dass die Spanier scheinbar eine Aversion gegen den Brückenbau hegen. Wenn es gilt, eine nur 50m breite Schlucht zu überwinden, ist die bevorzugte Technik, die Straße in Tausenden von Serpentinen auf den Talgrund zu führen und auf der andere Seite wieder in
ebenso vielen Serpentinen hinauf. Am Anfang findet man das ja noch idyllisch, aber nach der x-ten Wiederholung kann das schon die Nerven strapazieren (von den Muskeln ganz zu schweigen).
Nach 26 Kilometern auf dieser Achterbahn standen wir plötzlich am oberen Ende des Vall di Gallinera (Tal der Kirschen). Wer alle Tagesberichte aufmerksam durchgelesen hat, weiß, dass uns jetzt 20 Kilometer entspannte Abfahrt bevorstanden, die wir auch sehr genossen Thilo hatte übrigens oben noch eine Alternativroute vorgeschlagen, aber bei der Beschreibung unvorsichtigerweise das Wort "Rampen" erwähnt, was zu einem spontanen Veto durch Adi und mich führte (nach unseren Erfahrungen mit "Rampen" in den letzten Tagen). Der restliche Heimweg verlief unspektakulär und war uns schon sehr gut bekannt - so schnell gewöhnt man sich also an ein neues Revier. Adi bekam leider noch Probleme mit seinem Knie bzw. besser gesagt mit dem Sehnenansatz. Er hatte in den letzten Tagen wohl zu viel und zu heftig mit seiner Sattelhöhe herumexperimentiert, das hat sich jetzt eben gerächt
Kleine Anekdote: im Hotel suchte Adi lange Zeit vergeblich seinen Hotelzimmerschlüssel (eine Magnetkarte im Kreditkartenformat). Schließlich fand er ihn - in seinem Radschuh! Er hatte ihn morgens dort hineingeworfen und war 150km darauf herumgefahren Kein Kommentar ...
Vom Privat-Sender ADI-TV erreichten uns kurz vor Redaktionsschluss noch sensationelle Aufnahmen vom heutigen Bergsprint in Guadalest. Diese wollen wir der geneigten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten:
Wenn man in in einer bislang unbekannten Gegend herumfährt, hat das u.a. den entscheidenden Vorteil, dass man jede bisher gefahrene Tour einfach in die andere Richtung fahren kann und dabei praktisch eine komplette neue Landschaft sieht. Cook propagiert ähnliches ja schon lange mit seinem ReTour Konzept Deswegen haben wir heute noch einmal den Coll de Rates in Angriff genommen, allerdings von der anderen Seite her. Vor dem Coll de Rates sind wir noch einen anderen Pass hoch, den wir schon die ganzen Tage vorher im Auge hatten (im wahrsten Sinne des Wortes). Östlich von Xalo, von weitem schon gut sichtbar, schlängelte sich eine Straße an einem Bergstock entlang hoch nach Bernia, um dann auf der anderen Seite wieder in Xalo herauszukommen. Unten sah der Anstieg noch wie eine der von mir bereits gelobten Bergstraßen der vergangenen Tage aus: einsam, mit schönen Ausblicken und sehr angenehmen Steiungsprozenten. Auf dem GPS Track kann man prima verfolgen, wie die Passstraße verschnörkelt der Topographie angepasst wurde. Nur muss leider der zuständige Bauingenieur am Ende der Strecke mit Entsetzen festgestellt haben, dass er mit solch sanfter Steigung unmöglich die gewünschte Höhe erreichen wird. Ergo haben sie die letzten Kilometer kurzerhand wieder senkrecht die Wand hochlaufen lassen. Dementsprechend war auch uns das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als wir nach Umrundung einer harmlosen Kurve plötzlich vor einer unüberwindbaren Mauer standen. Schon wieder musste das 26er zum Einsatz kommen (Hallo@Thomas: ja, ich stehe dazu!)
