Heute hatte ich (dank Kurzarbeit) mal wieder Lust einen Trail zu dokumentieren ... mein Santa Cruz ist für sowas perfekt geeignet und so könnt ihr jetzt ebenfalls den Fischweiertrail fahren.
Habe heute und in den letzten Tagen hab ich mal etwas im Wiki aufgeräumt ... einige Artikel haben wegen der Google Maps Karten nicht mehr korrekt funktioniert .. hier habe ich die Karten nach GPSIES ausgelagert. Vorteil ist u.a. das man hier sich die Tracks in jedem Format das man haben möchte herunterladen kann .. z.b. für Google Earth, Garmin, TomTom oder Magellan GPS Systeme ..
Dann wurden irrelevante oder verwaiste Artikel gelöscht ... und außerdem habe ich auch eine neue Tour eingestellt: Seven Ways - 3 .. hier könnt ihr euch auch mal die Steckeneinbindung von GPSIES ansehen.
Ich werde auch in den nächsten Tagen (und Wochen) das Wiki etwas auf Vordermann bringen .. einige Seiten (Tourenseiten) gehen ja mit einigen Browsern nicht mehr .. da muss ich wohl die Millionen von Waypoints im Quelltext löschen .. mal sehen ..
Sollte jetzt noch was NICHT tun .. bitte kurze Info in die Kommentare.
Es können ein paar wenige Kommentare verloren gegangen sein .. seis drum .. nochmal schreiben bitte!
Traditionell wird bei der Tour de France auf der Schlussetappe der Träger des gelben Trikots nicht mehr attackiert. Nachdem bei uns schon seit Tagen der Mann in gelb feststand (siehe Gruppenbild), war auf der heutigen Etappe ebenfalls nur lockeres Dahinrollen angesagt. Wir steuerten diverse Küstenzipfel an und ergötzten uns dort an den Ausblicken.
Beim Durchfahren der einzelnen Küstenorte bzw. beim "Schaufahren" an den belebten Strandpromenanden wurde mir erst richtig bewusst, auf welch einsamen Straßen wir in den letzten Tagen unterwegs gewesen waren. Ich fürchte, die erste RR-Ausfahrt in good old Germany könnte zu einem kleinen Kulturschock für mich werden ...
Ansonsten gibt es keine Highlights von unserer Etappe zu berichten (was nicht heißen soll, dass sie uninteressant gewesen wäre). Wie man an den Daten sieht, ist es hier schwer, mit unter 1000 Höhenmetern zurückzukommen. Heute ist mir alles jedoch sehr flach vorgekommen, was an der Relation zu den vergangenen Etappen liegen mag.
Adi erfuhr am letzten Anstieg des Tages eine wundersame Spontanheilung von seinen Knieschmerzen und lieferte sich mit Thilo ein Kopf-an-Kopf Rennen bis zur Passhöhe. Mir war das Ganze zu stressig (und das gelbe Trikot war ja schon in trockenen Tüchern )
Danach veranstalteten wir in unserer Garage einen halbstündigen Fahrrad-Origami Wettbewerb und verstauten unsere Rösser wieder erfolgreich in die Transportboxen.
Ein letzter Besuch in unserem Stamm-Cafe "Spasso" an der Promenade (wo Adi, wie Ihr sicher schon erraten habt, noch unbedingt eine Pizza Diavolo probieren musste) beendete unser diesjähriges Trainingslager an der Costa Blanca.
Mir hat es sehr gut hier gefallen. Die Landschaften und die vielfältigen Möglichkeiten für Radtouren sind einzigartig. Nächstes Jahr gerne wieder. Vielleicht finden sich ja weitere MitstreiterInnen, denen wir mit den Berichten den Mund wässrig oder die Oberschenkel kribbelig machen konnten?
Kaiserwetter auf der Königsetappe - so muss das sein! Wie schon am letzten Freitag angedroht, sind wir heute die ultralange Abfahrt von Ares del Bosque runter nach Callosa hochgefahren. 30km den Berg hinauf - yippie! Was soll ich sagen: es war deutlich einfacher als gedacht. Irgendwie hat sich jeder heute angesichts des ungewissen Ausgangs am Riemen gerissen und nicht versucht, irgendwelche historischen Tour de France Bergankünfte nachzuspielen.
Trotzallem waren Körper und Geist doch ziemlich erleichtert, als nach 2h der Zielstrich auf der Passhöhe überfahren wurde (zur Erklärung: fast jede ernsthaftere Bergstrecke in dieser Gegend ist scheinbar desöfteren Schauplatz bei einem Eintagesrennen oder einer Etappenfahrt, wie man an den vielen Straßenmalereien sehen
kann - unsere Namen konnten wir leider nie lesen. Hallo Ihr Spanier, das muss beim nächsten Mal besser werden!)
Danach sind wir auf einer moderaten Abfahrt noch etwas ins Hinterland gerollt, um schließlich auf einer Hochebene (auf etwa 500m ü.NN) zu landen. Die Vegetation bzw. das Landschaftsbild sah hier komplett anders aus als in den Tagen zuvor. Sehr viel Grün bestimmte die Szenerie. Üppige Wiesen und riesige Laub!bäume, die sich sanft im Wind wogten. Das alles hat mir sehr gut gefallen - weniger gut gefallen hat mir, dass die Spanier scheinbar eine Aversion gegen den Brückenbau hegen. Wenn es gilt, eine nur 50m breite Schlucht zu überwinden, ist die bevorzugte Technik, die Straße in Tausenden von Serpentinen auf den Talgrund zu führen und auf der andere Seite wieder in
ebenso vielen Serpentinen hinauf. Am Anfang findet man das ja noch idyllisch, aber nach der x-ten Wiederholung kann das schon die Nerven strapazieren (von den Muskeln ganz zu schweigen).
Nach 26 Kilometern auf dieser Achterbahn standen wir plötzlich am oberen Ende des Vall di Gallinera (Tal der Kirschen). Wer alle Tagesberichte aufmerksam durchgelesen hat, weiß, dass uns jetzt 20 Kilometer entspannte Abfahrt bevorstanden, die wir auch sehr genossen Thilo hatte übrigens oben noch eine Alternativroute vorgeschlagen, aber bei der Beschreibung unvorsichtigerweise das Wort "Rampen" erwähnt, was zu einem spontanen Veto durch Adi und mich führte (nach unseren Erfahrungen mit "Rampen" in den letzten Tagen). Der restliche Heimweg verlief unspektakulär und war uns schon sehr gut bekannt - so schnell gewöhnt man sich also an ein neues Revier. Adi bekam leider noch Probleme mit seinem Knie bzw. besser gesagt mit dem Sehnenansatz. Er hatte in den letzten Tagen wohl zu viel und zu heftig mit seiner Sattelhöhe herumexperimentiert, das hat sich jetzt eben gerächt
Kleine Anekdote: im Hotel suchte Adi lange Zeit vergeblich seinen Hotelzimmerschlüssel (eine Magnetkarte im Kreditkartenformat). Schließlich fand er ihn - in seinem Radschuh! Er hatte ihn morgens dort hineingeworfen und war 150km darauf herumgefahren Kein Kommentar ...
Vom Privat-Sender ADI-TV erreichten uns kurz vor Redaktionsschluss noch sensationelle Aufnahmen vom heutigen Bergsprint in Guadalest. Diese wollen wir der geneigten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten:
Wenn man in in einer bislang unbekannten Gegend herumfährt, hat das u.a. den entscheidenden Vorteil, dass man jede bisher gefahrene Tour einfach in die andere Richtung fahren kann und dabei praktisch eine komplette neue Landschaft sieht. Cook propagiert ähnliches ja schon lange mit seinem ReTour Konzept Deswegen haben wir heute noch einmal den Coll de Rates in Angriff genommen, allerdings von der anderen Seite her. Vor dem Coll de Rates sind wir noch einen anderen Pass hoch, den wir schon die ganzen Tage vorher im Auge hatten (im wahrsten Sinne des Wortes). Östlich von Xalo, von weitem schon gut sichtbar, schlängelte sich eine Straße an einem Bergstock entlang hoch nach Bernia, um dann auf der anderen Seite wieder in Xalo herauszukommen. Unten sah der Anstieg noch wie eine der von mir bereits gelobten Bergstraßen der vergangenen Tage aus: einsam, mit schönen Ausblicken und sehr angenehmen Steiungsprozenten. Auf dem GPS Track kann man prima verfolgen, wie die Passstraße verschnörkelt der Topographie angepasst wurde. Nur muss leider der zuständige Bauingenieur am Ende der Strecke mit Entsetzen festgestellt haben, dass er mit solch sanfter Steigung unmöglich die gewünschte Höhe erreichen wird. Ergo haben sie die letzten Kilometer kurzerhand wieder senkrecht die Wand hochlaufen lassen. Dementsprechend war auch uns das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, als wir nach Umrundung einer harmlosen Kurve plötzlich vor einer unüberwindbaren Mauer standen. Schon wieder musste das 26er zum Einsatz kommen (Hallo@Thomas: ja, ich stehe dazu!)
Nach dieser Tortur sind wir, wie man ebenfalls auf dem GPS Track gut erkennen kann, nicht direkt zum Coll de Rates gefahren, sondern haben noch eine Ehrenrunde eingelegt, um die Muskulator zur Ruhe kommen zu lassen. Der Coll de Rates sieht von unten recht spektakulär aus. Leider kam ich heute wenig zum Fotografieren, da wir mehr Radrennen als -tour gefahren sind. Dafür habe ich mich dann im Anstieg mal als Kameramann versucht und ein kurzes! Video gedreht, das ich Euch nicht vorenthalten möchte
Ja, ich weiß: da muss ich noch viel üben. War aber auch nicht so ganz leicht, den Anstieg hochzukurbeln und gleichzeitig zu filmen.
Oben auf der Passhöhe sahen wir, wie aus dem Süden bereits schwarze Wolken in unsere Richtung drückten. Wir beeilten uns, um noch vor dem Regen wieder nach Calpe zu kommen. Leider haben wir die rettende Wolkenlücke um nur ein paar Kilometer verpasst und wurden noch richtig kräftig geduscht. Die großen Regentropfen taten im Gesicht ganz schön weh, aber glücklicherweise war es immer noch angenehm warm, so dass wir in den nassen Klamotten nicht frieren mussten ...
Adi und ich ließen den Tag dann noch mit dem obligatorischen Cafe con leche an der Strandpromenade ausklingen (in der Zwischenzeit auch wieder unter strahlendblauem Himmel). Weil es noch unendlich lange 1.5h bis zum Abendessen waren, musste Adi natürlich auch noch eine Pizza Diavola als kleinen Zwischensnack zu sich nehmen.
Auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen (Hallo Törtchen!) hier an dieser Stelle noch ein Bild vom Süßigkeitenregal im Mercadona. Es versteht sich von selbst, dass wir als ernsthafte Radsportler immer einen weiten Bogen um diesen Ort der Sünde machen!
Um allen Lästermäulern gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, wir drei sind große Weicheier: Es hat heute praktisch den ganzen Tag über geregnet und deswegen sind wir erst einmal nicht aufs Rad gestiegen.
Bezüglich des Grunds für den plötzlichen Wetterwechsels habe ich so meine eigene Vermutungen. Wahrscheinlich hatten sich gestern abend zu Hause die neidischen NC-Daheimgebliebenen zu einem gemeinschaftlichen Regentanz versammelt. Es war nämlich schon sehr verdächtig, dass laut Wetterradar die einzigen Wolken über ganz Spanien gerade über unserem Gebiet hingen.
Daran, dass wir hier nicht unsere Teller leer essen würden, kann es auch nicht liegen. Wir essen alles brav auf. Wenn was übrig bleibt, so wird das durch Adi rückstandsfrei vernichtet. (Das gilt auch für die Essensreste der anderen Hotelgäste!)
Na ja, ab morgen soll es wieder 100% sonnig werden. Schon heute abend sah der Himmel so aus, als wäre nichts gewesen. Deswegen habe ich gleich noch zusammen mit Thilo das Anti-Standby-Programm von gestern quasi wiederholt
Bilder des Tages gibt es leider keine. Wir ersparen Euch die Anblicke von 3 Northwoodies, die missgelaunt auf ihren Betten liegen und sich Formel1 und Amstel Gold Race anschauen.