Nach dieser Tortur sind wir, wie man ebenfalls auf dem GPS Track gut erkennen kann, nicht direkt zum Coll de Rates gefahren, sondern haben noch eine Ehrenrunde eingelegt, um die Muskulator zur Ruhe kommen zu lassen. Der Coll de Rates sieht von unten recht spektakulär aus. Leider kam ich heute wenig zum Fotografieren, da wir mehr Radrennen als -tour gefahren sind. Dafür habe ich mich dann im Anstieg mal als Kameramann versucht und ein kurzes! Video gedreht, das ich Euch nicht vorenthalten möchte
Ja, ich weiß: da muss ich noch viel üben. War aber auch nicht so ganz leicht, den Anstieg hochzukurbeln und gleichzeitig zu filmen.
Oben auf der Passhöhe sahen wir, wie aus dem Süden bereits schwarze Wolken in unsere Richtung drückten. Wir beeilten uns, um noch vor dem Regen wieder nach Calpe zu kommen. Leider haben wir die rettende Wolkenlücke um nur ein paar Kilometer verpasst und wurden noch richtig kräftig geduscht. Die großen Regentropfen taten im Gesicht ganz schön weh, aber glücklicherweise war es immer noch angenehm warm, so dass wir in den nassen Klamotten nicht frieren mussten ...
Adi und ich ließen den Tag dann noch mit dem obligatorischen Cafe con leche an der Strandpromenade ausklingen (in der Zwischenzeit auch wieder unter strahlendblauem Himmel). Weil es noch unendlich lange 1.5h bis zum Abendessen waren, musste Adi natürlich auch noch eine Pizza Diavola als kleinen Zwischensnack zu sich nehmen.
Auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen (Hallo Törtchen!) hier an dieser Stelle noch ein Bild vom Süßigkeitenregal im Mercadona. Es versteht sich von selbst, dass wir als ernsthafte Radsportler immer einen weiten Bogen um diesen Ort der Sünde machen!
Um allen Lästermäulern gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, wir drei sind große Weicheier: Es hat heute praktisch den ganzen Tag über geregnet und deswegen sind wir erst einmal nicht aufs Rad gestiegen.
Bezüglich des Grunds für den plötzlichen Wetterwechsels habe ich so meine eigene Vermutungen. Wahrscheinlich hatten sich gestern abend zu Hause die neidischen NC-Daheimgebliebenen zu einem gemeinschaftlichen Regentanz versammelt. Es war nämlich schon sehr verdächtig, dass laut Wetterradar die einzigen Wolken über ganz Spanien gerade über unserem Gebiet hingen.
Daran, dass wir hier nicht unsere Teller leer essen würden, kann es auch nicht liegen. Wir essen alles brav auf. Wenn was übrig bleibt, so wird das durch Adi rückstandsfrei vernichtet. (Das gilt auch für die Essensreste der anderen Hotelgäste!)
Na ja, ab morgen soll es wieder 100% sonnig werden. Schon heute abend sah der Himmel so aus, als wäre nichts gewesen. Deswegen habe ich gleich noch zusammen mit Thilo das Anti-Standby-Programm von gestern quasi wiederholt
Bilder des Tages gibt es leider keine. Wir ersparen Euch die Anblicke von 3 Northwoodies, die missgelaunt auf ihren Betten liegen und sich Formel1 und Amstel Gold Race anschauen.
Jeder hat so sein eigenes Rezept, wie er einen Ruhetag verbringen möchte. Der eine bleibt den ganzen Tag im Bett liegen, der andere aalt am Strand seinen Körper in der Sonne. Ich habe schon vor einiger Zeit festgestellt: wenn ich am Ruhetag gar nix mache, so wird der Tag danach zur absoluten Hölle. Meine Theorie: der Körper stellt fest: "aha - Pause!" und fährt alle Systeme in den Standby-Betrieb herunter. Und am nächsten Tag gibt es dann kilometerlange Diskussionen zwischen Hirn und Muskeln, ob man jetzt bitteschön wieder brav die Pedale bewegen könnte.
Da verzichte ich lieber drauf. Also bin ich heute wieder in den Sattel gestiegen, ein paar Kilometer locker an der Küste entlanggerollt und dann meinen 5km Lieblingsanstieg im gelben Drehzahlbereich hinaufgebrettert. Das durchblutet schön die Muskulatur und keiner kommt auf die blöde Idee, in den Standby zu wechseln.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Adi bei so einer Aktion gleich mit dabei war. Oben sind wir wieder locker weitergefahren, hoch über den Dächern und Türmen von Calpe. Nach ein paar Fotosessions waren wir nach 1.5 Stunden wieder im Hotel.
Kurz geduscht und gleich ging es zu Fuß weiter an die Strandpromenade. In einer Bar genossen wir unsere "Cafe con leche" (1 EUR / Tasse!) und ließen unsere Blicke übers Meer schweifen. Ist die versammelte Leserschaft jetzt hoffentlich ein bisschen neidisch?
Irgendwann gesellte sich noch Thilo zu unserer Runde, der am Ruhetag nichts besseres zu tun hatte, als auf diesen markanten Felsbrocken an der Küste zu klettern (300m Höhenunterschied!)
Adi wurde in der Bar angesichts seiner immensen Tagesleistung von einer Hungerattacke überrascht und musste, um nicht ins Koma zu fallen, schnell noch eine Pizza Diavolo vernichten.
Zusammenfassung:
Tourenlänge: 20km
Höhenmeter: 270m
Nach 3 Tagen im Sattel machte sich beim Frühstück zum ersten Mal Unlust breit. Im Nachhinein war es aber eine sehr gute Idee, meinen Hintern zu überreden, sich vor dem Ruhetag noch einmal für ein paar Stunden auf das unbequeme Gestühl drücken zu lassen.
Unsere heutige Route führte uns an der leider stark befahrenen (ansonsten aber wunderschönen) Küstenstraße in Richtung Süden. Um nicht durch die Betonburgen-Metropole Benidorm fahren zu müssen, verkrümelten wir uns nach einigen Kilometern ins Hinterland.
Kleine Randnotiz: laut Wikipedia besitzt Benidorm die weltweit größte Hochhausdichte gemessen an seiner Einwohnerzahl.
Tja und dann ging es bergauf. Und bergauf. Und immer noch bergauf. Scheinbar endlose 20km Anstieg zum Port de Tudon. Auf ungezählten Serpentinen schraubten wir uns auf 1024m Höhe. Ich hatte es ja gestern schon geschrieben: über die spanischen Straßen kam man überhaupt nicht meckern. Ein sehr sehr angenehmes Steigungsprofil und ein babypopoglatter Asphalt. Zumindest letzteres kann aber auch ein Nachteil für die Psyche sein: Wenn das Rad nicht rollen will, bleibt als logische Konsequenz nur übrig, dass es an einem selbst liegen muss. Adi hat das vielleicht auch gedacht. Heute war irgendwie nicht sein Tag. Wenn mal seine Sprüche ausbleiben, ist das kein gutes Zeichen. Er hat sich aber tapfer bis auf die Passhöhe gekämpft und nicht rumgemeckert. Erzählte uns etwas von Schmerzen in den Beinen und so weiter. Ich möchte an dieser Stelle nur das Motto eines NC-Forummitglieds zitieren: "Radsport ist kein Spaß"
Ich habe diesen Anstieg gleich in meine persönliche Top5 aller bisher gefahrenen Anstiege befördert. Alleine die Landschaft war wieder ein absoluter Augenschmaus: Im unteren Teil karge Felswände, in die zum Teil fast schon puebloartig die Dörfer hineingebaut waren, im mittleren Teil der Wechsel in einen sehr dichten Nadelwald und oben dann Hochflächen mit grünen Wiesen. Und immer wieder konnte man einen Blick aufs Mittelmeer erhaschen.
Nach dem Port de Tudons vernichteten wir einen Teil der hart erkämpften Höhenmeter auf einer 8km langen Abfahrt und mussten in der prallen Sonne wieder auf beinahe die gleiche Ausgangshöhe hochklettern.
Und danach kam die längste Abfahrt meines bisherigen Radfahrerdaseins. 40km lang ging es praktisch nur bergab. Durch eine Felsschlucht in ein Dorf, das von einer Burg in Blumentopfform überragt wurde. Hoch über den Ufern eines türkisblauen Sees hinab in einen Nadelwald und zum Schluss durch die endlosen Obstplantagen in Richtung Küste. Ich bin bekanntermaßen nicht der geborene Abfahrer, da ich mich einfach in schnell gefahrenen Kurven nicht wohl fühle.