Jeder hat so sein eigenes Rezept, wie er einen Ruhetag verbringen möchte. Der eine bleibt den ganzen Tag im Bett liegen, der andere aalt am Strand seinen Körper in der Sonne. Ich habe schon vor einiger Zeit festgestellt: wenn ich am Ruhetag gar nix mache, so wird der Tag danach zur absoluten Hölle. Meine Theorie: der Körper stellt fest: "aha - Pause!" und fährt alle Systeme in den Standby-Betrieb herunter. Und am nächsten Tag gibt es dann kilometerlange Diskussionen zwischen Hirn und Muskeln, ob man jetzt bitteschön wieder brav die Pedale bewegen könnte.
Da verzichte ich lieber drauf. Also bin ich heute wieder in den Sattel gestiegen, ein paar Kilometer locker an der Küste entlanggerollt und dann meinen 5km Lieblingsanstieg im gelben Drehzahlbereich hinaufgebrettert. Das durchblutet schön die Muskulatur und keiner kommt auf die blöde Idee, in den Standby zu wechseln.
Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass Adi bei so einer Aktion gleich mit dabei war. Oben sind wir wieder locker weitergefahren, hoch über den Dächern und Türmen von Calpe. Nach ein paar Fotosessions waren wir nach 1.5 Stunden wieder im Hotel.
Kurz geduscht und gleich ging es zu Fuß weiter an die Strandpromenade. In einer Bar genossen wir unsere "Cafe con leche" (1 EUR / Tasse!) und ließen unsere Blicke übers Meer schweifen. Ist die versammelte Leserschaft jetzt hoffentlich ein bisschen neidisch?
Irgendwann gesellte sich noch Thilo zu unserer Runde, der am Ruhetag nichts besseres zu tun hatte, als auf diesen markanten Felsbrocken an der Küste zu klettern (300m Höhenunterschied!)
Adi wurde in der Bar angesichts seiner immensen Tagesleistung von einer Hungerattacke überrascht und musste, um nicht ins Koma zu fallen, schnell noch eine Pizza Diavolo vernichten.
Zusammenfassung:
Tourenlänge: 20km
Höhenmeter: 270m
Nach 3 Tagen im Sattel machte sich beim Frühstück zum ersten Mal Unlust breit. Im Nachhinein war es aber eine sehr gute Idee, meinen Hintern zu überreden, sich vor dem Ruhetag noch einmal für ein paar Stunden auf das unbequeme Gestühl drücken zu lassen.
Unsere heutige Route führte uns an der leider stark befahrenen (ansonsten aber wunderschönen) Küstenstraße in Richtung Süden. Um nicht durch die Betonburgen-Metropole Benidorm fahren zu müssen, verkrümelten wir uns nach einigen Kilometern ins Hinterland.
Kleine Randnotiz: laut Wikipedia besitzt Benidorm die weltweit größte Hochhausdichte gemessen an seiner Einwohnerzahl.
Tja und dann ging es bergauf. Und bergauf. Und immer noch bergauf. Scheinbar endlose 20km Anstieg zum Port de Tudon. Auf ungezählten Serpentinen schraubten wir uns auf 1024m Höhe. Ich hatte es ja gestern schon geschrieben: über die spanischen Straßen kam man überhaupt nicht meckern. Ein sehr sehr angenehmes Steigungsprofil und ein babypopoglatter Asphalt. Zumindest letzteres kann aber auch ein Nachteil für die Psyche sein: Wenn das Rad nicht rollen will, bleibt als logische Konsequenz nur übrig, dass es an einem selbst liegen muss. Adi hat das vielleicht auch gedacht. Heute war irgendwie nicht sein Tag. Wenn mal seine Sprüche ausbleiben, ist das kein gutes Zeichen. Er hat sich aber tapfer bis auf die Passhöhe gekämpft und nicht rumgemeckert. Erzählte uns etwas von Schmerzen in den Beinen und so weiter. Ich möchte an dieser Stelle nur das Motto eines NC-Forummitglieds zitieren: "Radsport ist kein Spaß"
Ich habe diesen Anstieg gleich in meine persönliche Top5 aller bisher gefahrenen Anstiege befördert. Alleine die Landschaft war wieder ein absoluter Augenschmaus: Im unteren Teil karge Felswände, in die zum Teil fast schon puebloartig die Dörfer hineingebaut waren, im mittleren Teil der Wechsel in einen sehr dichten Nadelwald und oben dann Hochflächen mit grünen Wiesen. Und immer wieder konnte man einen Blick aufs Mittelmeer erhaschen.
Nach dem Port de Tudons vernichteten wir einen Teil der hart erkämpften Höhenmeter auf einer 8km langen Abfahrt und mussten in der prallen Sonne wieder auf beinahe die gleiche Ausgangshöhe hochklettern.
Und danach kam die längste Abfahrt meines bisherigen Radfahrerdaseins. 40km lang ging es praktisch nur bergab. Durch eine Felsschlucht in ein Dorf, das von einer Burg in Blumentopfform überragt wurde. Hoch über den Ufern eines türkisblauen Sees hinab in einen Nadelwald und zum Schluss durch die endlosen Obstplantagen in Richtung Küste. Ich bin bekanntermaßen nicht der geborene Abfahrer, da ich mich einfach in schnell gefahrenen Kurven nicht wohl fühle.
Aber die Abfahrten in dieser Gegend machen mir wirklich Spaß (das zeigen auch die sehr entspannten Werte auf meinem Pulsmesser).
Thilo hat schon angekündigt, dass wir die letzte Abfahrt des Tages nächste Woche hochfahren werden. Auweia! Nur die Harten kommen in den Garten.
Es ist übrigens gerade 22.30 Uhr und es klopft an meiner Zimmertür. Adi begehrt Einlass und zeigt auf mein Compex Bei unserer Rückkehr hatte er noch verkündet, er würde sich jetzt neue Beine kaufen gehen. Scheinbar war er auf seiner Suche nicht erfolgreich.