Aber die Abfahrten in dieser Gegend machen mir wirklich Spaß (das zeigen auch die sehr entspannten Werte auf meinem Pulsmesser).
Thilo hat schon angekündigt, dass wir die letzte Abfahrt des Tages nächste Woche hochfahren werden. Auweia! Nur die Harten kommen in den Garten.
Es ist übrigens gerade 22.30 Uhr und es klopft an meiner Zimmertür. Adi begehrt Einlass und zeigt auf mein Compex Bei unserer Rückkehr hatte er noch verkündet, er würde sich jetzt neue Beine kaufen gehen. Scheinbar war er auf seiner Suche nicht erfolgreich.
Meine Erkenntnis des Tages: Powergel Lime von Powerbar schmeckt "pfui deibel". Da haben die Jungs im Chemielabor aber ganz gewaltig daneben gegriffen Nur der Gedanke an die dann verschwendeten 1.60 EUR hinderte mich am sofortigen Ausspucken. Na ja, was soooooooo schlecht schmeckt, kann ja nur wirksam sein ...
So - morgen ist Ruhetag. Da wird gefaulenzt Und mein Rad geputzt, an dem Rahmen kleben nämlich schon mehrere Liter Isogetränk.
Warum das "Tal der Kirschen" "Tal der Kirschen" heißt, konnte bis zu guter Letzt nicht vollständig geklärt werden. Eigentlich heißt das gute Ding offiziell "Vall de Gallinera" und das hat scheinbar irgendetwas mit Hühnerställen zu tun.
Bei der Abfahrt vom Hotel machte sich in meinem Beinen gleich mal das Laktat bemerkbar. Das kenne ich nicht anders aus Trainingslagern - also kein Grund zur Panik. Müde Beine fährt man sich am besten an einem schön langen Anstieg wieder locker und das haben wir auch gleich mal gemacht. Entweder läuft es danach wieder rund oder man kann gleich wieder zurückfahren. Ich selbst habe mir die Erlaubnis erteilt, weiterzufahren
Nach gut 40km Ein"rollen" befanden wir uns dann am Eingang des oben besagten Tals. Leider habe hier keine Fotos gemacht, weil wir ja schlecht alle 5 km für Fotosessions anhalten können. So muss ich es eben mit Worten beschreiben. Das Vall di Gallinera zieht sich auf 20km Länge hin und überwindet dabei ca. 500m Höhe. Nicht sehr viel, aber immerhin genug, dass die Beine es als anstrengend empfinden. Der Taleingang ist schluchtartig, wie aus einem Wildwestfilm. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass nach dem nächsten Felsvorsprung eine Horde Komantschen über uns herfällt. Hatten aber Glück und blieben vom Pfeilhagel verschont. Im hinteren Teil öffnet sich der Talkessel zu einer Hochebene, auf der Kirschbaum neben Kirschbaum steht (deswegen ist "Tal der Kirschen" schon ganz passend). Unterwegs überholten wir ein Rudel Radtouristen. Thilo und ich feuerten eine Dame gekleidet in den Schweizer Nationalfarben mit "Hopp Schwyz!" an. Darüber hat sich die Gute sichtlich gefreut.
Thilo hatte uns nach dem langen Aufstieg eine ebenso lange Abfahrt versprochen. "Wir müssen nur noch in das Nebental rüber". "Nur noch" war aber eine ziemliche Verharmlosung für die supersteilen Rampen, die uns davon noch trennten.
Spanier bauen hier unten die offiziellen Bergstrecken ja wirklich mit sehr angenehmen Steigungsprozenten. Wenn es aber darum geht, eine Nebenstrecke zum nächsten Dorf zu basteln, wird der Teer scheinbar einfach so auf den Berg geklatscht, d.h. es geht dort kerzengerade die Wand hoch. Ich hatte auf meinem Zahnkranz das 26er Ritzel eigentlich nur für Notfälle montiert. Und das hier war jetzt ein großer Notfall. Ich musste stellenweise selbst mit dieser Übersetzung zick-zack fahren, um nicht umzukippen. Geschätzt hatten die Rampen deutlich mehr als 20%. Ich versuchte den grimmig dreinschauenden Adi mit "Ist so wie bei Euch daheim in den Weinbergen" aufzumuntern, woraufhin ich nur ein patziges "Da fahre ich aber nicht 50 von den Dingern hintereinander hoch!" erntete. Ups?
Na ja, schließlich kam sie dann doch, die versprochene schöne Abfahrt. Und das war auch gut so, denn Adi und ich hatten oben auf der Passhöhe unsere letzte Trinkflasche geleert. 30km lang durften wir jetzt die Beine hochnehmen, mussten nur ab und zu über eine kleine Gegenwelle drücken. Sehr entspannend!
Nachdem sich die gestrige "Flachetappe" mit knapp 1500 Höhenmetern alles andere als topfeben zeigte, schwante mir bei Thilos heutigem Tagesmotto "Wir fahren in die Berge" schon Übles. Aber zumindest in den Bergen war es überhaupt nicht übel, sondern einfach nur traumhaft schön. Die umwerfenden Panoramen ließen mich sogar das Laktat in den Muskeln vergessen. Ich war schon mehrmals in Spanien, aber das hier war für mich bisher die farbenfroheste Landschaft.
Entlang der Serpentinen überall blühende Pflanzen und ein großer endloser grüner Teppich. Ab und zu ein kleines Pinienwäldchen, das herrlich nach Nadelholz duftete und in der Ferne immer wieder das Meer. Hier konnte man es aushalten! Auch das Schönste geht irgendwann zu Ende und so brachte uns die mehr als 10 km lange Abfahrt von der Passhöhe "Coll de Rates" (was für ein Name!) wieder zurück in die Zivilisation.
Die weitere Route führte uns nach Denia, einer größeren Stadt an der Costa Blanca. Das war natürlich das krasse Gegenteil zum vorher Erlebten: Laut, staubig und hässlich.
Hinter Denia ging es wieder Richtung Süden entlang der Küstenstraße nach Calpe. Dort blies uns ein extrem starker Wind genau entgegen. Thilo und ich kannten das schon von früheren Spanienaufenthalten und ergaben uns den Naturgewalten ('s isch halt so), aber Adi haderte sichtbar mit dem unsichtbaren Gegner. Thilo hatte ein Einsehen mit seinen Qualen und so sind wir dann kurz vor Calpe, anstatt der direkten Route zu folgen, noch einmal einen netten Berg hochgefahren. Denn am Berg weiß man wenigstens, warum es gerade wehtut - beim Gegenwind nicht!
Kleine Anekdote am Rande: Bei einer Pinkelpause berechnete ein jetzt nicht weiter benanntes Gruppenmitglied die Windablenkung falsch ein (obwohl er es auf Grund seiner mechanisch-physikalischen Grundausbildung besser wissen müsste). Na ja, mit dem Wasser aus der Radflasche ließ sich das neu eingefärbte Lenkerband schnell wieder sauberwaschen
Ich habe heute übrigens festgestellt, dass ich hellseherische Fähigkeiten besitze: Immer wenn uns ein Auto knapp überholt, weiß ich schon vorher was für ein Nationalitätenkennzeichen am Heck prangen wird: "D" wie D'autofahrerland. Shame on you!
Das war's für heute!
Ich habe übrigens Adi mal mein COMPEX ausgeliehen (siehe auch Beweisfoto!) Nicht dass der Kerl nach dem Trainingslager behauptet, Thilo und ich hätten einen unfairen Wettbewerbsvorteil gehabt
Erkenntnis des Tages:
Wenn man mit vollem Bauch in den Mercadona pilgert, kommt man mit deutlich weniger Süßigkeiten zurück, als wenn man dort direkt nach dem Radfahren einläuft!