Meine Erkenntnis des Tages: Powergel Lime von Powerbar schmeckt "pfui deibel". Da haben die Jungs im Chemielabor aber ganz gewaltig daneben gegriffen Nur der Gedanke an die dann verschwendeten 1.60 EUR hinderte mich am sofortigen Ausspucken. Na ja, was soooooooo schlecht schmeckt, kann ja nur wirksam sein ...
So - morgen ist Ruhetag. Da wird gefaulenzt Und mein Rad geputzt, an dem Rahmen kleben nämlich schon mehrere Liter Isogetränk.
Warum das "Tal der Kirschen" "Tal der Kirschen" heißt, konnte bis zu guter Letzt nicht vollständig geklärt werden. Eigentlich heißt das gute Ding offiziell "Vall de Gallinera" und das hat scheinbar irgendetwas mit Hühnerställen zu tun.
Bei der Abfahrt vom Hotel machte sich in meinem Beinen gleich mal das Laktat bemerkbar. Das kenne ich nicht anders aus Trainingslagern - also kein Grund zur Panik. Müde Beine fährt man sich am besten an einem schön langen Anstieg wieder locker und das haben wir auch gleich mal gemacht. Entweder läuft es danach wieder rund oder man kann gleich wieder zurückfahren. Ich selbst habe mir die Erlaubnis erteilt, weiterzufahren
Nach gut 40km Ein"rollen" befanden wir uns dann am Eingang des oben besagten Tals. Leider habe hier keine Fotos gemacht, weil wir ja schlecht alle 5 km für Fotosessions anhalten können. So muss ich es eben mit Worten beschreiben. Das Vall di Gallinera zieht sich auf 20km Länge hin und überwindet dabei ca. 500m Höhe. Nicht sehr viel, aber immerhin genug, dass die Beine es als anstrengend empfinden. Der Taleingang ist schluchtartig, wie aus einem Wildwestfilm. Ich wartete die ganze Zeit darauf, dass nach dem nächsten Felsvorsprung eine Horde Komantschen über uns herfällt. Hatten aber Glück und blieben vom Pfeilhagel verschont. Im hinteren Teil öffnet sich der Talkessel zu einer Hochebene, auf der Kirschbaum neben Kirschbaum steht (deswegen ist "Tal der Kirschen" schon ganz passend). Unterwegs überholten wir ein Rudel Radtouristen. Thilo und ich feuerten eine Dame gekleidet in den Schweizer Nationalfarben mit "Hopp Schwyz!" an. Darüber hat sich die Gute sichtlich gefreut.
Thilo hatte uns nach dem langen Aufstieg eine ebenso lange Abfahrt versprochen. "Wir müssen nur noch in das Nebental rüber". "Nur noch" war aber eine ziemliche Verharmlosung für die supersteilen Rampen, die uns davon noch trennten.
Spanier bauen hier unten die offiziellen Bergstrecken ja wirklich mit sehr angenehmen Steigungsprozenten. Wenn es aber darum geht, eine Nebenstrecke zum nächsten Dorf zu basteln, wird der Teer scheinbar einfach so auf den Berg geklatscht, d.h. es geht dort kerzengerade die Wand hoch. Ich hatte auf meinem Zahnkranz das 26er Ritzel eigentlich nur für Notfälle montiert. Und das hier war jetzt ein großer Notfall. Ich musste stellenweise selbst mit dieser Übersetzung zick-zack fahren, um nicht umzukippen. Geschätzt hatten die Rampen deutlich mehr als 20%. Ich versuchte den grimmig dreinschauenden Adi mit "Ist so wie bei Euch daheim in den Weinbergen" aufzumuntern, woraufhin ich nur ein patziges "Da fahre ich aber nicht 50 von den Dingern hintereinander hoch!" erntete. Ups?
Na ja, schließlich kam sie dann doch, die versprochene schöne Abfahrt. Und das war auch gut so, denn Adi und ich hatten oben auf der Passhöhe unsere letzte Trinkflasche geleert. 30km lang durften wir jetzt die Beine hochnehmen, mussten nur ab und zu über eine kleine Gegenwelle drücken. Sehr entspannend!
Nachdem sich die gestrige "Flachetappe" mit knapp 1500 Höhenmetern alles andere als topfeben zeigte, schwante mir bei Thilos heutigem Tagesmotto "Wir fahren in die Berge" schon Übles. Aber zumindest in den Bergen war es überhaupt nicht übel, sondern einfach nur traumhaft schön. Die umwerfenden Panoramen ließen mich sogar das Laktat in den Muskeln vergessen. Ich war schon mehrmals in Spanien, aber das hier war für mich bisher die farbenfroheste Landschaft.
Entlang der Serpentinen überall blühende Pflanzen und ein großer endloser grüner Teppich. Ab und zu ein kleines Pinienwäldchen, das herrlich nach Nadelholz duftete und in der Ferne immer wieder das Meer. Hier konnte man es aushalten! Auch das Schönste geht irgendwann zu Ende und so brachte uns die mehr als 10 km lange Abfahrt von der Passhöhe "Coll de Rates" (was für ein Name!) wieder zurück in die Zivilisation.
Die weitere Route führte uns nach Denia, einer größeren Stadt an der Costa Blanca. Das war natürlich das krasse Gegenteil zum vorher Erlebten: Laut, staubig und hässlich.
Hinter Denia ging es wieder Richtung Süden entlang der Küstenstraße nach Calpe. Dort blies uns ein extrem starker Wind genau entgegen. Thilo und ich kannten das schon von früheren Spanienaufenthalten und ergaben uns den Naturgewalten ('s isch halt so), aber Adi haderte sichtbar mit dem unsichtbaren Gegner. Thilo hatte ein Einsehen mit seinen Qualen und so sind wir dann kurz vor Calpe, anstatt der direkten Route zu folgen, noch einmal einen netten Berg hochgefahren. Denn am Berg weiß man wenigstens, warum es gerade wehtut - beim Gegenwind nicht!
Kleine Anekdote am Rande: Bei einer Pinkelpause berechnete ein jetzt nicht weiter benanntes Gruppenmitglied die Windablenkung falsch ein (obwohl er es auf Grund seiner mechanisch-physikalischen Grundausbildung besser wissen müsste). Na ja, mit dem Wasser aus der Radflasche ließ sich das neu eingefärbte Lenkerband schnell wieder sauberwaschen
Ich habe heute übrigens festgestellt, dass ich hellseherische Fähigkeiten besitze: Immer wenn uns ein Auto knapp überholt, weiß ich schon vorher was für ein Nationalitätenkennzeichen am Heck prangen wird: "D" wie D'autofahrerland. Shame on you!
Das war's für heute!
Ich habe übrigens Adi mal mein COMPEX ausgeliehen (siehe auch Beweisfoto!) Nicht dass der Kerl nach dem Trainingslager behauptet, Thilo und ich hätten einen unfairen Wettbewerbsvorteil gehabt
Erkenntnis des Tages:
Wenn man mit vollem Bauch in den Mercadona pilgert, kommt man mit deutlich weniger Süßigkeiten zurück, als wenn man dort direkt nach dem Radfahren einläuft!
Ich liebe es, an einem Frühlingsmorgen im Hotelzimmer die Vorhänge auseinander zu ziehen und auf ein blaues Meer und einen nicht weniger blauen Himmel schauen zu dürfen. So und nicht anders hatte ich mir das vorgestellt
Nach einem sehr ausgiebigen Frühstück sattelten wir um 10 Uhr unsere Rösser und ritten gen Norden los. Eine sehr kurvenreiche und wellige Straße direkt an der Küste führte uns nach Moraira. Eines war schon nach wenigen Kilometern klar: "flach" gibt es hier unten nicht. Ein ständiges Auf und Ab. Die Gegend ist in Küstennähe sehr viel mehr bebaut, als ich das in Spanien bisher erlebt hatte. Der Verkehr hält sich aber trotzdem sehr in Grenzen bzw. ich habe ihn praktisch gar nicht wahrgenommen. Und ich persönlich habe auf dem Rad immer positive Erfahrungen mit Spaniern gemacht (entgegen aller anderslautenden Meinungen) - der einzige Autofahrer, der uns heute angehupt hatte, war ein deutscher Landsmann. Aber zurück zu unserer Tour.
Von Moraira führte die Route dann ins Landesinnere, wo die Bebauung deutlich nachließ, die Landschaft immer schöner und die Anstiege immer länger wurden. Wehte an der Küste noch ein kühlender Wind, war es im Landesinnern schon ganz schön warm. Einmal nur kurz den Mund aufgemacht und schon war die Zunge an den Gaumen angetrocknet.
Da wir uns klamottentechnisch an den einheimischen Radsportlern orientierten, waren wir heute vergleichsweise dick eingemummelt unterwegs. Adi und ich sogar in Langarmtrikots. Nach Adis Logik ist es dann natürlich unnötig, sich mit Sonnenmilch einzucremen. Demzufolge zierten nach der Ausfahrt zwei schöne rote Bänder seine Unterarme (am Übergang vom Ärmel zum Handschuh). Das heißt, der Kerl hat sich bereits nach einem Trainingstag wieder in ein halbes Streifenhörnchen verwandelt.
Und noch eine Erkenntnis: in Spanien kann man getrost seine Trinkflasche 4h lang an einer Tankstelle stehen lassen - die wird nicht geklaut. Ein sehr ehrliches Völkchen die spanier!
Nach der Ausfahrt und einem kleinen regenerativen Nickerchen pilgerten wir dann zum ersten Mal zum nahegelegenen Fress- und Konsumtempel für ausgehungerte Radfahrer dem Supermarkt "Mercadona". Dort gibt es ein gewissesRegal mit Kleinbackwaren (Amerikaner, kleine Creme Törtchen, Kokos-Makronen, usw) zur Selbstbedienung, das von uns zielstrebig angesteuert wurde. Auch wenn die zusammengestellte Riesen-Fresstüte dann mit den Henkeln schon in die Handflächen schneidet, kostet der ganze Spaß kaum mehr als 1 EUR. Ein Paradies für leuchtende Kinderaugen
Für alle, die sich (berechtigte) Sorgen mach(t)en, unser Adi könnte hier unten den Hungertod sterben, will ich noch zur Beruhigung kurz seine heute konsumierte Kalorienmenge schildern. Jedenfalls die, bei deren Aufnahme ich höchstpersönlich zugegen war.
Frühstück: nicht genau dokumentiert aber gefühlt: Unmengen
Direkt nach der Tour:
- 5 Baguette Weckchen mit Käse und Salami
- 1x500g Trinkjoghurt
- 1 Riegel Mandelschokolade - 1 Dose Erdbeerlimonade
- 1/2 Schale Erdbeeren.
Abendessen:
- 1 Salatteller
- 3 Hauptspeisenteller
- 2 Dessertteller.
In meinem nächsten Leben werde ich mir eine Lieblingssportart auswählen, die definitiv mit weniger Materialeinsatz verbunden ist! (z.B. Hallen-Halma?) Das würde mir nämlich dann nervenzerrende stunden ersparen, wenn es darum geht, das Sportgerät von A nach B zu transportieren, wie z.B. vom Northwood in den Süden Spaniens.
Aber der Reihe nach: Auf Grund meines gescheiterten Versuchs in 2008 ein Trainingslager in heimischen Gefilden durchzuführen, wollte ich dieses Jahr die sichere Variante wählen und entschied mich, wieder einmal nach Spanien zu pilgern, wo Schneefall im April doch eher ein sehr unwahrscheinliches Ereignis ist.
Das anvisierte Trainingsgebiet war Calpe an der Costa Blanca. Für mich absolutes Neuland, aber mein langjähriger Trainingslager-Leidensgenosse und Lästerkumpel Thilo aus Freiburg hatte hier schon letztes Jahr das Revier abgesteckt. Klaro, dass er dieses Jahr wieder dabei war (ok, um ehrlich zu sein: ER hatte MICH dazu überredet mitzukommen )
Fehlte uns beiden also nur noch ein passender Wasserträger. Da gibt es für mich nur einen Kandidaten, der grundsätzlich bei jeder noch so verrückten Radaktion sofort dabei ist: Adi from the Schwobaländle
Die Personalfragen waren damit also geklärt, blieb nur noch das eingangs erwähnte Problem, wie mein fahrbarer zweirädriger Untersatz nach Spanien transportiert werden konnte (vorort ein Rad zu leihen kam für mich als Sitzpositions-Fetischisten überhaupt nicht in Frage) Für die letzten Flüge hatte ich mir jeweils einen Radkoffer gemietet, dieses Mal kaufte ich mir einen sehr günstigen Transportkarton vom ROSE Versand. Das Einpacken gestaltete sich weit weniger schwierig als die letzten Origami-Experimente mit dem Radkoffer. Das lag wohl hauptsächlich daran, dass der Versandkarton ziemlich großzügig dimensioniert ist.