Ich liebe es, an einem Frühlingsmorgen im Hotelzimmer die Vorhänge auseinander zu ziehen und auf ein blaues Meer und einen nicht weniger blauen Himmel schauen zu dürfen. So und nicht anders hatte ich mir das vorgestellt
Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück sattelten wir um 10 Uhr unsere Rösser und ritten gen Norden los. Eine sehr kurvenreiche und wellige Straße direkt an der Küste führte uns nach Moraira. Eines war schon nach wenigen Kilometern klar: "flach" gibt es hier unten nicht. Ein ständiges Auf und Ab. Die Gegend ist in Küstennähe sehr viel mehr bebaut, als ich das in Spanien bisher erlebt hatte. Der Verkehr hält sich aber trotzdem sehr in Grenzen bzw. ich habe ihn praktisch gar nicht wahrgenommen. Und ich persönlich habe auf dem Rad immer positive Erfahrungen mit Spaniern gemacht (entgegen aller anderslautenden Meinungen) - der einzige Autofahrer, der uns heute angehupt hatte, war ein deutscher Landsmann. Aber zurück zu unserer Tour.
Von Moraira führte die Route dann ins Landesinnere, wo die Bebauung deutlich nachließ, die Landschaft immer schöner und die Anstiege immer länger wurden. Wehte an der Küste noch ein kühlender Wind, war es im Landesinnern schon ganz schön warm. Einmal nur kurz den Mund aufgemacht und schon war die Zunge an den Gaumen angetrocknet.
Da wir uns klamottentechnisch an den einheimischen Radsportlern orientierten, waren wir heute vergleichsweise dick eingemummelt unterwegs. Adi und ich sogar in Langarmtrikots. Nach Adis Logik ist es dann natürlich unnötig, sich mit Sonnenmilch einzucremen. Demzufolge zierten nach der Ausfahrt zwei schöne rote Bänder seine Unterarme (am Übergang vom Ärmel zum Handschuh). Das heißt, der Kerl hat sich bereits nach einem Trainingstag wieder in ein halbes Streifenhörnchen verwandelt.
Und noch eine Erkenntnis: in Spanien kann man getrost seine Trinkflasche 4h lang an einer Tankstelle stehen lassen - die wird nicht geklaut. Ein sehr ehrliches Völkchen die spanier!
Nach der Ausfahrt und einem kleinen regenerativen Nickerchen pilgerten wir dann zum ersten Mal zum nahegelegenen Fress- und Konsumtempel für ausgehungerte Radfahrer dem Supermarkt "Mercadona". Dort gibt es ein gewissesRegal mit Kleinbackwaren (Amerikaner, kleine Creme Törtchen, Kokos-Makronen, usw) zur Selbstbedienung, das von uns zielstrebig angesteuert wurde. Auch wenn die zusammengestellte Riesen-Fresstüte dann mit den Henkeln schon in die Handflächen schneidet, kostet der ganze Spaß kaum mehr als 1 EUR. Ein Paradies für leuchtende Kinderaugen
Für alle, die sich (berechtigte) Sorgen mach(t)en, unser Adi könnte hier unten den Hungertod sterben, will ich noch zur Beruhigung kurz seine heute konsumierte Kalorienmenge schildern. Jedenfalls die, bei deren Aufnahme ich höchstpersönlich zugegen war.
Frühstück: nicht genau dokumentiert aber gefühlt: Unmengen
Direkt nach der Tour:
- 5 Baguette Weckchen mit Käse und Salami
- 1x500g Trinkjoghurt
- 1 Riegel Mandelschokolade - 1 Dose Erdbeerlimonade
- 1/2 Schale Erdbeeren.
Abendessen:
- 1 Salatteller
- 3 Hauptspeisenteller
- 2 Dessertteller.
In meinem nächsten Leben werde ich mir eine Lieblingssportart auswählen, die definitiv mit weniger Materialeinsatz verbunden ist! (z.B. Hallen-Halma?) Das würde mir nämlich dann nervenzerrende stunden ersparen, wenn es darum geht, das Sportgerät von A nach B zu transportieren, wie z.B. vom Northwood in den Süden Spaniens.
Aber der Reihe nach: Auf Grund meines gescheiterten Versuchs in 2008 ein Trainingslager in heimischen Gefilden durchzuführen, wollte ich dieses Jahr die sichere Variante wählen und entschied mich, wieder einmal nach Spanien zu pilgern, wo Schneefall im April doch eher ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist.