Die Freude darüber war jedoch etwas verfrüht, wie sich später noch herausstellte.
Unsere eigentliche Anreise nach Calpe möchte ich ganz kurz mit der Überschrift "Pleiten, Pech und Pannen" beschreiben.
Pleite Nr.1:
Beim Einpacken bemerke ich, dass sich an meinem Vorderrad ein kapitaler Lagerschaden ankündigt (Lager kratzen beim Drehen der Nabe). Toll! Musste ich eben mein Campagnolo Nucleon Vorderrad mitnehmen, bei dem ich eigentlich nach 9 Dienstjahren täglich mit der Auflösung der Bremsflanke rechne ...
Pleite Nr.2:
Wir hatten extra bei der Autovermietung ein Fahrzeug aus der Kategorie "Peugeot Partner, VW Combo, o.ä" ausgesucht, weil wir ja 3 Radkoffer samt Gepäck und noch 3 Personen unterbringen mussten. An der Ausgabestelle verkündete uns die Dame dann freudestrahlend, dass das Fahrzeug gerade nicht verfügbar wäre, wir aber ohne Aufpreis ein Fahrzeug aus der nächsten Kategorie haben könnten. Prima, liebe Leute bei SIXT: schon einmal versucht, 3 80cm hohe Radkoffer aufrecht in einen Kombi reinzuquetschen. Und auch ganz toll, dass Ihr noch nicht einmal Euren Fehler eingestehen wolltet und uns nicht die Stornogebühren komplett erstattet wollt. Kundenbindung der anderen Art: für mich heißt das: NIE WIEDER SIXT! Und ich kann nur hoffen, dass viele Leser dieses Artikels ähnlich handeln werden. Umso netter waren die spanischen Taxifahrer, die für uns in der Gegend herumtelefonierten, um ein adäquat großes Taxi aufzutreiben. Hat dann auch prima geklappt und im Endeffekt nicht mehr gekostet als der Mietwagen.
Pleite Nr.3:
Im Hotel wird uns mitgeteilt, dass wir die Räder nicht auf die Zimmer mitnehmen dürften, weil einige Vorgänger von uns mit ihren Rädern dort wie die Vandalen gehaust hätten. Toll - mussten wir also extra eine Garage mieten (was selbstverständlich NICHT kostenlos war)
Pleite Nr.4 (der Hammer des Tages)
Adi verkündet beim Zusammenbauen seines Gefährts, dass die Gewinde am Syntace Vorbau ausgerissen sind- also das Todesurteil für dieses Bauteil. Um Lästerern gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Adi hat die Schrauben mit einem Drehmomentschlüssel vorschriftsmäßig angezogen.
Da war dann erst einmal die Stimmung am absoluten Nullpunkt angelangt
Doch die Rettung war nahe: im Hotel gibt es einen Schweizer Radreiseveranstalter inkl. Werkstatt. Der Mechaniker war so nett, Adi für die Zeit unseres Aufenthalts einen Vorbau auszuleihen. Vielen Dank Und weil die Jungs so nett waren, mache ich auch gerne Werbung für sie an dieser Stelle: www.gustizollinger.ch (Hallo @SIXT: merkt Ihr was?)
... wenn einem als vermeintlich erfahrenen Schrauberhasen so etwas passiert (*)
... noch peinlicher wenn man mehr als 3 Wochen damit herumfährt ohne es zu bemerken.
... SUPER peinlich, wenn man erst von einem Schrauber-Rookie darauf hingewiesen werden muss.
... darüber dass der Reinigungszustand der abgelichteten Baugruppe am oberpeinlichsten ist, müssen wir erst gar nicht diskutieren. Es handelt sich dabei aber um mein treues Trainingspferdchen Rosalinde, und die kann das ab.
Zur Entschädigung darf sie auch nächste Woche mit in Spaniens Süden (und wird vorher natürlich noch ordentlich gestriegelt und gebürstet)
(*) An alle. die den Fehler in diesem Bilder nicht finden: Willkommen im Club
racing_fool und die Eisplatten - das war in den letzten Wintern immer eine spannende Angelegenheit. Obwohl: "spannend" eigentlich eher nicht, da die Eisplatten eindeutig das Spiel mit 2:0 für sich entscheiden konnten.
Das darf so nicht weitergehen, sagte ich mir und sorgte für Unterstützung in Form von 608 neuen motivierten kleinen Freunden. Zwei von ihnen möchte ich hier kurz mal persönlich im Bild vorstellen:
Nick and Rake - two of my new dear friends
Gestern bin ich dann gleich mit meiner neuer Privatarmee in den Wald und über jede Eisplatte hergefallen, die sich unvorsichtigerweise zeigte. Sie wurden alle überrollt - keine Chance zur Gegenwehr!
So und jetzt zu den Details für die eher technisch orientierte Leserschaft:
Ich habe mir den Luxus zweier Spikereifen gegönnt. Es handelt es sich dabei um die Schwalbe Ice Spiker Pro. Jeder Reifen wiegt 980g und ist mit 304 Spikes bestückt. Die Spikes haben Spitzen aus Wolfram-Karbid, was eine lange Haltbarkeit gewähren soll. Vom gleichen Hersteller gibt es auch noch die Ice Spiker Pro Evo Variante. Mit 695g deutlich leichter, aber dafür im Preis auch fast doppelt so teuer.
Nach nur einer Testfahrt ist es natürlich noch zu früh, um ein umfassendes Fazit über ein Produkt abgeben zu können. Aber ich bin jetzt schon begeistert!