Das anvisierte Trainingsgebiet war Calpe an der Costa Blanca. Für mich absolutes Neuland, aber mein langjähriger Trainingslager-Leidensgenosse und Lästerkumpel Thilo aus Freiburg hatte hier schon letztes Jahr das Revier abgesteckt. Klaro, dass er dieses Jahr wieder dabei war (ok, um ehrlich zu sein: ER hatte MICH dazu überredet mitzukommen )
Fehlte uns beiden also nur noch ein passender Wasserträger. Da gibt es für mich nur einen Kandidaten, der grundsätzlich bei jeder noch so verrückten Radaktion sofort dabei ist: Adi from the Schwobaländle
Die Personalfragen waren damit also geklärt, blieb nur noch das eingangs erwähnte Problem, wie mein fahrbarer zweirädriger Untersatz nach Spanien transportiert werden konnte (vorort ein Rad zu leihen kam für mich als Sitzpositions-Fetischisten überhaupt nicht in Frage) Für die letzten Flüge hatte ich mir jeweils einen Radkoffer gemietet, dieses Mal kaufte ich mir einen sehr günstigen Transportkarton vom ROSE Versand. Das Einpacken gestaltete sich weit weniger schwierig als die letzten Origami-Experimente mit dem Radkoffer. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass der Versandkarton ziemlich großzügig dimensioniert ist.
Die Freude darüber war jedoch etwas verfrüht, wie sich später noch herausstellte.
Unsere eigentliche Anreise nach Calpe möchte ich ganz kurz mit der Überschrift "Pleiten, Pech und Pannen" beschreiben.
Pleite Nr.1:
Beim Einpacken bemerke ich, dass sich an meinem Vorderrad ein kapitaler Lagerschaden ankündigt (Lager kratzen beim Drehen der Nabe). Toll! Musste ich eben mein Campagnolo Nucleon Vorderrad mitnehmen, bei dem ich eigentlich nach 9 Dienstjahren täglich mit der Auflösung der Bremsflanke rechne ...
Pleite Nr.2:
Wir hatten extra bei der Autovermietung ein Fahrzeug aus der Kategorie "Peugeot Partner, VW Combo, o.ä" ausgesucht, weil wir ja 3 Radkoffer samt Gepäck und noch 3 Personen unterbringen mussten. An der Ausgabestelle verkündete uns die Dame dann freudestrahlend, dass das Fahrzeug gerade nicht verfügbar wäre, wir aber ohne Aufpreis ein Fahrzeug aus der nächsten Kategorie haben könnten. Prima, liebe Leute bei SIXT: schon einmal versucht, 3 80cm hohe Radkoffer aufrecht in einen Kombi reinzuquetschen. Und auch ganz toll, dass Ihr noch nicht einmal Euren Fehler eingestehen wolltet und uns nicht die Stornogebühren komplett erstattet wollt. Kundenbindung der anderen Art: für mich heißt das: NIE WIEDER SIXT! Und ich kann nur hoffen, dass viele Leser dieses Artikels ähnlich handeln werden. Umso netter waren die spanischen Taxifahrer, die für uns in der Gegend herumtelefonierten, um ein adäquat großes Taxi aufzutreiben. Hat dann auch prima geklappt und im Endeffekt nicht mehr gekostet als der Mietwagen.
Pleite Nr.3:
Im Hotel wird uns mitgeteilt, dass wir die Räder nicht auf die Zimmer mitnehmen dürften, weil einige Vorgänger von uns mit ihren Rädern dort wie die Vandalen gehaust hätten. Toll - mussten wir also extra eine Garage mieten (was selbstverständlich NICHT kostenlos war)
Pleite Nr.4 (der Hammer des Tages)
Adi verkündet beim Zusammenbauen seines Gefährts, dass die Gewinde am Syntace Vorbau ausgerissen sind- also das Todesurteil für dieses Bauteil. Um Lästerern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Adi hat die Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel vorschriftsmäßig angezogen.
Da war dann erst einmal die Stimmung am absoluten Nullpunkt angelangt
Doch die Rettung war nahe: im Hotel gibt es einen Schweizer Radreiseveranstalter inkl. Werkstatt. Der Mechaniker war so nett, Adi für die Zeit unseres Aufenthalts einen Vorbau auszuleihen. Vielen Dank Und weil die Jungs so nett waren, mache ich auch gerne Werbung für sie an dieser Stelle: www.gustizollinger.ch (Hallo @SIXT: merkt Ihr was?)