Diese Reifen sind auf winterlichem Untergrund die Materialisierung des Wortes "Traktion". Anfangs noch skeptisch, ob die euphorischen Berichte aus anderen Internetforen nicht maßlos übertrieben sind, habe ich gegen Ende meiner Ausfahrt extra jede Eisplatte in Sichtweite angesteuert, um zu schauen, ob die Reifen nicht doch eine Grenze kennen. Zumindest auf Eis kennen sie die definitiv nicht. (Testprogramm: Bremsen auf einer Eisfläche mit der Vorderradbremse)
Und auch auf Schnee zeigen sie keine Schwäche. Das Profil ist so entworfen, dass es sich nicht zusetzen kann. Maximale Traktion also zu jedem Zeitpunkt. Das Einzige was ich gewöhnungsbedürftig fand: Fährt man durch sehr tiefen Schnee, so hat man das Gefühl, als würde der Reifen gleich abschmieren - dann greifen aber plötzlich die Spikes und das Rad wird mit einem Ruck wieder stabilisiert.
Ich bin schon immer ganz gerne auf Schnee gefahren, vor allem wenn es sich um eine kompakte Schneedecke handelt. Aber die findet man eigentlich nie komplett auf einer Tour. Unterwegs gibt es dann Stellen, wo unter Schnee fiese Eisplatten lauern oder die vermeintlich nur feuchte Stelle auf der Straße ist doch gefrorenes Wasser. Bisher war ich auf solchen Schneetouren immer sehr angespannt, worunter der Spaß schon sehr litt. Die Ausfahrt gestern dagegen konnte ich in vollen Zügen genießen. Ich hatte vollstes Vertrauen in die Technik. Also eine ganz klare Kaufempfehlung meinerseits!
Wo viel Licht ist, da gibt es natürlich auch Schatten. Asphaltstrecken sind naturgemäß nicht der angedachte Lebensraum für die Ice Spiker. Vor allem, wenn es sich um offenporigen Asphalt handelt, ist das Vorankommen mühsamer als sonst. Wickelt mal ein Klettband um eure Reifen und fahrt dann zuhause über den Wohnzimmerteppich. So in etwa fühlt und hört es sich an.
-12°C aber strahlendblauer Himmel! Hmmm, lieber Sofa-TV-Skispringen-Guck-Sport oder raus in die Wildnis und auf die Suche nach dem Kältepol?
Getreu dem Motto "Es gibt kein ungeeignetes Wetter zum Biken - es gibt nur ungeeignete Kleidung" wollte ich an dieser Stelle mal kurz die wesentlichen Ausrüstungsgegenstände vorstellen, mit der selbst eine 3.5h Biketour bei zweistelligen Minusgraden nachweislich (ich lebe noch) überstanden werden kann.
1. Die von mir schon des öfteren propagierten Übersocken
2.Gesichtsvollverkleidung
3. Zentralheizung: Wärmepads unter 4-schichtiger-Oberbekleidung. Wärmepads werden vor längeren Abfahrten durch Knicken eines Metallplättchen aktiviert. Danach kann man sich ca.30 Minuten lang an kochend heißem Blut erfreuen, das durch den Körper zirkuliert.
4: Die "Belohnung" hinterher: altbewährte Kalorienbombe
Typ A: "Mr.Penibel" Nach einer Ausfahrt mit meinem Carbonpferdchen auf nicht 100% trockenem Terrain gehe ich schon mal hinterher mit Q-Tips an die Mechanik um jedes Schmutzkrümelchen zu eliminieren. Mindestens 4x pro Jahr wird das Rad in alle Einzelteile zerlegt, geputzt, geölt und wieder (richtig) zusammengebaut.
Typ B: "Und nach mir die Sintflut": Radwartung ist was für Warmduscher. Mir macht es dann auch nix aus, wenn nach 50km die linke Kurbel von der Achse fällt und nur noch vom Pedal an meinem Schuh gehalten wird. Passende Inbusschlüssel führe ich auch nie mit. Dafür habe ich ja den racing-Abschleppservice dabei - der schiebt mich die 3 Kilometer bis zum nächsten Ort mit Tankstelle.
Typ C: "Der Ausbeuter". Die Wartungs- und Pflegearbeiten habe ich an meine Kinder out-ge-source-d. Wozu leben die schließlich mietfrei bei mir?
(27.12.2008: auf vielfachen Wunsch hin wurde Auswahl erweitert)
Typ D: "Das Rad ist pure Erotik" Hat Angst, seiner Herzensdame weh zu tun oder sie gar zu beschmutzen. Bei Schmutzgefahr wird entweder auf der Strasse gefahren (sofern trocken) oder halt gejoggt. Hat sich wegen der vielen Trockenfahrten Feinstaub angesammelt, wird er einfach abgefönt. Die Kette wird wegen Verteerungsgefahr des gesamten Antriebs nicht geölt
Wir sind auf Eure Rückmeldungen gespannt! Die Beschreibungen hinter den einzelnen Typen sind natürlich total überzogen, so etwas gibt es in Natura nicht. Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen oder Geschehnissen der jüngeren Zeitgeschichte wären rein zufällig.
Was mir an dieser Stelle gerade so einfällt: @Adi: Du solltest heute abend noch einmal deine Kurbelschraube sicherheitshalber nachziehen - sie könnte sich auf den letzten 50 Kilometern wieder gelockert haben.
Aktionen, die mit dem Attribut "ischd nix für Angschdhasen" versehen wurden, sind im allgemeinen ja eher weniger geeignet für mich, den racing_coward.
Umso erstaunter war ich als ich nach X-Ls Anfrage: "Wir beide skaten morgen abend von Freudenstadt hoch zum Kniebis - mit Stirnlampen! Bist du dabei?" meine Finger spontan "Klaro!" tippen sah. (waren wohl nicht meine Finger)
Ok, es wurde für mich endlich Zeit, mal wieder ein bisschen mehr "Blödsinn" zu machen.
Trotzdem stand ich dann gestern abend mit leicht schlotternden Knien (an der Kälte lag es nicht) am Start der Kniebisspur in der Nähe des Lauferbrunnens. X-L hatte vorher netterweise noch den letzten Rest Selbstvertrauen durch "Also die Höllenabfahrten sind schon kritisch - aber du bist ja der geborene Downhiller" torpediert und erfolgreich versenkt und Yvo warf mir bei der Verabschiedung im LL-Leistungszentrum HTW einen Blick hinterher à la "den siehste wohl nie wieder".
racing_coward's listed doubts as follows:
- Sind 17 nicht gerade flache Kilometer zu viel für den LL-Saisoneinstieg?
- Überlebe ich die Höllenabfahrten oder darf mich die Bergwacht hinterher aus dem Stamm einer Schwarzwaldtanne heraussägen?
- Wird das Licht meiner Sigma PowerLED ausreichen oder sehe ich nur im letzten Moment den Stamm der Schwarzwaldtanne, aus der mich später die Bergwacht heraussägen muss?
Die letzte Befürchtung hatte sich nach wenigen Metern im gleißenden Licht meines Flakscheinwerfers auf dem Kopf pulverisiert. Das gute Ding war auf dem Schnee derart hell, dass X-L gedemütigt seine eigene Funzel "Modell Grubenlampe" ausschaltete und sich den Rest der Tour nahezu ausschließlich in meinem Lichtkegel aufhielt (wie eine Schnake, die abends um die Deckenlampe kreist).
Das wiederum hatte für mich den Vorteil, dass ich meinen Wiedereinstieg hinter dem "Godfather of skating in the northwood" verbringen durfte. Seiner sehr gleichmäßigen und mir gnädig gestimmten Fahrweise ist es sicherlich zu verdanken, dass die Runde für mich nicht zu einem konditionellen Waterloo wurde. Thanks for that, X-L!
Blieben zu guter Letzt die "Höllenabfahrten" übrig. Sie waren bei weitem nicht so schlimm wie befürchtet. Es war klar, dass X-L immer einen Riesenspaß hat, wenn er mir irgendwelche Horrorgeschichten auftischen kann, dass es aber so stressfrei werden würde, hatte ich selbst nicht geglaubt. Die Freude über meine vermeintlich neu entwickelten Abfahrerqualitäten waren allerdings etwas verfrüht - der letzte Downhill hatte es nämlich wirklich in sich: Eine kerzengerade Schussfahrt auf blankem Eis und unten natürlich die unvermeidliche Kurve. Um diese konnte ich noch relativ souverän oder mit viel Dusel herumeiern (je nach Interpretation), vor lauter Freude darüber überkreuzten sich jedoch meine Ski und eine sofortige Auflockerung der Loipenoberfläche durch diverse racing_coward Körperteile und Ausrüstungsgegenstände war die Folge. Ich kam trotzdem noch ausreichend weit entfernt von jeglicher Schwarzwaldtanne zum Stillstand.
Nachdem sich also sämtliche Zweifel und Ängste schnell als unbegründet erwiesen hatten, konnte ich mich auf die eigentlichen Highlights dieser Expedition konzentrieren. Winter mit viel Schnee ist ein Traum für mich (zumindest wenn er nicht direkt vor meiner Haustüre liegt). Eine Tour durch einen tief verschneiten Wald setzt noch einen drauf. Die Atmosphäre war einzigartig. Im Schein der der Helmlampe glitzerte überall der Schnee wie ein Meer aus Juwelen. Und kein Mensch außer uns beiden Verrückten war unterwegs (nicht sehr verwunderlich) Eine Stille wie in Watte gepackt, bis auf das gleichmäßige Tsch - tsch der Ski und dem Tchik-tchik der Stöcke. Northwood-Winter-Meditation!
Auf der Loipe herrschten Top Bedingungen und das leicht wellige Profil der Runde sorgte für einen angenehmen Wechsel aus Anstrengung, Flow und Regeneration. Der einzige Wermutstropfen waren zähe Nebelschwaden, die uns ausgerechnet an den entscheidenden Stellen tolle Ausblicke verwehrten.
Aber man kann ja schließlich nicht alles haben.
Resümee: GENIAL OHNE ENDE. Wenn ich kein Mann wäre, hätte ich hinterher vor Glück heulen müssen. So etwas muss man als echter Northwoodler einmal erlebt haben. Bei mir wird es sicher nicht bei "einmal" bleiben. Beim nächsten Mal bitte noch mit sternenklarem Himmel und Vollmond, dann gibt es kein Halten mehr.
Vielen Dank an X-L für diese "total bescheuerte" Idee inkl. Durchführung und lieben Dank an Yvo für die Um- und Versorgung (ich glaube in der Zwischenzeit "schulde" ich dir schon geschätzte und gefühlte 100 kg Gebäck)
An dieser Stelle drücken wir alle noch dem X-L feste die Daumen, dass er von der im Hause K. grassierenden Windpockenseuche verschont bleibt. Weil, wie wir ja alle wissen, führen Windpocken bei männlichen Erwachsenen zu sofortiger Impotenz.
Picture shows the illuminated godfather of skating in the northwood
P.S. Für Verwirrte: an X-L is an Eggcell is an Agsäll is a cook
Unser langjähriger Eggsbärte für internationale Beziehungen und intimer Kenner englischer Gepflogenheiten nahm sich sogleich der Sache an und schrieb unseren Freunden auf der Insel folgende Zeilen:
Dear mountainbike-friends,
we are a bunch of MTB-nutters from the Black Forest, Germany and we accidently found our "brother-website", your site northwoodcycles.com!
As our hometrails are situated to the Northern(north) Blackforest(wood) and we all love the international sound of the English language, we named our website www.northwoodcycling.com!
As the spokesman of northwoodcycling.com I wish you all the best in the name of all members and a good brotherhood. And perhaps some day we will organize the Pilgrimage to the real roots of Northwoodcycling!
Yours sincerely
Axel Cook
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und kann unten bei den Kommentaren nachgelesen werden.
Es war einmal eine lange einsame MTB Ausfahrt, in einem langen einsamen Murg-Seitental (wer kennt den Namen - nudge nudge?) als es Häuptling "Rasender Verrückter" sterbenslangweilig war und er kurzerhand einen Wanderstock-Träger massakrierte.
Zum Zeichen seines Sieges schmückte er sich sogleich mit dem erbeuteten Skalp!
Im Hintergrund: Ist es klug, sein Stahlross an einen elektrischen Weidezaun zu lehnen? Antwort: Nein
@Mitlesende Wanderstock-Träger: war natürlich nur ein kleines Scherzle